Der Oscar geht an Müller

Das Erste zeigt heute die WM-Doku "Die Mannschaft"

Hauptdarsteller: Thomas Müller (vorn) singt mit Per Mertesacker (links) und Benedikt Höwedes nach dem WM-Finale gegen Argentinien im Mannschaftsbus den bei Fußballern beliebten Schlager: „Die Nummer eins der Welt sind wir“. Fotos: Constantin

Kassel. Als „Die Mannschaft“ im November nur vier Monate nach der Fußball-Weltmeisterschaft ins Kino kam, waren wir enttäuscht. Am Freitagabend läuft der Film in der ARD.

Der von DFB, der Fifa und Sönke Wortmanns Firma Little Shark Entertainment ohne Regisseur produzierte Streifen ist nämlich genau genommen gar keine Doku, sondern nur ein Werbefilm für die Nationalelf.

Ursprünglich hatte Kameramann Martin Christ vom verbandseigenen DFB-TV die Trainingseinheiten nur zur Taktikschulung gefilmt. Zwischendurch hielt er einfach drauf im Quartier Campo Bahia. Weil das Material durch den deutschen Triumph historisch geworden war, wurde ein Kinofilm daraus, der nun bereits ins Fernsehen kommt.

Auch wenn „Die Mannschaft“ nicht viel Überraschendes bietet, sollte man sich den Streifen in der ARD ansehen. Zu schön war der Fußball-Sommer. Wir haben an die Protagonisten einige Preise vergeben.

Oscar: Thomas Müller ist nicht nur auf dem Platz ein Phänomen. Als Entertainer und Witzbold könnte der Münchner jeden noch so vermurksten Film retten. Nach einer verlorenen Golfwette mit dem Physiotherapeuten serviert er seinen Mannschaftskameraden das Essen im Dirndl. Und im Training demonstriert er mit den Kollegen den irren Slapstick-Freistoß, der später im WM-Achtelfinale gegen Algerien spektakulär in die Hose geht. Jede Wette: Hätte Müller „Wetten, dass ..?“ moderiert, würde es die ZDF-Show noch geben.

Beste Nebenrolle: Nach dem Achtelfinalsieg gegen Algerien sorgte Per Mertesacker für den lustigsten Ausraster seit Rudi Völlers legendärer Wutrede bei Waldemar Hartmann. Immer wieder pflaumte er den kritisch fragenden ZDF-Reporter Boris Büchler an: „Was woll’n Se?“ Über das Interview, das zum Youtube-Hit wurde, sagt er im Film: „Ich hab da einfach mal ehrlich geantwortet. Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben.“

Musik-Echo: Zum Einstand muss jeder Neuling ein Ständchen singen. Der Gladbacher Aufsteiger Christoph Kramer trällert auf der Fähre ins Camp unterm Sternenhimmel die Ballade „When You Say Nothing At All“. Total schief, aber sehr sympathisch.

Erotik-Venus: Der verletzte Bebraer Shkodran Mustafi hat seinen größten Auftritt, als er nur mit einem Handtuch bekleidet auf der Massagebank liegt, wo er durchgeknetet wird und vor Schmerzen stöhnt. Für solche Szenen bekommen Pornodarsteller auf der Berliner Erotikmesse schon mal einen Venus Award.

Goldene Himbeere: Der Preis für die schlechteste schauspielerische Leistung geht an Bastian Schweinsteiger, der jegliche Kritik am umstrittenen Gebaren des Weltverbands Fifa wegwischt, indem er Präsident Sepp Blatter am Pool betend dankt, dass er die WM nach Brasilien vergeben hat: „So konnte ich das schöne Wetter genießen.“

Von Matthias Lohr

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