Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Fährunglück: Kritik an der Schiffsbesatzung

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Rettungskräfte vor der verunglückten Fähre.

Seoul - Nach dem schweren Fährunglücks vor Südkorea werden immer noch fast 300 Menschen vermisst. Unterdessen wächst die Kritik am Kapitän und der Besatzung.

Obwohl das Schiff in Schieflage geriet, habe die Brücke zunächst nicht die Evakuierung angeordnet, berichteten südkoreanische Medien am Donnerstag. Überlebende kritisierten, dass sich mehr Passagiere hätten retten können, wenn diese nicht angewiesen worden wären, sich nicht von der Stelle zu bewegen. Die Behörden befragten Lee Joon Seok, den Kapitän, um die Ursache der Katastrophe vom Mittwoch zu klären. Der sagte der Zeitung "Dong A Ilbo", die Fähre sei "plötzlich gesunken" und er wisse nicht, weshalb. Er habe keinen Felsen gerammt. Laut südkoreanischen Medienberichten ging er auch als einer der ersten von Bord seines sinkenden Schiffs. Dem Kapitän drohe eine Ermittlung wegen Fahrlässigkeit, hieß es.

Hinterfragt wird zudem, warum die meisten Rettungsboote nicht zu Wasser gelassen worden seien. Die Küstenwache befragte auch Besatzungsmitglieder, berichtete KBS. Deren Aussagen ließen vermuten, dass ein ruckartiges Drehen des Schiffes bei einer nötigen Kursänderung vor der Insel Chindo zu der Katastrophe geführt haben könnte. Ermittler schlossen laut dem Rundfunksender KBS ein abruptes Wendemanöver als Grund für das Unglück nicht aus. Möglich ist auch, dass die Auto- und Personenfähre auf einen Felsen aufgelaufen sein könnte. Überlebende hatten von einem großen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen.

Zahl der Toten steigt auf 25

Die bestätigte Zahl der Toten nach dem Fährunglück vor Südkoreas Küste ist am Freitagmorgen (Ortszeit) auf 25 gestiegen. Etliche Leichen seien im Meer treibend gefunden worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Die Bergungskräfte hatten ihre Arbeit nach einer wetterbedingten mehrstündigen Pause am Donnerstagabend fortgesetzt. Im Wrack des gekenterten Schiffes „Sewol“ wurden noch mehr als 250 Opfer vermutet, viele von ihnen Schüler. Das Schiff mit rund 470 Passagieren war am Mittwoch gesunken. Fast 180 Menschen wurden gerettet.

Tote bei Fährunglück vor Südkorea

Tote bei Fährunglück vor Südkorea

325 Teenager einer Oberschule aus einer Vorstadt von Seoul waren zusammen mit Lehrern auf dem Weg von der westlichen Küstenstadt Inchon zur südlichen Ferieninsel Cheju, als das Schiff am Mittwochmorgen in Seenot geriet und einen Notruf absetzte. Etwa zwei Stunden später sank die mehrstöckige Fähre fast komplett, nur noch der Bugwulst ragt aus dem Wasser hervor. Dies sei damit zu erklären, dass das Wasser an der Stelle nur etwa 30 bis 40 Meter tief und die Fähre mehr als 140 Meter lang sei, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Kräne würden in den nächsten Tagen zur Unglücksstelle gebracht, um das Wrack zu heben.

Südkoreas Staatspräsidentin Park Geun Hye machte sich an der Unglücksstelle ein Bild von der Suche nach den Vermissten. Angesichts des kalten Wassers sei „jede Minute kritisch, falls es Überlebende gibt“, sagte Park am Donnerstag laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap.

dpa

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