"Flowers & Mushrooms": Blumen, Pilze und Erotik

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Die doppelt belichteten Fotos des Künstlerduos Fischli/Weiss zeigen faszinierende „Mischwesen“ aus Früchten, Blumen und Pilzen.

Blumen und Pilze galten lange als trivial. Doch moderne Künstler wie Andy Warhol reduzieren sie nicht auf das „nur Schöne“. Der Katalog „Flowers & Mushrooms“ von Hirmer gibt einen einzigartigen Überblick über das Motiv in der Kunst und erläutert die erotische Kraft der Blumen und Pilze.

Bereits in den 1970er-Jahren begann das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss, mit simplen Alltagsgegenständen und -erscheinungen zu arbeiten. Dazu gehörten auch Blumen und Pilze. Fischli und Weiss experimentierten mit Bildern, die sich gegenseitig überlagern: Sie projizierten zwei verschiedene Aufnahmen zeitgleich an eine Wand oder belichteten ein Foto doppelt. Die Ergebnisse sind surreal anmutende Bilder von eigenartiger Schönheit und Faszination: Aus der Kappe eines Fliegenpilzes scheinen Brombeeren zu wachsen, dazwischen leuchten Weintrauben.

Fischli und Weiss gaben damit den Blumen und Pilzen einen neuen Platz in der Kunst. Sie holten sie aus der Ecke des Banalen und etablierten sie als ernst zu nehmendes Motiv.

Pflanzen und nackte Körper bei Robert Mapplethorpe

Der US-amerikanische Fotograf und Künstler Robert Mapplethorpe sah in Blumen und Pilzen vor allem erotische Motive. Im Zentrum seiner Kunst standen meist Stillleben, Porträts und nackte Männerkörper. Mapplethorpe interpretiert die Blüten als „Geschlechtsorgane der Pflanzen“, erläutert der Hirmer-Katalog „Flowers & Mushrooms“ im Essay über Botanik, Erotik und Sexualität. Der Künstler inszeniert Details nackter Körper und stellt die Fotos den Aufnahmen von Blumen gegenüber – etwa einen männlichen Rumpf einem Strauß von Schwertlilien. Überraschende Parallelen werden so sichtbar.

Blumen und Pilze in der Pop-Art

Die Künstler der Pop-Art sahen Blumen aus einer anderen Perspektive: Sie griffen bewusst die als trivial und oberflächlich geltenden Motive auf und verfremdeten sie. Andy Warhol beispielsweise verwendete für seine berühmten „Flowers“-Siebdrucke ein Blumenmotiv aus der Zeitschrift „Modern Photography“ als Vorlage. Er veränderte sie und experimentierte mit Farben, Formen und Größen. Etwa 500 Bilder produzierte er so zu diesem Thema.

Die „Flowers & Mushrooms“ des Hirmer Verlags

„Flowers & Mushrooms“ bietet eine umfangreiche Zusammenstellung von Blumen und Pilzen in der modernen Kunst. Der Katalog begleitet eine Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne, die dort bis Oktober 2013 zu sehen ist. Er orientiert sich am Aufbau der Ausstellung und ordnet die Kunstwerke in thematische Bereiche ein, zum Beispiel „Natur versus Künstlichkeit. Die domestizierte Natur“ oder „Les Fleurs du Mal. Über Sein und Schein“. Jedem Abschnitt ist ein einleitender Essay vorangestellt, der den Lesern die Werke nahebringt. Den Abschluss bildet ein Auszug aus dem bisher unveröffentlichten „Versuch über einen Pilznarren“ von Peter Handke.

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