Zeichen, die die Welt verbinden

Sag's mit einem Lächeln: Emojis sind die Hieroglyphen unserer Zeit

Zunge raus und zwinkern: Das Gesicht sagt, es war frech und nicht ganz ernst gemeint.

Kassel. Wer eine SMS bekommt, den erreichen meist nicht mehr nur ein paar knappe Zeilen mit kurzem Abschiedsgruß. Zwinkernde, die Zunge herausstreckende und lachende Mini-Gesichter finden sich in den Kurznachrichten ebenso wie Blümchen und Bierkrüge. Emojis heißen die Zeichen, die manchmal viel mehr sagen als Worte.

Ursprünglich kommen sie aus Japan: Shigetaka Kurita lebt in Tokio und gilt heute als Vater der Neuzeit-Smileys. Schon Ende der 1990er-Jahre entwarf der heute 42-Jährige das Konzept. Er entwickelte es, als er für einen Handy-Portaldienst arbeitete.

Seine ersten Emojis waren einfarbig und nicht besonders hoch aufgelöst. Das lag an den Mobiltelefonen in jener Zeit: Herkömmliche Handys verfügten nicht über Farbdisplays mit hoher Auflösung.

Emojis sind viel mehr als Smileys. Denn Smileys sind grundsätzlich eine grafisch umgesetzte Darstellung eines Gesichtsausdrucks. Emojis umfassen jedoch nicht nur Gesichter (siehe Hintergrund). Es gibt Toilettenschüsseln, Wale, Lippenstifte, Bikinis, Pistolen, Gläser, die Freiheitsstatue und viele andere Motive aus allen Lebensbereichen. Mehr als 700 Motive stehen Nutzern inzwischen zur Verfügung.

Herzaugen und ein Lächeln: Wird häufig für Verliebtheit oder „Ich liebe Dich“ benutzt.

So könnte man die bunten Bildchen auch als Hieroglyphen unserer digital bestimmten Zeit bezeichnen. Handynutzer verpassen ihren Smartphone-Texten nämlich nicht nur Verzierungen, die aus Pixeln bestehen. Die Motive haben auch eine Bedeutung – und überall auf dem Globus wissen Handybesitzer, was hinter den Zeichen steckt.

„Emojis sind mittlerweile zu einer standardisierten Form des weltweiten Austausches geworden“, sagt Florian Mayer vom Institut für Kommunikationsforschung an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. „Egal, ob mit arabischen oder indischen Schriftzeichen kommuniziert wird – wenn der Nutzer Emojis verwendet, kann er sicher sein, dass seine Botschaft auch jederzeit und überall verstanden wird.“

Shigetaka Kurita

Den Siegeszug der Bildzeichen im digitalen Zeitalter fasst Mayer unter dem Begriff der Mikrokommunikation zusammen. Hier sei der kommunikative Akt nicht auf Inhalt, sondern auf Schnelligkeit ausgerichtet. „Statt eines ausformulierten Satzes reicht es plötzlich, ein einzelnes Bildzeichen zu setzen“, sagt Mayer. Mit Emojis sparen also Sender und Empfänger Zeit.

Und noch eine Funktion macht Mayer aus: Das Herstellen von Nähe. „Emojis sind beinahe ausschließlich in der Kommunikation unter Freunden und Bekannten zu finden. Wer die niedlichen Bildchen verschickt, kennt sich also in der Regel auch.“

Passend dazu gibt es seit diesem Jahr sogar ein soziales Netzwerk, das nur Emojis nutzt und auf Buchstaben in der Kommunikation komplett verzichtet. Es trägt den Namen Emojli. Um sich mit einem Benutzernamen zu registrieren sind – natürlich – auch nur Emojis zugelassen. Für die Email-Adresse und das Passwort sind allerdings konventionelle Zahlen und Buchstaben vorgesehen. Zum Netzwerk geht es hier.  (esp/dob)

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