Für das Studium ist es nie zu spät

Ex-Schauspielerin: Doktorarbeit mit 92

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Lis Kirkby

Sydney - Noch in diesem Jahr will Lis Kirkby ihre Doktorarbeit einreichen - einen Vergleich der Großen Depression mit der globalen Finanzkrise. Was sie von anderen Studenten unterscheidet: Sie hat beide Ereignisse erlebt.

Erinnert die globale Finanzkrise seit 2008 an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre? Viele Menschen haben sich den Kopf zerbrochen über diese Frage. Aber beide Ereignisse miterlebt? Doktorandin Lis Kirkby von der University of Sydney in Australien ist eine Ausnahme - denn sie ist schon 92 Jahre alt. Sie ist erstaunt über das Unverständnis, das ihr oft entgegenschlägt: „Man sagt mir: „Warum machst du das, du bekommst doch eh keine akademische Stelle mehr?“

Anfeindungen wegen des Alters findet sie schlimmer als den Sexismus, der ihr in ihrer Karriere oft begegnet ist. Kirkby war Schauspielerin in ihrem Geburtsland Großbritannien, Radiomoderatorin in Malaysia, Parteichefin und Rinderfarmerin. In den 1970er Jahren wurde sie als Schauspielerin in Australien berühmt - die Seifenoper „Number 96“ brachte die Themen Nacktheit und Homosexualität zu den darüber oftmals etwas verstörten Zuschauern in den Wohnzimmern.

Anfang 1921 geboren, verließ Kirkby die Schule mit 17 Jahren, um Vater und Bruder zu versorgen, als ihre Mutter krank wurde. Da hatte die Fabrikbesitzer-Familie aus dem Norden Englands ihr Vermögen bereits lange verloren - nach dem Wall-Street-Crash im Jahr 1929. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte sie ihrem Mann nach Malaysia, wo er als Arzt arbeitete. Von dort zog das Paar 1965 nach Australien. Hier fing Kirkby wieder an mit der Schauspielerei - in erster Linie, um ihre Familie in England finanziell zu unterstützen. „Ich wollte nicht, dass mein Mann das tut.“

Dennoch ist sie sich ihrer privilegierten Herkunft bewusst. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Militärdienst einberufen. Dort traf sie auf Frauen, die sehr viel weniger hatten als sie. „Sie hatten Kopfläuse. Viele von ihnen hatten noch nie eine Dusche gesehen.“ Deshalb ging sie später in Australien auch in die Politik. Ein brennendes Gerechtigkeitsgefühl ist ihr immer noch anzumerken - und auch dem Forschungsschwerpunkt ihrer Doktorarbeit. Ihr Doktorvater Harry Knowles ist begeistert über Kirkbys Leidenschaft für das Thema.

Ganz ungewöhnlich sind Studenten in ihrem Alter heute nicht mehr - im vergangenen Jahr schloss ein 97-Jähriger in Australien sein Magisterstudium ab. Doktoranden mit zum Teil weit über 70 Jahren gab es in den vergangenen Jahren unter anderem in Braunschweig, Mainz, Darmstadt und Stuttgart - und an der Fernuni Hagen erwarb ein 85-Jähriger den Doktortitel.

Einige von ihnen hatten durchaus Probleme mit der modernen Technik. Auch Kirkby kann ein Lied davon singen: Als sie mit 85 Jahren das Grundstudium begann, musste sie erst lernen, mit dem Computer umzugehen. Auch heute schreibt sie längere Stücke zuerst mit der Hand. Doch dann tippt sie den Text in die Maschine. „Ich sage mir, dass ich das verdammte Ding besiegen werde. Es wird mich nicht unterkriegen.“

dpa

Prominente Sitzenbleiber

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Die ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, ist in der 10. Klasse wegen Latein sitzengeblieben. © dpa
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Der spätere britische Premierminister Winston Churchill hasste als Kind die Schule. Er nannte sie den "trüben Fleck auf der Landkarte seines Lebens". Sitzengeblieben ist er wegen den Fächern Latein und Sport. © dpa
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Thomas Edison entpuppte sich später als Genie und Erfinder. In seiner Schulzeit gehörte er eher zu den schlechten Schülern. Eine Ehrenrunde musste er drehen. © dpa
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Es gibt die Geschichte, dass Albert Einstein in Mathe nur Fünfen schrieb und deshalb ein Jahr wiederholen musste. Das ist allerdings nur ein Mythos. Wahr ist, dass das Physikgenie mit 15 das Münchner Gymnasium verließ und erst auf Umwegen das Abitur erlangte. © dpa
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Werbe-Ikone Verona Pooth machte nie einen Schulabschluss. Sitzengeblieben ist sie streng genommen allerdings auch nicht: Sie hat eine Klasse freiwillig wiederholt. © dpa
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Der TV-Moderator und Theologe Jürgen Fliege musste insgesamt sogar drei Ehrenrunden drehen. © dpa
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Der Dramatiker George Bernhard Shaw besuchte nur ein paar Jahre lang die Schule. Danach ließ er kein gutes Haar an ihr. © 
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Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Franz Grillparzer hasste als Kind die Schule. Er ist sitzengeblieben und hat sich außerdem Prüfungsfragen erschlichen. © 
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Gerhart Hauptmann hatte für die Schule in seiner Jugend nicht viel übrig. Trotz Ehrenrunde hat er es später als Schriftsteller zu großem Erfolg gebracht. © 
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Später ist er als großer Schriftsteller bekannt geworden. In der Schule gehörte Hermann Hesse allerdings nicht zu den besten. Er musste einmal eine Ehrenrunde drehen. © 
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ZDF-Moderator Johannes B. Kerner schaffte das Gymnasium auch nicht in neun Jahren. Große Probleme hatte er mit den Naturwissenschaften. Er musste die 8. Klasse zweimal machen. © dpa
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Selbst ein späterer Vorzeige-Schriftsteller und Nobelpreisträger ist vorm Sitzenbleiben nicht gefeit. So schaffte Thomas Mann die Mittlere Reife erst im zweiten Anlauf. © 
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Harald Schmidt musste die 12. Klasse wiederholen und hatte in seinem Zeugnis insgesamt fünf Fünfen. © dpa
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Für Mehmet Scholl waren die Fünfen in Latein und Französisch Grund für die Ehrenrunde. © dpa
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Tierfilmer Heinz Sielmann interessierte sich schon als Kind für Tierbeobachtungen. In Mathe war er allerdings nicht so gut, in der 10. Klasse blieb er einmal sitzen. © Nestor Bachmann (Zentralbild)
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Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Barbara Sommer (CDU) wirbt überall für das G8 und forderte vergangenes Jahr weniger Sitzenbleiber. Für ihr eigenes Abitur brauchte sie jedoch 14 Jahre. © dpa
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Peer Steinbrück (SPD) musste die 8. Klasse wiederholen. Der heutige Bundesfinanzminister hatte damals neben Altgriechisch besonders Probleme mit der Mathematik. © dpa
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Edmund Stoiber traf es bereits in der 7. Klasse wegen Latein. Papa Stoiber verbot ihm daraufhin Fußball gucken und Fußball spielen. © dpa
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Dass Otto einmal eine Ehrenrunde drehen musste, wird viele nicht allzu sehr erstaunen. Gleich in vier Fächern hatte der erfolgreiche Komiker damals Probleme: Neben den Klassikern Mathe, Englisch und Latein auch im Fach Religion. © dpa
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Vor schlechten Noten bleibt keiner verschont, auch nicht der Komponist Richard Wagner. Er musste in seiner Schulzeit auch eine Klasse wiederholen. © 
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Auch Politiker sind vor dem Sitzenbleiben nicht verschont geblieben. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle musste auch einmal eine Ehrenrunde drehen. © dpa
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Als Moderator der ARD-Tagesthemen und Buchautor hat es Ulrich Wickert zu großem Erfolg geschafft. In der Schule war er allerdings eher gelangweilt und desinteressiert. © dpa
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Heute regiert Klaus Wowereit (SPD) die Stadt Berlin. In seiner Schulzeit war er nicht immer so erfolgreich, auch ihm blieb eine Ehrenrunde nicht erspart. © dpa
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Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wiederholte die 10. Klasse wegen Englisch und Französisch. © dpa
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TV-Comedian Dirk Bach hatte schon in seiner Schulzeit andere Dinge als Lernen im Kopf. Drei Mal ist er sitzengeblieben, bevor er die Mittlere Reife schaffte. © dpa
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Boris Becker erhielt zwei Jahre schulfrei - Tennis ging damals vor. Mit 17 ging der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten deshalb auch komplett von der Schule - ohne Abschluss. © dpa
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Auch Reinhold Beckmann hat eine Ehrenrunde gedreht. In der elften Klasse hieß es für ihn "Nochmal, bitte!" © dpa

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