Tod bei Flugschau: BGH sieht Versicherer in der Verantwortung

Eisenach/Gemünden. Der Tod einer damals 14-Jährigen aus Nordhessen bei einer Flugschau beschäftigt weiter die Gerichte: Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat mit einer Entscheidung einen versicherungsrechtlichen Streit zu dem Unfall an das Hanseatische Oberlandesgericht zurückverwiesen.

Der Bundesgerichtshof fällte die Entscheidung am Mittwoch. Der Unfall geschah vor sechs Jahren. Eine Propellermaschine hatte am 26. April 2008 beim Start zu einer Feuerlöschvorführung nicht abgehoben, sondern war in eine Menschenmenge auf dem Flugfeld nahe der thüringischen Stadt Eisenach gerast. Eine Süßwarenverkäuferin, die an einem Zuckerwattestand stand, wurde sofort getötet. Das 14-jährige Mädchen aus Gemünden (Landkreis Waldeck-Frankenberg) erlag zwei Tage später im Klinikum Fulda ihren schweren Verletzungen. Die Jugendliche war Mitglied der Rettungshundestaffel Kellerwald-Schwalm und besuchte die Flugschau, um dort die Arbeit ihrer Gruppe mit vorzustellen.

Vor dem BGH ging es jetzt um die Frage, ob der Unglückspilot von damals und die Halterin des Flugzeugs Anspruch auf finanziellen Schutz aus ihrer Haftpflichtversicherung haben. Die Versicherung hatte die Regulierung der Schäden abgelehnt. Ein Grund: Für diesen speziellen Flug mit Wasserabwurf aus einem Tank an Bord habe der Pilot nicht die nötigen Erlaubnisse und Befähigungsnachweise gehabt. Deshalb bleibe nach den Bedingungen der Police der Versicherer außen vor. Mit Klagen vor dem Landgericht Hamburg und dem Oberlandesgericht waren Pilot und Flugzeughalterin gescheitert. Der BGH war anderer Meinung: Der Hinweis auf eine fehlende, weil nicht rechtzeitig verlängerte Berechtigung für den speziellen Schauflug reiche nicht, um Zahlungen an Opfer und Geschädigte der Tragödie auszuschließen. Dafür müsse den Klägern insbesondere ein Verschulden vorzuwerfen sein (Urteil vom 14. Mai 2014 - IV ZR 288/12).

Von Wolfgang Riek

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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