Entführte Kinder wieder in Deutschland

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Ende April hat ein chrstlicher Fundamentalist seine Kinder verschleppt.

Celle - Die von ihrem Vater nach Ägypten verschleppten Kinder aus Niedersachsen sind wieder in Deutschland. Bei ihrer Mutter und in ihrem Heimatort herrscht große Erleichterung.

Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin mitteilte, sind die vier Kinder am Donnerstag wieder in Deutschland eingetroffen. Zum Schutz der Familie wollte sie zum näheren Aufenthaltsort keine Angaben machen. Im April hatte der Vater die damals vier- bis achtjährigen Kinder unter einem Vorwand bei seiner Ex-Frau in Hermannsburg bei Celle abgeholt. Dann war der 37-Jährige mit ihnen nach Ägypten und später in den Sudan gereist. Seit Mittwoch befanden Kinder und Vater sich in der Obhut ägyptischer Behörden. Nach ersten Informationen von Polizei und Staatsanwaltschaft geht es den Kindern gut.

“Ich bin überglücklich und unendlich dankbar, dass meine Kinder wieder bei mir sind“, hieß es in einer Erklärung der Mutter, die am Donnerstag in Celle von Polizei und Staatsanwaltschaft verlesen wurde. Der Vater soll noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Motive des 37-Jährigen seien weiter unklar, sagten die Ermittler. Den Angaben zufolge geht es den vier Kindern augenscheinlich gut. Eine Psychologin habe sich mit ihnen unterhalten. Es seien keine Auffälligkeiten bei ihnen zu erkennen.

Erleichterung in Heimatort

Wochenlang haben sie gebangt, gehofft und gebetet, dass die vier verschleppten Geschwister heil in ihre Heimatstadt zurückkehren mögen. Nun herrscht bei den Einwohnern im niedersächsischen Hermannsburg bei Celle Freude und Erleichterung. “Als ich es gestern erfahren habe, dass die Kinder gefunden wurden, konnte ich es kaum glauben“, erzählt Pastor Wilfried Keller. “Bei mir herrscht übergroße Freude.“

Seit vielen Jahren sind die Mutter und ihre vier Kinder Mitglieder in der Großen Kreuzgemeinde Hermannsburg, einer evangelisch-lutherischen Kirche. “Wir haben zusammen für die Kinder gebetet“, meint der Pastor. “Wir mussten durchhalten.“ Nun könne er es kaum fassen, dass die zwei Jungen und die zwei Mädchen endlich wiedergefunden worden seien.

Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa waren am Ostermontag im April von ihrem Vater, der kein Sorgerecht mehr hat, nach Nordafrika entführt worden. Mit einer internationalen Fahndung spürten die Behörden die Kinder nun in Ägypten auf. Der Vater ist Deutscher, welche Verbindungen er nach Ägypten hat und warum es ihn dorthin zog, ist bislang unklar. Der Mann soll aber christlich fundamentalistisch orientiert sein.

Die Straße, in der die vier Blondschöpfe bis Ostern lebten, liegt idyllisch am Rand der 8000-Einwohner-Gemeinde Hermannsburg in der Lüneburger Heide. Vor einigen der efeubewachsenen Fachwerkhäusern stehen Gartenzwerge, der Blick ist frei auf Wald, Wiese und Felder. Eine Frau fährt mit ihrer Tochter auf dem Fahrrad vorbei. “Wir haben es gestern im Radio gehört und alle gejubelt“, sagt eine Nachbarin der Familie. Ihre Tochter sei mit den Geschwistern zusammen in den Kindergarten gegangen. Auf dem Elternabend am vergangenen Tag habe es kaum ein anderes Thema gegeben: “Ich freue mich, dass für die Familie diese Odyssee vorbei ist.“

Die Mutter der vier Kinder habe während der über viermonatigen Suche auch in ihrem Glauben Kraft gefunden, meint Pastor Keller. Sein Kollege habe sie in dieser Zeit seelsorgerisch betreut. “Für sie war es wichtig zu spüren: Da hoffen welche mit mir.“ Regelmäßig hielten Freunde, Verwandte und Bekannte in den Gottesdiensten Fürbitte für die Kinder - sogar Spenden wurden gesammelt. “Die ganze Gemeinde hat Anteil genommen“, erzählt Pastor Keller. Der Vater der Kinder sei auch Mitglied in der Gemeinde gewesen, aber vor mehr als fünf Jahren ausgetreten.

In der kleinen Bäckerei an der Straßenecke verkauft Tina Rose Pflaumenkuchen. “Immer wieder haben Kunden mich gefragt, ob es etwas Neues gibt“, erzählt Rose. Leider habe sie nie etwas Gutes sagen können - bis jetzt. “Ich wünsche der Familie, dass sie Ruhe haben, um wieder zueinander zu finden.“

dpa

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