Dorf bereitet sich auf Apokalypse vor

Landen hier in 50 Tagen die Aliens?

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Der Bürgermeister von Bugarach steht vor dem Hausberg des Dorfes, in dem sich eine UFO-Startbahn befinden soll

Bugarach - Esoterikern zufolge geht in 50 Tagen die Welt unter. Einige Auserwählte sollen gerettet werden, wenn sie sich am 21. Dezember in einem französischen Dorf von Aliens abholen lassen.

Für Bugarach hat die Apokalypse schon begonnen: Esoteriker, Wanderprediger und Medienvertreter stürmen das idyllische Fleckchen im Süden Frankreichs. Das kleine Dorf, als Postkartenidylle knapp vor den Pyrenäen gelegen, steht im Bannkreis von Weltuntergangspropheten. In 50 Tagen soll alles vorbei sein. Außer eben in Bugarach.

Wenn nach sehr unwissenschaftlicher Deutung des Maya-Kalenders am 21. Dezember die Welt untergeht, soll es Rettung für einige Wenige nur in dem landwirtschaftlich geprägten Ort im Département Aude geben. Vom Berg Pic de Bugarach aus werden - so die Prophezeiungen - Außerirdische mit wenigen Auserwählten gen Orbit starten.

Tatsächlich endet im Jahrtausende alten Maya-Kalender am 21. Dezember ein wichtiger Zeitzyklus. Eine in der Maya-Stadt Tortuguero entdeckte Tafel sagt zudem für 2012 ein Ereignis voraus. Dann soll auch der Gott Bolon Yokte' K'uh herabsteigen. Daraus leiten Endzeitpropheten seit Jahren den bevorstehenden Weltuntergang ab.

Das Interesse am kleinen Bugarach und seinen rund 200 Einwohnern wächst stetig. „Wir sind hier wie im Zoo“, sagt Bürgermeister Jean-Pierre Delord im „Figaro“. „Die Leute kommen, um uns zu sehen. Wir sind zur Attraktion der Gegend geworden.“

Vom 1230 Meter hohen Pic de Bugarach und aus den umliegenden Wäldern wird zunehmend von seltsamen Begegnungen berichtet. Prozessionen weiß gekleideter Gruppen, Esoteriker, gar nackte Prediger werden dort beobachtet, wo früher nur Touristen durch die Gegend streiften. Statt einstmals 40 Autos soll heute täglich eine vierstellige Zahl Fahrzeuge durch den Dorfkern rollen. Das 225 Euro teure Ortsschild verschwand schon mehrfach spurlos.

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

Der sagenumwobene Berg entstand aus einer tektonischen Verwerfung. Seine Form mit einer von der Spitze leicht abfallenden, langen Bergkante mag die Fantasien zu einer Startbahn für Außerirdische angeregt haben. Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Welt“ und Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ sind von dem Berg inspiriert. Der Gral wurde dort schon vermutet, und Verschwörungstheoretiker sehen auch Nazis und den israelischen Mossad mit dem Pic verbunden.

Doch von vielen Seiten her wird gewarnt, beim aktuellen Phänomen nicht nur von harmlosen Spinnern auszugehen. 1995 ermordeten sich im nicht weit entfernten Vercors-Massif 16 Anhänger des Ordens der Sonnentempler auf Grundlage vergleichbarer Theorien. 2010 versuchte ein Jugendlicher in Bugarach, sich mit einem Samurai-Schwert nach ritueller Harakiri-Art das Leben zu nehmen. Die staatliche französische Sekten-Kommission Miviludes hat jedenfalls seit einiger Zeit ein Auge auf die Vorgänge in Bugarach.

Dort haben sich die Immobilienpreise nach Angaben des Bürgermeisters inzwischen vervielfacht. Auch mit kleinen Dingen wird Geld gemacht. Eine eigens mit Ufo gestaltete Postkarte über Bugarach verkauft sich gut. Das unbekannte Flugobjekt ähnelt jenen Erscheinungen, die Ufo-Anhänger am Pic de Bugarach gesichtet haben wollen und dies mit verwackelten, unscharfen Videos auf einschlägigen Foren im Internet zu belegen glauben.

Bugarach steht auch jenseits der Apokalypse ein großes Ereignis bevor. Im weiteren Umkreis sind freie Hotels und Pensionen Mangelware. Die Schätzungen der zu erwartenden Endzeitjünger - nebst Neugierigen, Geschäftemachern oder Medien - schwanken zwischen 20 000 und 100 000 Menschen. Für die Infrastruktur der ländlichen Region dürfte bereits das einer Endzeit gleichkommen.

Ein Tag danach ist sehr wahrscheinlich. Im „National Geographic“ ist sich der deutsche Maya-Forscher Nikolai Grube von der Universität Bonn jedenfalls sicher: „Die Maya wussten genau, dass es den 22. Dezember 2012 geben wird.“

dpa

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