Prozess wegen Gefangenenbefreiung

Ex-Frau eines Verbrechers gibt Fluchthilfe zu

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Der angeklagte Häftling Silvio T. bei seinem Prozess wegen Gefangenenbefreiung.

Magdeburg - Stundenlang bewachen zwei Beamte einen Sexualstraftäter, der die Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes besucht. Plötzlich ist der Gefangene weg. Wie sich herausstellt, hatte er Helfer.

Die 36 Jahre alte Ex-Frau eines vor knapp zwei Jahren in Sachsen-Anhalt geflohenen Schwerverbrechers hat zugegeben, ihm die Flucht ermöglicht zu haben. Im August hatte der zu langen Haftstrafen verurteilte Mann eine Geburtstagsfeier seines sechsjährigen Sohnes in der Wohnung seiner Ex-Frau besuchen dürfen - bewacht von zwei Justizvollzugsbediensteten. Der heute 38 Jahre alte Schwerverbrecher muss unter anderem wegen zweifacher Vergewaltigung sowie Körperverletzung mit Todesfolge Haftstrafen bis 2024 verbüßen. Er wurde auch zu anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

„Eigentlich hat das alles einen ziemlich harmonischen Eindruck gemacht“, sagte ein Beamter, der den Häftling aus dem Gefängnis in Burg in die Wohnung nach Aschersleben begleitet hatte. Es sei eben ein ganz normaler Kindergeburtstag gewesen mit einem Fußballspiel, Essen und Gesprächen. Der Gefangene habe keine Handfesseln getragen und sich in der Wohnung frei bewegen können. Am Nachmittag - die Beamten hatten schon stundenlang den Besuch bewacht - sei der damals 36-Jährige dann rasch aus der Wohnung gegangen und habe hinter sich zugeschlossen.

Die Verabredung dazu hatte der Straftäter, der erst zehn Tage später in Berlin gefasst wurde, schon ein, zwei Monate vorher mit seiner Ex-Frau getroffen - so bestätigte die Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bei der Verhandlung am Landgericht Magdeburg. Die Frau ist seit Januar 2012 von dem Straftäter geschieden.

Der Sexualstraftäter ist im neuen Prozess angeklagt wegen Freiheitsberaubung, denn er soll die ihn bewachenden Beamten mit dem in der Tür steckenden Schlüssel eingeschlossen haben. Der Prozess soll am 27. Juni sowie am 4. Juli fortgesetzt werden.

dpa

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