Jetzt gibt es das Kochbuch zum "Ernährungskompass"

Bestseller-Autor Bas Kast: Das sollten Sie essen, wenn sie länger und gesünder leben wollen

Wurde krank, weil er so gern Junkfood aß: Heute ernährt sich Bas Kast gesund, ist beschwerdefrei und ein erfolgreicher Bestseller-Autor.
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Wurde krank, weil er so gern Junkfood aß: Heute ernährt sich Bas Kast gesund, ist beschwerdefrei und ein erfolgreicher Bestseller-Autor.

Mit dem „Ernährungskompass“ hat Bas Kast 2018 das Sachbuch des Jahres geschrieben. Nun gibt es ein Kochbuch mit seinen Rezepten. Er verspricht: "Wer kocht, lebt länger und gesünder."

Herr Kast, Sie sind gerade 46 geworden. 2013 bekamen Sie beim Laufen plötzlich Herzprobleme. Dachten Sie damals, dass das Leben mit Anfang 40 schon vorbei sein könnte?

Zumindest bin ich nachts manchmal schreiend wach geworden und hatte Todesangst. Ich war gerade Vater geworden und bekam beim Joggen plötzlich Herzstolpern. Oft musste ich mit einem massiven Stich in der Brust stehenbleiben. Das war bedrohlich.

Sie sollen nur noch ein Wrack gewesen sein.

Manchmal schlage ich mit Formulierungen über die Strenge, kleine Journalistenkrankheit. Ich war irgendwie fit und krank zugleich. Obwohl ich immer gejoggt war, hatte ich mir einen Schwimmring angefressen. Aber weil ich eine gewisse Grundkondition hatte, habe ich trotz der Herzbeschwerden erst einmal weitergemacht, wie davor. Ich sagte mir: Das wird schon wieder.

Wurde es aber nicht.

Erstmal nicht, nein. Bis dahin aß ich viel Junk-Food: Hamburger, Pommes, Snickers, viel Fleisch. Manchmal bestand mein Abendessen lediglich aus Chips. Meine Ernährung war sehr wahrscheinlich der entscheidende Faktor, der mich krank gemacht hat. Als ich sie änderte, habe ich mich jedenfalls erstaunlich schnell besser gefühlt – innerhalb von zwei bis drei Wochen. Ich hatte damals mehrmals die Woche Kopfschmerzen, weswegen ich ständig Aspirin geschluckt habe. Das ist weitgehend verschwunden. Und auch meine Herzbeschwerden wurden nach und nach besser. Inzwischen sind sie weg.

Wann haben Sie zuletzt eine Tüte Chips gegessen?

Die letzte Tüte habe ich für ein Foto in meinem Buch gekauft, aber den Inhalt habe ich nicht gegessen, sondern weggeschüttet. Pommes nasche ich ganz, ganz selten mal, wenn ich welche für meinen Sohn mache.

Für den „Ernährungskompass“ haben Sie mehr als 1000 Studien gewälzt. Ihre überraschendste Erkenntnis war, dass Fett nicht unbedingt fett macht. Woher kommt die Fettphobie?

Man hat schon früh festgestellt, das Fett von allen Hauptnährstoffen die meisten Kalorien enthält. Bereits in den 50er-Jahren brachten erste Studien vor allem gesättigte Fette mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Das alles hatte auch etwas höchst Intuitives: Man stellte sich unsere Gefäße wie ein Abflussrohr in der Küche vor, das schnell von allzu viel Fett verstopft wird. Das alles steckt noch in unseren Köpfen. Dann liegt es ja auch schlicht nahe, dass Fett als Nahrung in unserem Körper sofort als Fett gespeichert wird, aber so einfach ist es eben nicht.

Nun haben Sie mit der Rezepte-Entwicklerin Michaela Baur ein Kochbuch veröffentlicht. Worin unterscheidet sich das von anderen Kochbüchern?

Letztlich könnte man sich mit Mühe aus einer Sammlung von bereits vorhandenen Kochbüchern Rezepte auswählen, die zu meinen Ernährungsempfehlung passen. Wir haben aber gleich maßgeschneiderte Rezepte entwickelt, die ein Genuss und gesund sind sowie den Alterungsprozess hemmen – zum Beispiel viele Gerichte mit Gemüse, Fisch, Linsen und Joghurt. Meine Hauptregel ist nach wie vor: Kochen Sie selbst mit naturbelassenen Zutaten.

Welchen Tipp haben Sie für diejenigen, die keine Lust aufs Kochen haben, wie die britische Schauspielerin Helen Mirren, die einst gestand: "Ich hasse Kochen, das ist überhaupt nicht mein Ding."

Sie sollte sich – wie meine Frau – einen Freund zulegen, der das gern macht! Kochen und bekocht werden ist ja auch ein herrlicher Liebesbeweis. Wer kocht, kann den anderen verführen und die Beziehung festigen. Häufig höre ich, dass man fürs Kochen keine Zeit habe. Dabei gewinnst du durchs Kochen sogar Zeit, weil du länger lebst und gesünder bleibst. Das ist ein gutes Investment. Ich sage Ihnen: Für jede Stunde, die selbst kochen, gewinnen Sie grob geschätzt zehn Stunden Lebenszeit zurück.

Es klingt trotzdem anstrengend.

Das ist es, wenn man ungeübt ist und ein nicht ganz so einfaches Gericht zum ersten Mal kocht, weil man nicht weiß, was auf einen zukommt. Es ist wie beim Autofahren: Anfangs muss man über alles nachdenken, später gehen die Handgriffe ins Unbewusste über und das Ganze bekommt etwas Meditatives. Trotzdem will ich die Menschen nicht an den Herd zwingen. Aber wenn Sie nicht gern selber kochen, dann sollten Sie sich das Essen so naturbelassen wie möglich beschaffen – zum Beispiel mit Fertigsalaten.

Sie sagen über sich, dass Sie keinen Autoritäten mehr vertrauen. Warum sollten Leser ausgerechnet Ihnen vertrauen?

Das sollten sie nicht. Es ist doof, wenn man als Guru verkauft wird. Ziel des Ernährungskompasses ist es, mich selbst überflüssig zu machen. Es gibt kein Lebensmittel, das nur eindeutig positiv oder negativ eingeordnet wird. Es gibt immer Widersprüche. Aber das Buch gibt eine Übersicht über alle großen Studien der Nachkriegszeit. Zum Beispiel zeigt die Gesamtdatenlage, dass über 90 Prozent aller Studien Fisch positiv einschätzen. Darum sollte man skeptisch sein, wenn Angstmacher behaupten, Lachs sei das giftigste Lebensmittel überhaupt, wie zuletzt in der Wochenzeitung "Die Zeit". Eine Spur mehr Vernunft und weniger Alarmismus in der Diskussion übers Essen wäre keine schlechte Sache.

Warum löst unsere Ernährung immer wieder so erhitzte Debatten aus?

Weil jeder isst, jeder bekommt Blähungen, wenn er das Falsche zu sich nimmt. Oder Kopfschmerzen. Oder er oder sie wird dick. Aufgrund seines Körpers ist jeder ein Semi-Experte. Zudem ist Essen heute ein Distinktionsmerkmal. Man kann mit Insiderwissen angeben und sich gegenüber anderen abgrenzen – ob als Veganer oder mit Low-Carb. Für viele ist Ernährung zu einer Ersatzreligion geworden. Manche bewegen sich wie in Sekten nur noch unter ihresgleichen. An diesem Volkssport beteilige ich mich nicht.

Und Sie sind der Martin Luther, der über das Essen aufklärt?

Wenn, dann bin ein ganz kleines Lutherchen, Little Luther.

Würden sich alle so ernähren wie Sie, gingen Fast-Food-Konzerne pleite, Ärzte hätten weniger zu tun. Für den Kapitalismus ist es besser, wenn sich nichts ändert.

Da ist was dran. Es gibt eine Riesenindustrie, die von den Krankheiten lebt. Auch ich bin Teil dieses Chaos und verkaufe deswegen Bücher. Ich bin ein Teil des Problems und versuche zugleich, meinen Beitrag zur Lösung beizusteuern.

Haben wir denn noch Spaß am Leben, wenn wir Ihre Ratschläge befolgen?

Gegenfrage: Macht das Leben mit der Abhängigkeit von fünf Medikamenten Spaß, die wir nehmen müssen, um unsere chronischen Zipperlein und Altersleiden in den Griff zu bekommen? Ist es ein größerer Genuss, sich abends Hamburger und Pommes reinzuschlingen und übergewichtig zu werden? Ich bin mir nicht sicher. Wer sich bewusster ernährt und weniger isst, ist einfach fitter, bis ins hohe Alter hinein. 80 bis 90 Prozent dieses Effekts kann man schon erreichen, wenn man schlicht auf Junkfood verzichtet und weniger tierische Lebensmittel zu sich nimmt, dafür Pflanzliches in naturbelassener Form. So einfach ist das. Wir müssen eine Mitte finden aus "Mach es nicht zur Religion" und "tue es, soweit du es mit Genuss verbinden kannst".

Der Ernährungskompass - Das Kochbuch: 111 Rezepte für gesunden Genuss. C. Bertelsmann, 224 S. 17,99 Euro.

Bas Kast: Karriere, Privates

  • Geboren: am 16. Januar 1973 in Landau in der Pfalz als Sohn eines Deutschen und einer Niederländerin
  • Aufgewachsen: in München und Kalifornien
  • Ausbildung: Psychologie- und Biologiestudium in Konstanz und Bochum sowie am MIT in Boston, Volontariat beim Berliner „Tagesspiegel“
  • Karriere: Kast arbeitete als Redakteur und Reporter beim „Tagesspiegel“, seit 2008 ist er freier Journalist und Autor
  • Privates: Kast lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Rottendorf bei Würzburg.
  • Internet: www.baskast.de

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