Entdeckung zeigt, wie gefährlich das Sammeln von Daten sein kann

Spionage-Vorwürfe: Gefährden Sportler mit Fitness-Apps das Leben von US-Soldaten?

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Heatmap der Fitness-App Strava, die zeigt, wo die Nutzer aktiv waren.

Die Lage von vielen US-Militärbasen ist streng geheim. Ein Student hat sie trotzdem entdeckt - auf Karten der Fitness-App Strava. Terroristen könnten so vom Laufboom profitieren.

Die Fitness-App Strava ist der Renner bei Läufern und Radfahrern - und eine Gefahr für das US-Militär. Mit der Plattform können Sportler ihre Trainingsrouten aufzeichnen, auswerten und mit anderen vergleichen. Strava ermöglicht es aber auch, geheime Militärbasen auszuspionieren, wie der australische Student Nathan Ruser herausgefunden hat. Das US-Verteidigungsministerium Pentagon ist bereits alarmiert.

Ruser hatte auf Twitter Ausschnitte von Strava-Karten gepostet. Diese Heatmaps dokumentieren in hellen Linien die Strecken, die Läufer und Radfahrer auf der ganzen Welt zurücklegen und per GPS-Signal aufzeichnen. An den US-Küsten und in Europa ist fast alles hell erleuchtet. Die Karten von Ländern wie Afghanistan und dem Irak sind dagegen dunkel. Dafür sieht man einzelne Linien, die offenbar von US-Soldaten stammen. Sie haben sich aus den Lagern in Laufschuhen auf ihre Trainingsrunden gemacht. 

Heimische Sportler erklären die App Strava

Unter anderem erkennt man im Irak Militärstützpunkte der USA und ihrer Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). In manchen Fällen macht die Laufstrecke die exakten Grenzen einer Militärbasis deutlich, weil die Sportler offensichtlich direkt am Zaun entlang joggten. Für Terroristen, die einen Anschlag planen, könnte das so hilfreich sein wie eine Bombenanleitung. Denn auf Karten von Anbietern wie Google Maps bleiben viele Militäreinrichtungen unsichtbar.

Das US-Verteidigungsministerium nimmt den Hinweis "sehr ernst", wie eine Sprecherin sagte. Dabei hatte das Pentagon den Soldaten einst selbst empfohlen, beim Sport Tracking-Apps zu benutzen. Es wurden sogar 2500 Fitbit-Armbänder verteilt.

Trotzdem sollte niemand höhnisch lachen über die Entdeckungen des australischen Studenten. Der Fall verdeutlicht einmal mehr, wie viele Daten wir in der schönen neuen Technikwelt freiwillig preisgeben. Darauf macht auch der neue Kasseler Verein "Wer hat meine Daten" aufmerksam. Wer sich auf der Webseite ein Profil anlegt, erhält "die Kontrolle über seine Daten zurück und kann nachvollziehen, was mit seinen Daten" passiert, wie die Jungunternehmer versprechen.

Andererseits können die unzähligen Daten die Welt auch besser machen. So greifen US-Stadtplaner bei der Planung von Radwegen auf GPS-Daten von Fitness-Apps zurück. Sie zeigen sehr viel genauer als Umfragen, wo die meisten Räder rollen.

Strava kann man übrigens auch nutzen, ohne das Leben von US-Soldaten zu gefährden. Dazu muss man lediglich die Datenschutzeinstellungen so ändern, dass die Aktivitätsdaten nicht in die Strava-Heatmap einfließen. Zumindest einige US-Soldaten haben das entsprechende Häkchen nicht gesetzt.

Strava gibt es als kostenloses Angebot. Premium-Nutzer zahlen 7,49 Euro im Monat.

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