Universum

Exoplanet im Weltall: Hitze lässt sogar Eisen regnen – Erstaunliche Entdeckung

Auf dem Exoplaneten WASP-76b soll es Eisen regnen, sagt die Forschung. (Künstlerische Darstellung)
+
Auf dem Exoplaneten WASP-76b soll es Eisen regnen, sagt die Forschung. (Künstlerische Darstellung)

Der Exoplanet WASP-76b ist so heiß, dass Eisen schmilzt. Eine weitere erstaunliche Entdeckung macht deutlich: Der Planet ist wohl noch extremer als angenommen.

Kassel – Der Exoplanet WASP-76b ist ein Planet der Extreme: Er ist riesig, sehr nah an seinem Stern und äußerst heiß. Eine neue Entdeckung lässt nun darauf schließen, dass der Exoplanet ganz offenbar noch extremer ist als bisher ohnehin schon angenommen.

Doch von vorne: Der Exoplanet WASP-76b wurde im Jahr 2013 entdeckt und als „heißer Jupiter“ kategorisiert. Das heißt, er ist ein großer Gasplanet wie Jupiter, jedoch sehr heiß. Aufgrund seiner Nähe zu seinem Stern nimmt er sehr viel Strahlung auf, die ihn aufgebläht hat. 1,8 Tage braucht der Exoplanet, um seinen Stern ein Mal zu umrunden. Dabei wendet er seinem Stern immer dieselbe Seite zu – dort wird es aufgrund der großen Nähe unvorstellbar heiß. Die Temperatur auf der Tagseite des Planeten schätzt die Forschung auf etwa 2400 Grad Celsius, auf der Nachtseite sollen es immerhin noch 1300 Grad Celsius sein.

Exoplanet der Extreme: WASP-76b ist so heiß, dass es Eisen regnet

Bei diesen extremen Temperaturen schmelzen so manche Metalle. Fachleute gehen davon aus, dass auf der Tagseite Eisen schmilzt, von starken Winden auf die kühlere Nachtseite getragen wird und dort kondensiert und als geschmolzener Eisenregen zu Boden fällt. „Das sind wahrscheinlich die extremsten Klimabedingungen, die wir jemals auf einem Planeten finden konnten“, sagte der Forscher David Ehrenreich, der 2020 ebenfalls eine Studie über den Exoplaneten WASP-76b veröffentlicht hat.

Doch nun wird es noch extremer: Eine Forschungsgruppe, die den Exoplaneten mithilfe des Teleskops „Gemini North“ auf dem Mauna Kea auf Hawaii beobachtet haben, hat Spuren von ionisiertem Kalzium in der oberen Atmosphäre von WASP-76b entdeckt. „Wir sehen so viel Kalzium, das ist eine sehr deutliche Eigenschaft“, betont Emily Deibert, Doktorandin an der University of Toronto und Erstautorin einer neuen Studie über Exoplanet WASP-76b. Die Vermutung ihres Teams: Der Fund könnte bedeuten, „dass der Exoplanet sehr starke Winde in der oberen Atmosphäre hat“, so Deibert. „Oder die atmosphärische Temperatur des Exoplaneten ist viel höher als wir dachten.“ Die Studie, die nicht näher darauf eingeht, welche Temperaturen es in der Atmosphäre geben könnte, wurde im Fachjournal Astrophysical Journal Letters veröffentlicht.

Geheimnisvolles Universum: Planet WASP-76b im Fokus der Wissenschaft

Das „Gemini North“-Teleskop auf Hawaii wird für das mehrjährige Projekt „ExoGemS“ genutzt, das die Atmosphären von etwa 30 Exoplaneten untersuchen soll. „Durch die Fernerkundung von Dutzenden von Exoplaneten mit unterschiedlichen Massen und Temperaturen werden wir ein vollständigeres Bild der wahren Vielfalt außerirdischer Welten entwickeln“, freut sich der Co-Autor der Studie, Ray Jayawardhana und erläutert, welche Bandbreite es gibt: „Von Planeten, die heiß genug sind für Eisenregen bis hin zu anderem mit gemäßigterem Klima. Von Welten, die schwerer als Jupiter sind, bis hin zu anderen, die nicht viel größer als die Erde sind.“

ExoplanetWASP-76b
Typheißer Jupiter
Entdeckung2013
OrtSternbild Fische
Entfernung zur Erde640 Lichtjahre
Umrundung seines Sterns1,8 Tage
TemperaturTagseite: 2400° Celsius, Nachtseite: 1300° Celsius

Blick ins Weltall: Heutige Teleskope untersuchen Exoplaneten

Es sei „erstaunlich“, dass man mit heutigen Teleskopen und Instrumenten bereits so viel über die Atmosphären von Exoplaneten lernen könne, fügt Jayawardhana hinzu und ergänzt: „Die wesentlichen Bestandteile, physikalischen Eigenschaften, Wolken und sogar großflächige Windmuster von Planeten, die Sterne in hunderten Lichtjahren Entfernung umkreisen.“

Zuletzt gab es in der Astronomie* einige neue Entdeckungen rund um Exoplaneten: So ist ein Exoplanet entdeckt worden, der womöglich um gleich drei Sterne kreist*. Außerdem wurde eine neue Klasse von Planeten identifiziert*, die zwar ganz anders als die Erde sind, auf denen aber Leben möglich sein könnte. Eine weitere Studie zeigt, wie gefährlich das Leben von Exoplaneten ist: Jeder vierte sonnenähnliche Stern verschlingt nämlich seine Planeten*. (tab) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.