Ex-Freundin belastet Todesfahrer schwer

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Der Angeklagte bestreitet, Epileptiker zu sein - obwohl viele Zeugen das Gegenteil aussagen 

Hamburg - Im Prozess gegen den Todesfahrer von Hamburg-Eppendorf hat sich überraschend eine neue Zeugin gemeldet. Sie widerspricht dessen Aussagen massiv.

In einer E-Mail an die Staatsanwaltschaft schrieb die Frau, sie könne Angaben über epileptische Anfälle des Angeklagten machen. Sie habe von 1996 bis 2000 mit dem Mann zusammengearbeitet und auch eine Beziehung mit ihm gehabt. „Er hatte bei mir zu Hause einen Anfall, und ich habe auch im Büro Aussetzer bemerkt“, heißt es in der Mail, die am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht verlesen wurde.

Der 40-Jährige selbst hatte dagegen erklärt, er habe zwischen 1993 und 2004 keinerlei Krampfanfälle gehabt. Seinen Ärzten hat er verboten, vor Gericht auszusagen.

Das Gericht will die Zeugin, die inzwischen in London lebt und durch einen Zeitungsartikel auf den Prozess aufmerksam wurde, am 25. Mai befragen. In der Mail schreibt die Frau zudem, die jetzige Verlobte des Angeklagten habe immer dessen Arzttermine ausmachen müssen, weil er nie daran gedacht habe. Die Lebensgefährtin hatte vor Gericht erklärt, sie habe von der Epilepsie des 40-Jährigen nie etwas mitbekommen. Andere Zeugen haben dem widersprochen. Gegen die Verlobte - sie ist seit 15 Jahren mit dem Angeklagten zusammen - läuft ein Verfahren wegen Verdachts der Falschaussage.

Laut Anklage hatte der Unfallfahrer im März 2011 kurz vor einer Kreuzung einen Anfall und war mit mindestens Tempo 100 über eine rote Ampel gerast. Sein Wagen schleuderte in eine Gruppe von Fußgängern und Radlern. Vier Menschen wurden getötet, darunter der Schauspieler Dietmar Mues und der Sozialforscher Günter Amendt.

Der 40-Jährige hat vor Gericht mehrere Krampfanfälle eingeräumt. Er bestritt aber, dass er Epileptiker ist - obwohl er nach eigenen Angaben seit 2005 anti-epileptische Medikamente nimmt. Für weitere angebliche Anfälle, die Zeugen geschildert haben, fand er andere Erklärungen. Der rechtsmedizinische Sachverständige Prof. Klaus Püschel machte am Mittwoch deutlich, er halte die Angaben des Angeklagten für falsch. „Ich gehe davon aus, dass das, was die Zeugen gesagt haben, zutreffend ist.“

Püschel vermutet, „dass er mit sich selber nicht ehrlich umgeht“ - möglicherweise versuche er, die Situation für sich so umzudeuten, dass ihn keine Schuld treffe. Nach seiner Ansicht habe der Angeklagte seine Krankheit sehr wohl verstanden, suche aber nach Ausflüchten, „um sich von diesem Problem freizumachen“. Seine Gesamtbeurteilung - er und auch der neurologische Gutachter hatten Epilepsie diagnostiziert - bleibe auch nach der Aussage unverändert.

dpa

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