25.000 Arbeiter in Klickfarmen

Fingierte Facebook-Freunde: Viele "Gefällt mir" kommen aus Bangladesch

Dass Kinder in Bangladesch unter menschenunwürdigen Bedingungen Textilien für den Weltmarkt produzieren, ist keine Neuheit – dass dort für Billiglohn auch Facebook-Markierungen gefälscht werden, hingegen schon.

Findige Geschäftsleute aus Dhaka haben eine Software entwickelt, mit der über Nacht bis zu 100.000 „Gefällt-mir“-Klicks produziert werden können. Nach Angaben von Tagesschau.de sind die Anbieter aus Dhaka mit dieser Geschäftsidee nicht allein. Sogenannte Klickfarmen aus Südasien sind damit beschäftigt, im Auftrag europäischer Firmen Klicks zu produzieren, damit diese ihren Kunden vorgaukeln können, wie beliebt sie sind.

Viele Unternehmen messen ihren Erfolg im Internet über die „Gefällt mir“-Angaben im Sozialen Netzwerk Facebook. Der amerikanische Berater für Computersicherheit, Graham Cluley, spricht von einer schicksalhaften Abhängigkeit der Unternehmen. Viele Kunden würden Produkte nur dann kaufen, wenn sie vorher im Internet positive Bewertungen finden – und dazu gehören eben auch die „Gefällt- mir“-Angaben bei Facebook.

Die Arbeiter verdienen dabei gerade mal 120 US-Dollar im Jahr, berichtet die britische Tageszeitung Guardian. Für einen Dollar müssen sie in schäbigen, verdunkelten Büroräumen etwa 1000 Klicks generieren. Die Firma verdient hingegen das Fünfzigfache.

Die Arbeiter nutzen spezielle Programme, die es ermöglichen, gleichzeitig für mehrere Kunden „Gefällt mir“ zu klicken. Vermutlich stammen 30 bis 40 Prozent aller gefälschten Klicks aus Bangladesch. Etwa 25.000 Arbeiter sollen dort in Klickfarmen beschäftigt sein.

Regelmäßig löscht Facebook die falschen Profile, die Anbieter aus Dhaka sind allerdings schneller. Sie bauen einfach neue Profile. Würden die Macher von Facebook zeigen, woher die Klicks stammen, sehe das anders aus.

Von Diana Surina

Rubriklistenbild: © dpa

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