Firma Kemper erinnert an Gründersohn, der 1934 Magnetschwebe-Patent anmeldete

Fleischfabrik kauft Transrapid

Kassel / Nortrup. Für gut 200.000 Euro geht der letzte in Kassel gebaute Transrapid an eine Fleischwarenfabrik in Nortrup bei Osnabrück. Das Familienunternehmen Kemper hat das Höchstgebot für den Magnetschwebezug abgeben, den die bundeseigene Vebeg im Oktober versteigert hatte.

Für die Käufer, die mit 1300 Mitarbeitern in Nortrup Brühwurst, Schinken, Aspik und Kochwurst herstellen, zählt der Transrapid zur Firmengeschichte: Hermann Kemper, 1977 gestorbener Sohn des Firmengründers und außerdem Elektrotechnik-Ingenieur, hatte 1934 das Patent der „Elektromagnetischen Schwebebahn“ angemeldet.

Die Neuerwerbung mit 156 Sitzplätzen war einst für Tempo 500 gut. Nun wird der 170-Meter-Zug per Kran und Tieflader aus Lathen (Emsland) ins 60 Kilometer entfernte Nortrup umgeparkt: Auf dem Firmengelände dient er künftig als Schulungs- und Konferenzraum. Ein Teil wird für Besucher freigegeben.

Der Transrapid (TR) 09 war das letzte Modell einer glücklosen Baureihe: Außer als Flughafenzubringer im chinesischen Schanghai kam der von Thyssen-Krupp gebaute Magnetschwebezug weltweit nie zum Einsatz. Nach einem grauenhaften Auffahr-Unfall des TR 08 mit 23 Toten auf der Versuchsstrecke im September 2008 fuhr der Nachfolger noch bis Ende 2011, um Tests abzuschließen.

Seitdem stand er in einer Halle, bis Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Altlast zur Versteigerung freigab. Auch die Technische Hochschule Bingen, mehrere kleine Museen und die Samtgemeinde Lathen selbst boten mit. Sogar Verschrottungs-Firmen waren interessiert – ins Altmetall muss der TR 09 aber noch nicht.

Gerüchte, ein chinesischer Investor habe Interesse an der Transrapid-Teststrecke im Emsland, bleiben zwei Monate nachdem Lathens Bürgermeister Karl-Heinz Weber sie in die Welt setzte, weiter Gerüchte. Weber äußert sich nicht zu Quellen.

Dafür gibt es Neuigkeiten aus Peking: Chinas größter Bahnproduzent CRRC will zwei Magnetschwebebahn-Linien entwickeln – bis zu konkurrenzlosen 600 Stundenkilometern schnell und abgespeckt für Tempo 200 gut. Die alte Betonbahn in Lathen wird nicht benötigt, Eine Teststrecke bauen die Chinesen laut Agentur Xinhua selbst.

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