England: Ministerium verkauft U-Bahn-Station für 64 Millionen Euro

London. Weil es zu wenige Passagiere gab, wurde die Londoner U-Bahn-Station Brompton Road 1934 geschlossen. Seitdem blickt sie auf eine bewegte Geschichte zurück, gerade im Zweiten Weltkrieg. Rudolf Hess soll darin verhört worden sein. Nun entstehen dort Luxuswohnungen – mit Schienen.

Auf der Picadilly-Linie, unweit von Londons berühmtestem Kaufhaus Harrods in Knightsbridge, liegt eine verlassene U-Bahn-Station. Brompton Road heißt sie. Dass selbst die eifrigsten London-Besucher noch nie von dieser Station gehört haben, liegt daran, dass sie schon 1934 wieder geschlossen wurde. Gerade mal 28 Jahre war sie da in Betrieb. Jetzt wurde die U-Bahn-Station vom Verteidigungsministerium, in dessen Eigentum sie sich befand, für 53 Millionen Pfund (64 Millionen Euro/78 Millionen Franken) verkauft. Die Station, die zwischenzeitlich in Büro- und Ausbildungsräume für Soldaten umgewandelt worden war, soll nun zu Luxuswohnungen umgebaut werden.

Die Station hat eine bewegte Geschichte. Erst wurde sie 1934 aufgrund mangelnder Passagierzahlen geschlossen. Das Verteidigungsministerium erwarb die 28.000 Quadratmeter große Immobilie 1939 für 22.000 Pfund. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie als Kommandozentrum für die Luftverteidigung benutzt. Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess soll hier verhört worden sein. Hess war 1941 von den Briten in Kriegsgefangenschaft genommen worden. Zu den letzten Mietern hat laut Verteidigungsministerium das Luftgeschwader und die Marineeinheit der Londoner Universität und eine Trainingseinheit des Luftgeschwaders gehört. Übrig geblieben von der militärischen Geschichte ist eine große Karte von London an einer der unterirdischen Wände. Um diese zu erhalten, werde mit dem Nationalarchiv zusammen gearbeitet, teilte das Verteidigungsministerium mit.  

Wer den unterirdischen Bahnhof gekauft hat, ist nicht bekannt. Aber was damit geschehen soll, schon. Auf dem Gelände sollen Luxuswohnungen entstehen. Der Projektentwickler geht davon aus, dass die Realisierung des Umbaus etwa vier bis fünf Jahre dauert. Allerdings wird weder an den Schienen noch an der Plattform gearbeitet, zumindest nicht vom neuen Besitzer ausgehend. Denn diese sind Eigentum der Londoner Verkehrsbetriebe.

In London gibt es 32 ungenutzte U-Bahn-Stationen. Viele dieser verlassenen Untergrund-Orte haben eine Zweite-Weltkrieg-Geschichte. Eine wurde zu einem Luftschutzbunker umfunktioniert. Eine andere, Aldwych Station, wurde von Tausenden Londonern während des „Blitz“, der Bombardierung Londons durch die Nationalsozialisten, benutzt. Aldwych wird auch gerne als Filmkulisse benutzt, tauchte unter anderem in einer Episode der Serie Sherlock auf. (yeu)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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