Empfang mit Hakenkreuz: Engländer brüskieren deutsche Gäste 

Straßenfest im englischen Bradford: Einheimische verkleideten sich unter anderem als SS-Offiziere. Eine CDU-Delegation aus der deutschen Partnerstadt Hamm war schockiert.

Bradford/Hamm. Andere Länder, wilde Sitten: Diese Lektion hat eine CDU-Delegation aus Hamm lernen müssen. Sie ist bei einem Besuch in der englischen Partnerstadt Bradford von Partygängern in Hakenkreuz-Uniformen und SS-Totenkopf-Mützen empfangen worden.

Die Westfalen reagierten entsetzt, die Gastgeber überfordert: Das „Kostümfest“ gilt in Yorkshire eigentlich als besonders charmantes Vergnügen. Michael Pricking ist alles andere als eine Spaßbremse. Im Gegenteil: Als ihm seine Kollegen aus dem englischen Stadtrat anbieten, ihr traditionelles Straßenfest mit Vierziger-Jahre-Motto kennenzulernen, da freut sich der Fraktionschef aus Hamm. „Die Musik aus der Ära finde ich klasse“, sagt er. Doch schon auf der nostalgischen Dampflok-Fahrt zum Fest ahnt er, dass die Briten es peinlich genau nehmen mit der Stilgenauigkeit: „Die Frauen reisten in Fuchspelzmänteln, die Herren in Militäruniformen an.“

Pricking wischt sein Unbehagen zuerst als „typisch deutsch“ beiseite: „Wir sind ja derart geprägt vom Zweiten Weltkrieg, dass wir uns so nicht zeigen würden. In England geht das halt.“ Damit gerät die Völkerverständigung aber schon an ihre Grenzen. „Im Ort marschierten Männer mit NS-Uniformen, Hakenkreuzen und Totenkopf-Symbolen an uns vorbei“, sagt er, noch immer entsetzt. Am meisten aber verwundert ihn die Reaktion der Briten: Das sei Teil der Geschichte, hieß es.

Die Gäste in Nazi-Uniform hätten versichert, dass ihre Kostüme ein Scherz seien. Damit sind sie in guter Gesellschaft: Prinz Harry löste 2005 mit einer Nazi-Partyverkleidung einen Skandal aus. Die Wochenend-Nazis von Bradford sind auch Peter Hill vom Organisationskomitee peinlich – aber nur ein bisschen. „Man muss doch fragen, ob es generell klug ist, deutsche Gäste zu einer Vierziger-Jahre-Party mitzunehmen“, sagt er.

„Vierziger-Jahre-Party“: Diese beiden Gäste kamen als Premier Winston Churchill (links) und Feldmarschall Bernard Montgomery.

Ihm tut es leid, dass drei geschmacklos verkleidete Leute nun sein erfolgreiches Fest in Verruf bringen. „Wir haben sie gebeten, das Fest zu verlassen, aber sie wollten nicht.“ Verboten sind Nazi-Symbole im Königreich jedenfalls nicht. Und so ganz nachvollziehen kann Hill den großen Wirbel nicht: „Bei den letzten Straßenfesten hat sich ein Einwohner sogar immer als deutscher Kriegsgefangener verkleidet“, erzählt er. „Englische Soldaten haben ihn dann mit Gewehren durch den Ort gejagt.“

„Natürlich sind Nazis Teil der Geschichte“, sagt Pricking, „aber kein Teil, den ich zum Amüsement zur Schau gestellt sehen will.“ Aus Respekt vor den Gastgebern habe er den Besuch der Feier nicht abgebrochen. Der Termin für die Party im nächsten Jahr steht schon. Wegen der beliebten SS-Symbole will Hill sich eine Lösung überlegen. Ansonsten sind Kostüme wieder willkommen, „Wehrmacht und Luftwaffe auf jeden Fall“.

Von Jasmin Fischer

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