Auffälliges Tier bei Munster

Experten verfolgen Weg und Verhalten eines Wolfes per Peilsender

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Ungewöhnlicher Anblick: Ein einjähriger Wolfsrüde wurde bei Munster mit einem Sendehalsband versehen. Im Stundentakt gibt es Informationen an Experten weiter.

Munster. Lange Zeit galten sie als ausgestorben, nun streifen sie wieder durch die deutschen Wälder: Wölfe.

Erstmals ist nun ein Wolf aus einem auffälligen Rudel im niedersächsischen Munster mit einem Sendehalsband versehen worden, um sein Verhalten zu überwachen. Vom Umweltministerium in Hannover beauftragte Fachleute legten dem per Betäubungsspritze ruhiggestellten Tier das Gerät um. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums. Wiederholt hatten zuvor etwa Spaziergänger und Landwirte von Begegnungen berichtet, wo Tiere vom Truppenübungsplatz Munster bis auf wenige Meter herankamen.

„Der Sender informiert unsere Experten darüber, wo sich der Wolf aufhält“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. Dies helfe, bei einem möglicherweise auffälligen Verhalten schneller „mit geeigneten Vergrämungsmaßnahmen zu reagieren“. Zweck sei es, die Wölfe auf Abstand zu halten. Das Sendehalsband schickt stündlich neue Daten an die Experten. Es soll nachzwei Jahren von allein abfallen.

Bei dem überwachten Wolf handelt sich um einen einjährigen Rüden. Geplant ist, aus vier weiteren Rudeln jeweils ein bis zwei Tiere mit Sendern zu versehen. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.

Die Wölfe aus Munster haben bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. So waren im Februar sieben neugierige Wölfe einer Frau und ihren beiden Hunden unweit von Amelinghausen gefolgt. Kurz zuvor hatte ein Forstmann das Rudel aus nächster Nähe fotografiert. Auch ein verhaltensauffälliger Wolf, der im Februar in Schleswig-Holstein in eine Schafherde eingedrungen war, stammte aus Munster. Unter Wolfsexperten kursierte daher bereits das Gerücht, die Raubtiere könnten auf dem Truppenübungsplatz gezielt angefüttert und so an Menschen gewöhnt worden sein. Normalerweise gelten Wölfe bei der Begegnung mit Menschen als eher scheu.

Zentrales Wolfsbüro 

Am 1. Juli soll ein neu eingerichtetes Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz eröffnen. Das dreiköpfige Team wird unter anderem Tierhalter beraten und Meldungen zu gesichteten Tieren aufnehmen.

Ähnliche Aktionen gibt es seit Längerem mit Luchsen. Ein ausgewilderter Luchs wurde vor Jahren von Forschern des Nationalparks Harz mit einem GPS-Sender versehen. Das Tier streifte vom Harz über den nördlichen Werra-Meißner-Kreis, den südlichen Kreis Kassel bis in Teile des Schwalm-Eder-Kreises. Auch im Kaufunger Wald wurde im Februar dieses Jahres die Spur eines Luchses verfolgt. (mit dpa)

• Mehr Informationen auf www.luchs-in-hessen.de

Hintergrund: Wölfe vor allem im Osten, Ansiedlungen in Hessen wahrscheinlich

Der Wolf, in Deutschland einst ausgestorben, hat sich vor allem in den östlichen Bundesländern wieder angesiedelt. Er steht unter Naturschutz und darf nicht geschossen werden. Bundesweit sollen bereits gut 300 unterwegs sein. Wölfe können täglich rund 50 Kilometer zurücklegen.

• Hessen: Auch in Hessen könnte es wieder Wölfe geben. Der Landesjagdverband hält es für wahrscheinlich, dass der Wolf wieder heimisch werden könnte. Dr. Wolfgang Fröhlich, Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbandes Hessen und Leiter des Wildparks Knüll, schließt nicht aus, dass ein Jungtier auf der Suche nach einem Revier durch den Schwalm-Eder-Kreis läuft. Darauf habe es mehrere Hinweise gegeben. Der letzte bestätigte Wolf in Nordhessen lebte fünf Jahre lang im Reinhardswald. Im April 2011 wurde er verendet aufgefunden. Bei Gießen wurde 2011 ein Wolf angefahren. Er wurde 2012 in Rheinland-Pfalz von einem 73-jährigen Jäger erschossen, der daraufhin seinen Jagdschein abgeben und 3500 Euro Strafe zahlen musste.

Niedersachsen: Hier sind nach Zahlen der Landesjägerschaft mindestens 50 Wölfe unterwegs.

• Brandenburg: In Brandenburg leben bereits 12 Rudel mit schätzungsweise 100 Tieren.

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