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Pünktlich zum Muttertag: Experte fordert „Elterntag“

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Von: Helena Gries

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Ist der Muttertag noch zeitgemäß? Ein Familienforscher würde den Muttertag am liebsten umwidmen. Er fordert stattdessen einen „Elterntag“.

Kassel – Muttertag steht vor der Tür, diesmal fällt er auf den 14. Mai. Vor 100 Jahren, im Jahr 1923, gab es erstmals einen Muttertag in Deutschland. Seinen Ursprung hat er in den USA, damals ging es nicht um Kommerz, sondern um Rechte der Mütter und Feminismus. Der Muttertag in seiner heutigen Form steht stark in der Kritik.

„Auf Müttern lastet noch immer sehr stark die gesellschaftliche Erwartung, sie hätten kindzentriert zu sein, sonst seien sie keine guten Mütter“, sagt Elternforscherin Désirée Waterstradt von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Der Muttertag sei dafür ein Symbol. Doch ist er überhaupt noch zeitgemäß? Familien- und Bildungsforscher Wassilios Fthenakis hat hierzu eine klare Meinung.

Muttertag: Experte fordert „Elterntag“, damit Frauen nicht auf Mutterrolle reduziert werden

„Ich glaube, dass wir den Muttertag umwidmen sollten in einen Elterntag, sonst schieben wir der Mutter eine Verantwortung zu, die sie allein nicht wahrnehmen kann“, so der Experte. Auch der Vatertag könne auf diese Weise umgewidmet werden. Fthenakis schlägt den „Elterntag“ als „Tag der Liebe, des Miteinanders, des Verständnisses und Respekts“ vor.

Muttertag
Wann?zweiter Sonntag im Mai
UrsprungUSA
erster Muttertag in Deutschland13. Mai 1923

Der renommierte griechisch-deutsche Pädagoge betont, Frauen dürften nicht auf ihre Mutterrolle reduziert werden. „Der Muttertag baut Druck auf Frauen auf, die tagsüber keine Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern.“ Mit dem Muttertag diktiere die Gesellschaft der Frau, wie sie zu sein habe. Laut Fthenakis, der unter anderem das Bundesverfassungsgericht als Sachverständiger berät, ist der Muttertag ein Normierungsinstrument.

„Elterntag“ statt Muttertag? Expertin mahnt zur Besinnung auf Ursprung des Muttertags

Die Elternforscherin Waterstradt sagt zu der Idee eines Elterntags: „Eine Zeit lang habe ich auch gedacht, das sei eine gute Idee. Aber die große Gefahr dabei ist heute, dass man sich sehr modern fühlen möchte und deshalb die evolutionären, historischen und aktuellen Unterschiede von Mutterschaft und Vaterschaft schlicht verdeckt.“

Das Wort Muttertag wird mit einem Textmarker in dem deutschen Wörterbuch Duden markiert.
Der Muttertag steht heutzutage stark in der Kritik. Ein Experte fordert sogar eine Umwidmung des Muttertags in „Elterntag“. (Symbolbild) © Imago

Für sie ist der Muttertag ein Ausdruck des schlechten Gewissens, welches durch das Schenken von Blumen und Schokolade an einem Tag im Jahr besänftigt werde. Daher sollten sich Mütter laut Waterstradt wieder auf die Anfänge des Muttertags besinnen. „Wir brauchen wieder eine Mütterbewegung und müssen uns über Mutterschaft Gedanken machen“, so die Expertin. (hg/dpa)

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