Florine Stettheimer – eine Künstlerin im modernen New York

Partys, Ausflüge, Shoppen – das Leben von Florine Stettheimer war schillernd. Ihre Werke sind es bis heute. Die Künstlerin schuf nicht nur farbenfrohe Öl-Gemälde, sondern auch Kostüme, Bühnenbilder und Gedichte. Der Hirmer-Katalog zur Ausstellung in München bildet Stettheimers Leben und Werk ab.

Glitzer und Glamour in New York

Modisch gekleidete, junge Frauen reißen sich gegenseitig die besten Schnäppchen aus der Hand. Sie tänzeln durchs Geschäft, stürzen sich auf Verkaufstische und probieren Kleidungsstücke an – da, wo gerade Platz ist. Was wie ein Samstagvormittag in einem Kaufhaus klingt, ist die Beschreibung des Öl-Gemäldes „Spring Sale at Bendel‘s“ von Florine Stettheimer aus dem Jahr 1921. Es ist eines ihrer zahlreichen sogenannten Vergnügungsbilder, die im Katalog des Hirmer Verlags abgebildet sind.

Die Künstlerin (1871–1944) malt in klaren Farben und benutzt Motive aus der Alltagskultur und Konsumwelt. Ihre Bilder ähneln Plakaten und weisen sowohl formal als auch thematisch Elemente auf, die in den 1950er-Jahren der Pop-Art zugeschrieben werden. Trotzdem sind Stettheimers Werke nicht nur Vorläufer der Pop-Art, sondern spiegeln mit vielen kleinen Details und filigranen Zeichnungen ihren ganz eigenen Stil wider. Dieser prägt und inspiriert junge Künstler bis heute.

Kultur, Konsum und Kunst ersetzen die Kirche

Nicht nur in ihren Vergnügungsbildern setzt sich die New Yorker Künstlerin mit den Freizeitbeschäftigungen der Amerikaner auseinander, sondern auch in ihrer „Cathedral“-Reihe. Von 1929 bis 1944 entstanden vier Gemälde, auf denen die modernen „Gotteshäuser“ der fortschrittlichen Metropole zu sehen sind: das Broadway-Theater, die Fifth Avenue, die Wall Street und die Kunstmuseen. Diese Orte haben in den Augen der Malerin Kirche und Religion ersetzt.

Stettheimer macht in ihren Werken jede Menge historische und persönliche Anspielungen. Wer sich mit ihrem Leben und der amerikanischen Geschichte befasst, wird Freunde, Familienmitglieder und Politiker wiedererkennen. Selbst Gesellschaftsstrukturen ihrer Zeit hält sie in ihren Bildern fest.

Ausstellung und Katalog beleuchten ihr Gesamtkunstwerk

Florine Stettheimer kreiert nicht nur faszinierende Öl-Gemälde, sondern inszeniert ihre Werke auch in eigens von ihr gestalteten Räumen. Sie entwirft Kostüme und Bühnenbilder, schreibt Gedichte und arbeitet an Ballettstücken. Ihr Schaffen kann als modernes Gesamtkunstwerk verstanden werden. Es bildet das schillernde Leben in New York Anfang des 20. Jahrhunderts ab.

Von ihren Vergnügungsbildern bis hin zur „Cathedral“-Reihe – die Ausstellung im Münchner Lenbachhaus und der Katalog des Hirmer Verlags widmen sich dem gesamten Werk der Künstlerin. Zusätzlich zu den Gemälden zeigen zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotografien Stettheimers Studio und eine Ballettaufführung, für die sie Bühne und Kostüme entworfen hat. Spätestens, wenn der Leser die abgedruckten Gedichte gelesen hat, ist er überzeugt von der Vielseitigkeit der Malerin, Poetin, Kostüm- und Bühnenbildnerin.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.