Franzosen finden Zusammenhang zwischen Prothesen und neuer Krankheit

Experten: Lösen Brust-Implantate neue Tumor-Art aus?

Paris. Es ist eine Schock-Nachricht, die die Tageszeitung „Le Parisien“ am Montag auf ihrer Titelseite verbreitet hat: „Warnung vor einem neuen Krebs“ steht über dem Foto eines Brust-Implantates.

Einem Bericht des Blattes zufolge haben Experten des nationalen Krebs-Instituts Frankreichs einen neuen Tumor des Lymphgewebes entdeckt, den „anaplastischen großzelligen Lymphom“. Bislang wurde er nur bei Trägerinnen von Brust-Prothesen entdeckt. Weltweit seien 173 Fälle bekannt, in Frankreich zähle man 18 in den letzten drei Jahren, allein elf davon wurden 2014 festgestellt. Eine Betroffene ist inzwischen gestorben. „Es gibt eine klare Verbindung zwischen dem Auftreten dieser Pathologie und dem Tragen eines Implantates“, erklären die Fachleute des Krebs-Instituts.

Laut Zeitungsbericht schlagen sie vor, die neue Tumor-Art bei der Weltgesundheitsorganisation eintragen zu lassen. Die französischen Behörden stünden im Austausch mit den amerikanischen Kollegen von der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drugs Administration), erklärte Benoît Vallet, Generaldirektor im französischen Gesundheitsministerium: „Die Signale sind schlüssig. Die Fälle nehmen zu. Wir werden einen mehrstufigen Aktionsplan einrichten.“ Trägerinnen von Implantaten sollen künftig jährlich untersucht werden. 400.000 Französinnen sind betroffen, von denen sich 83 Prozent aus ästhetischen Gründen Brust-Implantate einsetzen ließen und 17 Prozent nach einer Brustkrebs-Operation.

Erschüttert wurden viele von ihnen und auch weltweit, als im Jahr 2010 aufkam, dass der französische Hersteller PIP (Poly Implant Prothèse) nicht zugelassenes, billiges Silikon verwendet und die Prüf-Behörden jahrelang getäuscht hatte. Seine Produkte erwiesen sich als mangelhaft und wenig reißfest. Ein Zusammenhang mit Krebserkrankungen wurde nicht nachgewiesen, dennoch empfohlen viele Länder Trägerinnen von PIP-Implantaten, diese entfernen zu lassen. Firmengründer Jean-Claude Mas wurde inzwischen wegen Betrugs zu vier Jahren Haft, einer Geldstrafe von 75.000 Euro und einem Berufsverbot verurteilt.

Mit diesem Skandal hat der jetzige Verdacht zwar nichts zu tun. Dennoch sei größte Wachsamkeit geboten, erklärte der stellvertretende Leiter der französischen Arzneimittelbehörde ANSM, François Hébert: „Frauen, die sich Brust-Implantate einsetzen lassen, müssen obligatorisch über dieses neue Risiko aufgeklärt werden, auch wenn es gering ist.“ Das medizinische Personal sei per Rundschreiben informiert worden. Selbst ein Verbot von Brust-Prothesen in Frankreich schloss Hébert nicht aus.

Von einer Empfehlung, sie entfernen zu lassen, sah die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine zunächst ab, die vor einer „übersteigerten Beunruhigung“ warnte. Es gebe keine Marke, die besonders im Visier stehe. In Frankreich trugen allerdings 14 der 18 betroffenen Frauen Fabrikate des US-amerikanischen Herstellers Allergan, der rund ein Drittel des weltweiten Marktes beherrscht. „Wir haben nichts zu verbergen und setzen auf Transparenz“, reagierte der Leiter der medizinischen Abteilung bei Allergan in Frankreich, Philippe Mauvais. Als Erklärung diene möglicherweise auch die starke Position, die das Unternehmen auf dem Markt habe.

Von Birgit Holzer

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