Fleischindustrie

Fleisch kann jetzt industriell hergestellt werden - ganz ohne Tierleid

Ein Steak liegt auf einem Teller.
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Future Meat präsentierte das weltweit erste Ribeye-Steak, für das kein Tier geschlachtet werden musste.

Das israelisches Start-up „Future Meat Technologies“ hat einen Weg gefunden, Fleisch industriell herzustellen. Damit könnte man in Zukunft Tierleid verhindern.

Israel - Das israelische Start-up Future Meat Technologies möchte sein künstlich hergestelltes Fleisch in die Restaurants bringen. Eine Fabrik im israelischen Rechovot gibt es bereits und darin lassen sich eine halbe Tonne Fleisch am Tag produzieren, darunter zum Beispiel Hühnerfleisch.

Das sind gute Nachrichten. Eine Studie zeigt, dass weniger Fleischkonsum besser für Mensch und Umwelt (hna.de berichtete*) wäre, von dem Leid durch Massentierhaltung mal ganz abgesehen. Jetzt wollen die Gründer eine Genehmigung erhalten, um ihr Zellfleisch an Restaurants zu vertreiben, aber zunächst erst in den USA.

Das Start-up aus Israel will für den Anfang den Markt der USA erobern

Mit dem Vertrieb des Zellfleischs will das Start-up in den USA beginnen. Danach sollen Europa und China folgen. Dafür bemühen sich die Gründer nun um die nötigen Genehmigungen von der FDA (Food and Drug Administration) und dem US-Landwirtschaftsministerium.

„Wir sind nicht darauf aus ein Premiumprodukt zu haben“, sagt der Geschäftsführer von Future Meat, Rom Kshuk, im Interview mit dem US-Wirtschaftsportal Bloomberg. „Es geht wirklich darum, einen alternativen Weg zu finden, Fleisch zu produzieren.“ Bei den Konsumenten findet bereits seit Jahren ein Umdenken statt. Billigfleisch und das damit verbundene Tierleid werden immer kritischer gesehen. Jüngst hat deshalb Discounter Aldi verkündet, dass Billigfleisch bis 2030 aus den Märkten verbannt werden soll*.

Moderner Fleischersatz: So wird Zellfleisch hergestellt

Für die Herstellung von Zellfleisch sind weder Massentierhaltung, noch der Einsatz von Antibiotika nötig. Dadurch ist es ein großer Hoffnungsträger. Auch ökologisch ist das Zellfleisch ein Vorbild, denn es besteht in der Produktion keine vergleichbare Gefahr für Umwelt und Klima* wie bei konventionellem Fleisch.

Für Zellfleisch werden Muskelzellen im Labor gezüchtet, das Material dazu wird durch eine Biopsie von Tieren entnommen - ein wenig invasiver Eingriff, durch den die Spender nicht zu Schaden kommen. Die Herausforderung besteht darin, die Zellen nicht etwa nur zu Hack, sondern zu einem Fleischstück heranwachsen zu lassen.

Den Beweis, dass dies funktioniert, hat eine Studie des israelischen Technologieinstituts Technion geliefert. Die Forscher haben im Februar 2021 ein aus Zellkultur bestehendes Ribeye-Steak vorgestellt, das erste weltweit.

Einziger Wermutstropfen: Der hohe Preis

Mit der Fleischindustrie und deren Massentierhaltung, die stark kritisiert* wird, kann sich die Fleischproduktion im Labor noch nicht ganz preislich messen. Doch die Preise für die Herstellung sinken massiv. „Von Anfang an lag unser Hauptaugenmerk auf der Skalierung und Kostenreduzierung, um ein kommerziell nutzbares Produkt zu erhalten“, so Future-Meat-Chef Rom Kshuk gegenüber Bloomberg. Das Start-up hat es inzwischen geschafft, 100 Gramm Hühnerfleisch für vier Dollar bereitzustellen, aber der Preis soll sich noch bis Ende 2022 um die Hälfte reduzieren.

Nicht nur Future Meat stellt Zellfleisch her

Future Meat ist nicht das erste Unternehmen, das Zellfleisch herstellt. Auch Eat Just aus San Francisco entwickelt synthetisches Fleisch und hat bereits Fleisch an ein Restaurant in Singapur verkauft. Future Meat will jetzt nachziehen und noch viel weiter kommen. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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