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Folgen der Corona-Pandemie: Frauen erfahren deutlich mehr Gewalt

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Von: Karolin Schäfer

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„Stop Violence against Women“ („Stop mit der Gewalt gegenüber Frauen“) steht auf einem Plakat, das eine Demonstrantin Mitte Februar vor dem Brandenburger Tor hält. (Archivbild)
„Stop Violence against Women“ („Stop mit der Gewalt gegenüber Frauen“) steht auf einem Plakat, das eine Demonstrantin Mitte Februar vor dem Brandenburger Tor hält. (Archivbild) © Annette Riedl/dpa

Ob auf der Straße oder im Internet: Das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zeigt, dass Frauen in Europa während der Corona-Pandemie mehr Gewalt erfahren.

Brüssel – Noch immer beherrscht die Corona-Pandemie unseren Alltag. Die Auswirkungen der Ausnahmesituation sind in allen Lebensbereichen spürbar. So haben die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens viele Menschen vor eine Belastungsprobe gestellt – und das weltweit. Vor allem die Auswirkungen auf die Psyche sind immens.

Die Krise begünstige nach Angaben der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg „Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie psychosomatischen Beschwerden“. Laut Landeszentrale soll in der ersten Phase der Pandemie auch häusliche Gewalt zugenommen haben.

Folgen der Corona-Pandemie: Mehr Gewalt gegen Frauen

Zu einem ähnlichen Trend kommt auch das Ergebnis einer repräsentativen Eurobarometer-Umfrage des EU-Parlaments. In Europa gehen fast vier von fünf Frauen (77 Prozent) davon aus, dass es während der Corona-Pandemie zu mehr körperlicher oder seelischer Gewalt gegen sie gekommen ist. Für die Umfrage wurden zwischen dem 25. Januar und dem 3. Februar 2022 in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union 26.741 Frauen ab 15 Jahren befragt.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete, gehen in Deutschland 80 Prozent der befragten Bürgerinnen von mehr Gewalt gegen Frauen aus. Griechenland führte die Spitze der Liste mit 93 Prozent an. In Ungarn liegt der Wert mit 50 Prozent am niedrigsten.

Diese Formen von Gewalt haben die Befragten aus ihrem Umfeld seit Beginn der Corona-Pandemie erfahren:

Auswirkungen der Corona-Pandemie: Frauen fordern Sensibilisierung von Polizei und Justiz

Wie die dpa weiter mitteilte, waren insbesondere in Irland, Griechenland, Kroatien, Zypern, Luxemburg und Rumänien die Werte für häusliche Gewalt und Missbrauch mit jeweils mehr als 20 Prozent überdurchschnittlich hoch. In Deutschland wurde dieser Wert laut Umfragewerten mit elf Prozent angegeben.

Etwa 60 Prozent der befragten Frauen forderten die Erleichterung, körperliche und emotionale Gewalt zu melden, auch bei der Polizei. Laut dpa sprachen sich zwei von fünf Frauen für eine stärkere Sensibilisierung sowie Schulung von Polizei und Justiz aus.

Häusliche Gewalt in Deutschland: Dunkelziffer enorm hoch

Laut einem Bericht der Hilfsorganisation „Weißer Ring“ erfasst die Polizei jedes Jahr etwa 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt. Betroffen seien in erster Linie Frauen. Die Dunkelziffer sei der Organisation zufolge aber deutlich höher. Nur etwa jede fünfte Tat wird angezeigt. „Bei häuslicher Gewalt haben wir 2020 ein Plus von etwa zehn Prozent zu verzeichnen, seit 2018 sogar um 20 Prozent“, bilanzierte Jörg Ziercke, Bundesvorsitzende des Weißen Rings, im Dezember 2021 gegenüber der dpa. Im Corona-Jahr 2020 stieg im Landkreis Kassel ebenfalls die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt. (kas mit Material der dpa)

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet bundesweit Unterstützung für Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben. Die kostenlose Rufnummer 08000 -116 016 steht rund um die Uhr zur Verfügung. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de.

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