Jamie-Lee fährt zum ESC: Warum die neue Lena eine gute Wahl ist

Mit Jamie-Lee Kriewitz gewann die Favoritin den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Die 17-jährige könnte nach Lena für das nächste Fräuleinwunder aus Hannover sorgen.

Wer den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) bei Twitter verfolgt hat, wünschte sich, während der zweistündigen Show taub zu sein. Dort und in anderen Netzwerken fragten die Zuschauer, ob man auch gar keinen Starter zum Grand-Prix-Finale nach Stockholm schicken könne. Einer vertrat gar die These, die Schlagersängerin Ella Endlich könne bei der internationalen Punktevergabe auch Minuszähler einsammeln. Die Häme sagt viel aus über die Dauerlästerer da draußen und weniger über den deutschen Vorentscheid.

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Deutschland hat entschieden: "Voice"-Gewinnerin Jamie-Lee (17) soll beim Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm das Land vertreten. 

Nach dem peinlichen Hin und Her um die Nominierung des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo hat der federführende Norddeutsche Rundfunk mit der Musikindustrie ein beachtliches Teilnehmerfeld auf die Beine gestellt. Die zehn Kandidaten deckten ein breites stilistisches Spektrum ab - von Schlager über Hardrock bis zu viel zeitgenössischem Pop. Nur HipHop, die wichtigste musikalische Jugendkultur hierzulande, fehlte bei der von Barbara Schöneberger wie immer mit viel Selbstironie moderierten Show in Köln.

Zuletzt aktualisiert um 23.15 Uhr. 

Und trotzdem jubelte am Ende ein Rapper: Smudo von den Fantastischen Vier, der die Siegerin Jamie-Lee Kriewitz mit seinem Fanta-Vier-Kumpel Michi Beck im vorigen Jahr in der Pro-7-Castingshow “The Voice of Germany” entdeckt hatte. Die 17-Jährige aus der Nähe von Hannover ist eine würdige Vertreterin - auch wenn die international beachtete Friedenshymne von Alex Diehl und der Fuldaer Metal-Musiker Tobias Sammet mit Avantasia und einer weltweiten Fan-Gemeinde vermutlich bessere Chancen auf einer vordere Platzierung gehabt hätten. Jamie-Lee ist ein erfrischendes Gesicht, hat eine Vorliebe für schrille Outfits, und ihr melancholischer Song ist eine gelungene Mischung aus Mainstream-Pop, wie ihn Rihanna macht, und atmosphärischen Sounds, wie man ihn etwa von Björk kennt. 

Vielleicht wird die junge Frau aus Niedersachsen tatsächlich die neue Lena, die wie die Hannoveranerin 2010 ein deutsches Fräuleinwunder schafft. Vielleicht landet sie aber auch nur unter ferner liefen. Denn die Musik beim ESC, daran erinnerte Grand-Prix-Experte Peter Urban in Köln, ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich besser geworden. Diese Erkenntnis sollte auch mal jemand twittern.

Rubriklistenbild: © dpa

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