Studie

Erdmännchen in Zoos lieber in großen Gruppen halten

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Erdmännchen leben in trockenen Regionen des südlichen Afrikas in Gruppen zwischen zwei und fünfzig Tieren. Foto: Roland Weihrauch

Was sind die idealen Bedingungen für Tiere im Zoo? Die Frage ist heiß diskutiert. Forscher haben nun eine Antwort - zumindest für Erdmännchen.

Exeter/Göttingen (dpa) - In Zoos gehaltene Erdmännchen sind in kleinen Gruppen gestresster als in großen. Zudem schütten die Tiere mehr Stresshormone aus, wenn sie mit sehr vielen Besuchern konfrontiert sind, wie deutsche und britische Forscher im Fachmagazin "Royal Society Open Science" schreiben.

Sie untersuchten, unter welchen Bedingungen die Erdmännchen (Suricata suricatta) besonders gestresst sind und verglichen die Ergebnisse mit Beobachtungen bei freilebenden Tieren.

Die Wissenschaftler von der britischen Universität Exeter und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen nahmen dabei zehn Erdmännchengruppen unter die Lupe, die in acht verschiedenen Zoos in Großbritannien leben. Sie sammelten über mehrere Tage die Ausscheidungen der kleinen Raubtiere und untersuchten diese auf eine Gruppe von Hormonen, die auf Stress rückschließen lassen.

Die Hormonlevel waren den Forschern zufolge erhöht, wenn am Tag zuvor besonders viele Besucher beim Erdmännchengehege waren. Außerdem waren Tiere in größeren Gruppen weniger gestresst als solche in kleinen. Die Gruppengrößen variierten je nach Zoo zwischen zwei und 17 Tieren. Auch ein großes Gehege tut den Tieren gut. Wie hoch die Erdmännchen-Dichte innerhalb eines Geheges ist, spielt allerdings offenbar keine Rolle.

Katy Scott von der Universität Exeter und ihr Team hatten sich auf Erdmännchen spezialisiert, weil es zu ihnen zahlreiche Untersuchungen bei freilebenden Tieren gibt. Die Forscher verglichen ihre Ergebnisse mit den Freiland-Daten. Auch bei freilebenden Tieren sei beim Stresslevel die Gruppengröße entscheidend, so die Autoren der Studie.

Erdmännchen leben in trockenen Regionen des südlichen Afrikas in Gruppen zwischen zwei und fünfzig Tieren. Laut den früheren Studien sind freilebende Tiere in sehr kleinen Gruppen gestresster, weil sie dann weniger gut vor Feinden geschützt sind. Aber auch in sehr großen Gruppen sind die Stresslevel der Tiere erhöht - vermutlich, weil es dann eine stärkere Konkurrenz um Nahrungsmittel gibt.

Dieser Faktor sei bei Zootieren, die nach Bedarf gefüttert werden, zu vernachlässigen, so die Wissenschaftler um Scott. Auch andere Faktoren, die in der Wildnis eine Rolle spielen, wirkten sich in Gefangenschaft nicht aus. Weder Alter, Rang noch Geschlecht beeinflussten die Menge an den gemessenen Hormonen bei den Erdmännchen im Zoo. Da die Besucherzahl schwer zu kontrollieren sei, empfehlen die Forscher größere Tiergruppen. Auch wenn im Zoo keine tatsächliche Bedrohung mehr für die Tiere existiert, könnte eine große Gruppe den Erdmännchen ein Gefühl von Sicherheit geben, so die Forscher. Auch empfehlen die Wissenschaftler größere Gehege oder bessere Verstecke und Rückzugsorte. Auch Studien mit anderen Tieren konnten bereits zeigen, dass hohe Besucherzahlen viele Zootiere nicht kalt lassen. Besonders Affen scheinen zudem auf Verkleidungen zu reagieren, weshalb Zoos in Nordrhein-Westfalen schon mal Kostüme in der Karnevalssaison verbieten.

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