„Dann kommen diese Spinner“

Entsetzen nach interkulturellem Fest: Russische Plattform hetzt übel gegen Flüchtlinge

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Internationales Buffet und internationale Gäste beim interkulturellen Fest der Gautinger Tafel. 

Entsetzen und Abscheu hat eine realitätsferne und diffamierende Darstellung im Internet über das „interkulturelle Fest“ der Gautinger Tafel in der Würmtalgemeinde ausgelöst. 

  • In Gauting wurde ein „interkulturelles Fest“ am Nikolaustag gefeiert.
  • Eine russische Plattform stürzte sich auf die Feier und Hetze gegen Flüchtlinge
  • Der Fall sorgt für großes Entsetzen

Gauting – Den Nikolaustag hatten die ehrenamtlichen Unterstützer der Gautinger Tafel in der vergangenen Woche genutzt, mit den Kunden der wöchentlichen Lebensmittelausgabe ein „interkulturelles Fest“ zu feiern (wir berichteten). Denn nicht nur bedürftige Gautinger – Rentner, Alleinerziehende und Alleinstehende – holen sich regelmäßig vom heimischen Handel gespendete Lebensmittel bei der Tafel ab.

Auch in der Würmtalgemeinde lebende Flüchtlingsfamilien nutzen zunehmend dieses Angebot. Tafel-Vorsitzende Monika Fliedner hatte sich im Vorfeld für das vom Bundesinnenministerium angestoßene Projekt „Tafel, öffne dich“ beworben. Denn in Gauting gehören auch Flüchtlinge zum Helferteam.

Gauting in Bayern: Veranstaltung wird im Internet diffamiert

Gemeinsam mit ihren Helfern organisierte Fliedner ein reichhaltiges Buffet mit internationalen Schmankerln. Zahlreiche Kunden der Tafel, Gautinger wie am Ort lebende Flüchtlinge, nahmen die Einladung an und verbrachten einen geselligen Nachmittag. Fliedner sprach anschließend davon, dass das interkulturelle Miteinander ein Gewinn für alle Beteiligte gewesen sei.

Um so entsetzter war die Tafel-Vorsitzende, als sie zwei Tage später über einen Bericht auf einer Internetplattform mit russischer Adresse in Kenntnis gesetzt wurde. Dieser Bericht stellt die Veranstaltung als „pompöses Nikolausfest für Illegale“ dar. Und behauptet, die „illegalen Migranten“ seien mit reichhaltigen Speisen und Getränken verwöhnt worden, während notleidende Deutsche bei dem Fest unerwünscht gewesen seien.

In Gauting: Russische Plattform aus rechtsextremen Kreisen mit Hetze

Das ganze garnierten die Macher dieser Plattform – ungefragt und unter Verletzung des Urheberrechts – mit dem Bild, das die Merkur-Fotografin für den Bericht unserer Zeitung über das Fest gemacht hatte. Wer hinter der Internetseite steckt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Allerdings hat sie Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen, wie die Bundesregierung bereits Anfang 2018 öffentlich erklärte.

Die Internet-Hetze war aber noch nicht alles: Monika Fliedner musste sich auch persönlich am Telefon von anonymen Anrufern unflätig beschimpfen lassen. Die hatten die Darstellung im Netz gelesen und offensichtlich für bare Münze genommen.

Hetze gegen Flüchtlinge: Gautinger Tafel im Zielfeuer von Rechtsradikalen

Am Donnerstag hat sich das Helferteam getroffen und über das Geschehene gesprochen. Vorstandsmitglied Claudia Schuldes-Hott, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, fasst die Reaktionen zusammen: „Es ist unsäglich, dass das Ehrenamt derart in den Dreck gezogen wird. Und es ist traurig, dass wir uns für unser ehrenamtliches Engagement rechtfertigen müssen.“ Die Gautinger Tafel sei bunt. Deutsche und ausländische Mitbürger bildeten eine ausgewogene Gemeinschaft. Schuldes-Hott: „Von solchen Diffamierungen lassen wir uns nicht unterkriegen, das stärkt uns eher noch, das ist zumindest mein Empfinden.“

Gauting: Bürgermeisterin entsetzt über Hetze im Internet

Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger ist entsetzt über das Machwerk im Internet: „Das sind Fake News, die inhaltlich jeder Grundlage entbehren.“ Sie habe das Fest selbst miterlebt und genossen. Alle, deutsche wie ausländische Gäste, hätten für eine positive Stimmung bei dem Fest gesorgt. „Und dann kommen diese Spinner und wollen nur Hetze verbreiten und Stimmung machen“, sagt Kössinger im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Es sei traurig, dass im politischen wie im ehrenamtlichen Bereich solche Entwicklungen immer weiter um sich greifen. „Wir müssen lernen, damit umzugehen, und dürfen uns von diesen Leuten nichts kaputt machen lassen.“

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Unterdessen zeigte sich "Tote Hosen"-Sänger Campino genervt von der Berichterstattung bei den Themen Asyl und Zuwanderung. Auf einer anderen Feier in München kam es zu einem handfesten Eklat. Der Grund ist ein pikanter Auftritt. Ein Weihnachtsfest in Bayern mit einer langjährigen Tradition muss Schluss machen. Das Fest war eine Institution.

Am Starnberger See steht jetzt eine ganz besondere Immobilie zum Verkauf. Eine Wohnung im kaiserlichen Schloss von „Sissi“. Allerdings hat die einen fürstlichen Preis.

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