Heftiger Monsunregen 

Fluten in Indien: Passagierflüge landen auf Marine-Stützpunkt

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Indien, Chengannur: Freiwillige Helfer versorgen Menschen, die von den Fluten eingeschlossen sind, mit Lebensmitteln.

Der Monsunregen in Indien fällt in diesem Jahr besonders heftig aus. Der internationale Flughafen in Kochi bleibt weiterhin geschlossen. Passagierflüge müssen auf einen Marinestützpunkt ausweichen.

Update vom 20. August 2018, 8.13 Uhr: 

In der Flutregion im südindischen Kerala starten und landen wieder Passagierflugzeuge - allerdings auf einem Luftstützpunkt der indischen Marine. Der internationale Flughafen der Großstadt Kochi blieb am Montag wegen der Überschwemmungen weiterhin geschlossen. Nachdem der Regen am Wochenende etwas nachgelassen hatte, wurden am Montag in Kerala noch leichte Schauer erwartet.

Die Region an Indiens Südwestküste am Arabischen Meer kämpft mit den Folgen des nach offiziellen Angaben verheerendsten Monsuns seit rund 100 Jahren. Mehr als 350 Menschen starben. Fast eine Million Menschen mussten in Notunterkünften untergebracht werden, mehr als 100 000 waren von der Außenwelt abgeschnitten. Aus Hubschraubern sollten sie mit sauberem Trinkwasser, Nahrung und Medikamenten versorgt werden.

Die Monsunzeit dauert in Indien von Juni bis September. Die Regenfälle sind unerlässlich für die Landwirtschaft in Südasien, können aber enorme Zerstörungen anrichten. Im vergangenen Jahr kamen in Indien mehr als 1700 Menschen ums Leben. In diesem Jahr sind es bislang fast 1000.

Meldung von 19. August 2018: 

Neu Delhi - In Rettungsbooten bringen Menschen ihre Habseligkeiten in Sicherheit, viele müssen sich an Dächer klammern, Hunderttausende harren in Notunterkünften aus: Die nach offiziellen Angaben schlimmste Flut seit 100 Jahren hat den südindischen Bundesstaat Kerala fest im Griff. Wassermassen haben mehr als 100 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Staatsregierung bemühe sich, Trinkwasser, Nahrung und Medikamente auf dem Luftweg zu ihnen zu bringen, sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, VS Sunil Kumar, am Sonntag.

Bei langsam nachlassenden Regenfällen geht es nun darum, die Überlebenden zu versorgen und die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Die Herausforderung für die Helfer ist gewaltig: Zwischen 800 000 und 1 Million Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, sagte Kumar. Zehntausende warteten noch auf Dächern auf Hilfe. Kinder, kranke und ältere Menschen würden per Flugzeug in Sicherheit gebracht.

80 Dämme sind gebrochen 

Wassermassen haben mehr als 100 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

In der auch bei Touristen beliebten Region sind mehr als 40 Flüsse über die Ufer getreten und 80 Dämme gebrochen. Straßen wurden zu Flüssen, Brücken stürzten ein, vielerorts gibt es keine Telefonverbindungen und keinen Strom mehr, es besteht Seuchengefahr. Es sei schwierig, Kontakt in abgelegene Gebiete zu bekommen, berichtete der Krisenstab.

Papst Franziskus betete am Sonntag auf dem Petersplatz für die Opfer: „Möge es diesen Brüdern nicht an unserer Solidarität und an konkreter Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft fehlen. (...) Lasst uns gemeinsam für diejenigen beten, die ihr Leben verloren haben und für all die Menschen, die von diesem großen Unglück betroffen sind.“

Bereits seit dem 8. August kämpfen die Menschen in Kerala gegen die Wassermassen. Heftige Regenfälle sind sie in der Monsun-Saison gewohnt - doch in diesem Jahr fallen sie außergewöhnlich stark aus. Mehr als 350 Menschen starben bereits. Die meisten Opfer ertranken oder kamen bei Erdrutschen um. Indiens Regierungschef Narendra Modi versprach, Nothilfe zu schicken.

Dächer sind oft der einzige Rückzugsort

In vielen Städten und Dörfern stieg das Wasser so hoch, dass zweigeschossige Gebäude überflutet wurden. Dächer bleiben oft der einzige Rückzugsort. „Am Freitag haben uns Verwandte angerufen und gesagt, sie hätten seit zwei Tagen weder Wasser noch Essen gehabt, und keine Hilfe sei in Sicht“, sagte S. Sudarshan, Bewohner von Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram. Regierungschef Pinarayi Vijayan forderte, die Flut solle als nationale Katastrophe eingestuft werden.

Mehr als 3,7 Millionen Menschen wurden bislang in Rettungscamps versorgt, erklärte die Regierung. 1300 Einsatzkräfte, 30 Militärhubschrauber und rund 400 Boote waren an den Rettungsarbeiten beteiligt. Mancherorts liehen sich Retter Boote von Fischern, um nach Opfern suchen zu können. Auf Bildern waren alte Frauen zu sehen, die Bündel mit ihren kostbarsten Besitztümern festhielten, während sie per Boot in Sicherheit gebracht wurden.

Regierungschef Narendra Modi versprach Nothilfe in Höhe von 5 Milliarden Rupien (rund 60 Millionen Euro). Die Regierung des Bundesstaats verlangt jedoch 20 Milliarden Rupien. Die Schäden hätten Schätzungen zufolge bereits eine Höhe von 195 Milliarden Rupien (2,4 Milliarden Euro) erreicht.

Die Monsun-Saison dauert in Indien von Juni bis September. Die Regenfälle sind unerlässlich für die Landwirtschaft der Region, können aber enorme Zerstörungen anrichten.

dpa

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