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Neue Ermittlungen um vermisste Emanuela Orlandi: Druck auf Vatikan wächst – Anwältin mit aktuellem Statement

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Von: Jennifer Lanzinger

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Ein undatiertes und am 05.07.2010 veröffentlichtes Handout zeigt ein Poster, auf dem in Rom um Informationen zur entführten Emanuela Orlandi gebeten wird. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem spurlosen Verschwinden der 15-jährigen Tochter eines Vatikan-Angestellten ist in den mysteriösen Fall erneut Bewegung gekommen.
Ein undatiertes und am 05.07.2010 veröffentlichtes Handout zeigt ein Poster, auf dem in Rom um Informationen zur entführten Emanuela Orlandi gebeten wird. © dpa

Fast 40 Jahre lang gilt Emanuela Orlandi bereits als vermisst, die Schülerin verschwand im Vatikan. Nun wächst der Druck auf den Vatikan, erstmals werden Ermittlungen eingeleitet.

Update vom Donnerstag, 12. Januar 2023, 12.04 Uhr: Seit fast 40 Jahren fehlt von Emanuela Orlandi jede Spur, nun könnte der Vermisstenfall noch einmal eine neue Wende annehmen. Denn wie zu Beginn der Woche bekannt wurde, nimmt der Vatikan neue Ermittlungen im Fall der noch immer vermissten Emanuela auf.

Vatikan-Staatsanwalt Alessandro Diddi komme damit auch einer Bitte der Familie des Mädchens nach, erklärte ein Sprecher am Dienstag. Die 15-jährige Emanuela Orlandi war am 22. Juni 1983 nicht vom Musikunterricht in Rom heimgekehrt. Der Fall gilt als eines der größten Rätsel in der jüngeren italienischen Kriminalgeschichte. Unzählige Theorien ranken sich um das Verschwinden des Teenagers, auch der Vatikan spielt in diesen eine Rolle (siehe Ursprungsmeldung unten).

Aus welchem Grund die Ermittlungen aktuell eingeleitet werden, ist bislang nicht bekannt. Der Vatikan machte dazu zunächst keine Angaben. Auch die Familie Orlandi wurde nach Angaben ihrer Anwältin zunächst nicht über Details informiert. „Wir wissen nicht, was der Vatikan tun wird“, sagte die Anwältin Laura Sgro. Sie hat demnach noch nicht herausgefunden, ob der Vatikan die alten Ermittlungsakten der römischen Staatsanwaltschaft erneut auswerten will oder eigene Spuren verfolgt.

Emanuela Orlandi seit 40 Jahren vermisst: Druck auf Vatikan wächst - Erstmals Ermittlungen eingeleitet

Erstmeldung vom Dienstag, 10. Januar 2023: Rom - Es ist vermutlich einer der mysteriösesten Vermisstenfälle der Welt: das Verschwinden der zur damaligen Zeit 15 Jahre alten Emanuela Orlandi. Fast 40 Jahre nachdem die Schülerin unter rätselhaften Umständen im Vatikan verschwunden ist, hat die Justiz des Kirchenstaates nun erstmals offizielle Ermittlungen eingeleitet.

Die Strafverfolger wollen dem Verdacht und den Hinweisen nachgehen, wonach Emanuela Orlandi, die Tochter eines Kurien-Angestellten und Staatsbürgerin des Vatikans, entführt oder ermordet wurde. Die Teenagerin kam am 22. Juni 1983 nach einer Musikstunde in der Altstadt Roms nicht mehr nach Hause. Eine Leiche wurde nie gefunden, was mit dem Mädchen geschah, konnte nie geklärt werden, berichtet merkur.de.

Am Montagabend wurde die Aufnahme von Ermittlungen aus dem Vatikan bestätigt, nachdem die Nachrichtenagentur Adnkronos als erste über die neue Entwicklung berichtet hatte. „Das sind gute Nachrichten“, sagte Pietro Orlandi, der Bruder der Verschwundenen, der Zeitung La Stampa. „Ich bin überzeugt, dass es im Vatikan viele Leute gibt, auch solche in hohen Positionen, die wissen, was damals passiert ist.“

In dem rätselhaften Vermisstenfall gibt es seit Jahrzehnten unzählige Gerüchte und Theorien: etwa dass Orlandi entführt wurde, um den Papst-Attentäter Ali Agca freizupressen; dass die junge Frau von einem hohen Beamten der Kurie missbraucht wurde; dass der römische Mafia-Clan Banda della Magliana in den Fall verstrickt ist.

Auch Netflix berichtete über den Vermissten-Fall: Wo ist das „Vatican Girl“?

Auch der Streamingdienst Netflix beschäftigte sich mit dem Vermisstenfall aus dem Vatikan. Die Dokumentation „Vatican Girl“ beschäftigte sich mit diversen Szenarien und verdächtigen Elemente rund um den Fall Orlandi. Wie italienische Medien berichteten, will der vatikanische Hauptstrafverfolger Alessandro Diddi nun alle Beweise und Dokumente von damals neu prüfen und Zeugen hören, darunter auch Kardinäle.

Ende 2015 hatte die Staatsanwaltschaft von Rom den Fall archiviert. Daraufhin wendeten sich die Angehörigen von Orlandi wieder an den Vatikan und direkt an Papst Franziskus. Beobachter:innen spekulieren, dass der Pontifex selbst zuletzt Druck gemacht haben dürfte.

Auch der jüngst gestorbene emeritierte Papst Benedikt XVI. und dessen Privatsekretär Georg Gänswein kommen in dem Fall vor. Pietro Orlandi ist überzeugt, dass Gänswein etwas von einer vatikanischen Akte dazu weiß - das habe der deutsche Erzbischof selbst der Anwältin der Hinterbliebenen gesagt. In einem Buch, das in dieser Woche erscheint, schreibt Gänswein aber: „Ich habe nie etwas in Bezug zum Fall Orlandi zusammengestellt. Dieses Phantomdossier wurde nicht offengelegt, einfach nur deshalb, weil es nicht existiert.“

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