"Möge die Gewalt aufhören"

Flammender Appell des Papstes für Frieden in Syrien

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Papst Franziskus in Amman.

Amman - Der Papst spricht bei seiner Pilgerreise ins Heilige Land sofort die größte Tragödie der Region an: das jahrelange Blutvergießen in Syrien. Eindringlich fordert der Pontifex Hilfe für die notleidenden Menschen.

Papst Franziskus hat zum Auftakt seiner Pilgerreise ins Heilige Land in einem flammenden Appell Frieden in Syrien verlangt und zum Gebet für die Opfer des Bürgerkrieges aufgerufen. „Möge die Gewalt aufhören und das humanitäre Recht geachtet werden, indem der notleidenden Bevölkerung die notwendige Hilfe garantiert wird“, sagte er am Ufer des Jordan. So machte sich der Papst am Samstag für einen Dialog im Syrien-Konflikt stark.

Franziskus war am Mittag in Jordanien eingetroffen und sprach in Bethanien jenseits des Jordan vor Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak sowie vor jungen Behinderten. Der Ort gilt als Taufstätte Jesu.

Franziskus geißelte auch die Waffenhändler, die die Konfliktparteien in der Region immer wieder mit Nachschub versorgten. „Wer verkauft und produziert die Waffen, mit denen Unschuldige getötet werden?“, fragte er. Dies sei eine der „teuflischen Wurzeln“ der Konflikte.

„Gott bekehre die Gewalttätigen, die Kriegspläne hegen; er stärke Herz und Geist der Friedensstifter“, wünschte Franziskus. Er sprach von erschütternden Tragödien im Nahen Osten und hob dabei Syrien hervor. Aber auch die seit Jahrzehnten nach einem eigenen Staat strebenden Palästinenser werden sich angesprochen fühlen. Sie besucht der Papst am Sonntag, bevor er nach Israel reist, wo die Reise am Montag endet.

Franziskus hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder für eine Verhandlungslösung in Syrien eingesetzt und mehr Einsatz von der internationalen Gemeinschaft dafür gefordert. Bei einer Rede in der jordanischen Hauptstadt Amman hatte er zuvor seine tiefe Besorgnis über die Konflikte in der Region geäußert.

Er nehme „voll Schmerz das Andauern starker Spannungen im Nahen Osten“ wahr. Der Papst sprach dem Haschemitenreich und allen Menschen im Nahen Osten Mut zu, „sich weiterhin in der Suche nach dem ersehnten dauerhaften Frieden für die gesamte Region zu engagieren“.

Den könne es hingegen nur bei einer „friedlichen Lösung der syrischen Krise wie auch einer gerechten Lösung für den israelisch- palästinensischen Konflikt“, geben, mahnte Franziskus im Königspalast in Amman. Dort hatte ihn zuvor König Abdullah II. empfangen. Zu einer Messe mit dem Papst im internationalen Stadion in Amman kamen etwa 30 000 Gläubige.

„Den Frieden kann man nicht kaufen: Er ist ein Geschenk, das man geduldig suchen und "von Hand" aufbauen muss durch kleine und große Handlungen“, sagte der Argentinier in seiner Predigt. Die Menschen sollten Zeichen der Demut, der Brüderlichkeit, der Vergebung und der Versöhnung setzen. Sie seien die Voraussetzung für einen wahren, beständigen und dauerhaften Frieden.

Zugleich äußerte der Papst „tiefen Respekt und Achtung für die muslimische Gemeinschaft“. Und er würdigte die Religionsfreiheit und die Rolle der christlichen Minderheit in Jordanien. Sie leiste mit ihren Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Jordaniens. Er rief jedoch dazu auf, die Religionsfreiheit und Bürgerrechte der in einigen anderen Ländern der Region verfolgten Christen zu achten.

Ausdrücklich lobte Franziskus die Anstrengungen des Königreiches bei der Versorgung Hunderttausender Flüchtlinge aus dem Irak und vor allem aus Syrien. „Diese Aufnahme verdient die Würdigung und die Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft“, sagte der Pontifex.

dpa

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