Reportage aus Wien

ESC: Conchita und die Bühnenshow waren die Stars des Abends

Zum Fernsehereignis des Jahres wurde der Eurovision Song Contest am Samstagabend. Eine Reportage.

Vor der Stadthalle ein Polizeiaufgebot wie beim Akademikerball. Außer Präsenz zu zeigen bekommen sie nicht viel zu tun, die Atmosphäre ist erwartungsfroh-friedlich. Erstaunlich flott die Passage der 10.000 durch die Sicherheitsschleusen, man merkt: Die Stadthalle hat Erfahrung mit Großereignissen.

Überwältigend dann der Blick auf die Hauptbühne, der fast 1300 Lichtstelen eine imposante Augen-Optik verleihen, dazu der elegant gebogene Laufsteg zur Satellitenbühne, ein Wurf des international bekannten Münchner Designers Florian Wieder, der schon 2011 das ESC-Finale in Düsseldorf gestaltet hatte. Bis die Zauberkünste des Licht-Designers Al Gurdon die Halle zum Staunen bringen, dauert es noch etwas – Gelegenheit zum „Promi-Sightseeing“. Die gesamte Regierungsspitze ist anwesend, dazu die Spitzen der Opposition, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) fehlt ebenso wenig wie sein Herausforderer Heinz-Christian Strache (FPÖ).

Die Skiläuferin Anna Fenninger ist da, der Fußballer David Alaba hat den Mega-Event der Meisterfeier in München vorgezogen, auch Dschungelcamp-Ikone Larissa Marolt gibt sich die Ehre. Nur Richard „Mörtel“ Lugner scheint zu fehlen, aber vielleicht habe ich ihn auch nur übersehen. Egal, nach einem aufgezeichneten Gruß der Wiener Philharmoniker aus Schloss Schönbrunn geht es jetzt live los, mit der Geigerin Lidia Baich, die musikalisch die Brücke von Udo Jürgens zu Conchita Wurst schlägt. Als letztere im bonbonrosa Jump-Suit in die Luft geht, will der Jubel kein Ende nehmen.

Von den Wiener Sängerknaben bis zum Rapper Left Boy, vom Radiosinfonieorchester des ORF bis zum Schönberg-Chor – Wien demonstriert seinen Status als „Weltstadt der Musik“, selbst das Moderatorinnen-Trio singt den ESC-Song „Building Bridges“ und das noch nicht einmal schlecht. Doch zum eigentlichen Star des Abends – neben Conchita, versteht sich – mausert sich die Bühne, die sich chamäleonartig verwandelt, in einen Zauberwald, in ein Meer, in einen Sternenhimmel – oder einfach mal in ein Rudel Strichmännchen, dessen pixelgenauer Grazie der Schwede Mans Zelmerlöw wohl seinen Sieg verdankt. Der weichgespülte Popsong allein kann den Unterschied nicht gemacht haben.

Doch, was da an Licht- und Videoeffekten aus dem Füllhorn avanciertester Technik fließt, ist atemberaubend. Vielleicht sogar zu atemberaubend: Bisweilen sehne ich mich, bei aller Live-Magie, nach der Überschaubarkeit der Fernsehübertragung. Nächstes Jahr dann wieder.

Von Verena Joos

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Rubriklistenbild: © dpa

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