Forscher gehen mit Münzen auf Schatzsuche

Australien früher entdeckt als gedacht?

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Ian Mcintosh deutet auf der Weltkarte auf die Wesselinseln wo im Juli die Expedition stattfinden wird.

Sydney. Der australische Wissenschaftler Mcintosh macht sich auf die Suche nach den Wurzeln seiner Heimat. Alte Münzen legen den Verdacht nahe, dass der fünfte Kontinent schon früher entdeckt wurde als bislang angenommen. Seine Suche könnte ihn zu einem mysteriösen Schatz führen.

Fünf Kupfermünzen und eine fast 70 Jahre alte Karte mit einem großen X. Mit diesen Gegenständen geht der australische Wissenschaftler Ian Mcintosh diesen Juli im Norden Australiens auf Schatzsuche.

Doch seine geplante Expedition erregt schon heute die Gemüter der Archäologen. Denn die Herkunft der tausend Jahre alten Münzen könnte die G eschichte des gesamten australischen Kontinents umschreiben.

Australien womöglich schon früher entdeckt

1944 hatte der Zweite Weltkrieg Australien fest im Griff, nachdem japanische Bomber Darwin zwei Jahre zuvor angegriffen hatten. Die Wesselinseln waren eine einsam gelegene, unbewohnte Inselgruppe im hohen Norden Australiens, doch zu Kriegszeiten strategisch dort gelegen, wo Australien am verwundbarsten war.

Eine der alten Münzen.

So saß der australische Soldat Maurie Isenberg auf einer dieser Wesselinseln und tat seinen Dienst auf einer Radarstation. In seiner Freizeit ging er jedoch an den idyllischen Stränden fischen und dabei stieß er durch Zufall auf eine Handvoll Münzen im Sand. Isenberg hatte zunächst keine Ahnung, was für einen Schatz er da in Händen hielt. Immerhin steckte er die Münzen aber ein, packte sie später in eine Dose und vergaß sie.

Obwohl er seinem Fund nicht viel Bedeutung zumaß, markierte er die Fundstelle auf der Karte eines Kollegen mit einem X. Erst viel später – im Jahre 1979 – entdeckte er sein Strandgut wieder und erinnerte sich. Er schickte die Münzen an ein Museum, um sie bestimmen zu lassen und dabei kam heraus, dass einige der Münzen über 1000 Jahre alt waren.

Ein Sensationsfund, der aber weiterhin ohne Beachtung blieb, bis der Anthropologe Ian Mcintosh jetzt in Aktion trat. Denn die Münzen werfen etliche bedeutende Fragen auf: wie waren 1000 Jahre alte Münzen an den einsamen Strand im Norden Australiens gekommen? Sollten westliche Seefahrer den fünften Kontinent doch bereits weit vor dem Briten James Cook erkundet haben, der den Kontinent 1770 zum Eigentum der britischen Krone ernannte?

Bekannt ist bereits, dass 1606 ein holländischer Seefahrer namens Willem Janszoon die heutige Kap-York-Halbinsel in Queensland erreichte und dass wenig später zum Beispiel der Spanier Luiz Vaéz de Torres die Meerenge zwischen Papua Neuguinea und Australien entdeckte, die heute nach ihm als Torresstraße benannt ist.

Münzen stammen aus Afrika

Die australischen Wissenschaftler datieren die fünf gefundenen Kupfermünzen auf die Zeit zwischen 900 und 1300 nach Christus. Es sind afrikanische Münzen aus dem einstigen Sultanat Kilwa, dessen Ruinen in Tansania heute als Weltkulturerbe geschützt sind. Im 13. bis 16. Jahrhundert war Kilwa ein bedeutendes Handelszentrum für den Indienhandel.

Die alten Münzen mögen wenig wert sein, doch in archäologischer Hinsicht sind sie unbezahlbar, schwärmt der australische Wissenschaftler. Und seine Begeisterung ist einfach nachzuvollziehen. Denn wie kamen die Münzen an den einsamen Strand? Hatten westliche Seefahrer Australien schon vor 1000 Jahren entdeckt?

Archäologen vermuten, dass es durchaus bereits vor über 1000 Jahren Handelsrouten gegeben haben könnte, die zwischen Ostafrika, Arabien, Indien und den Gewürzinseln verliefen.

Die Expedition im Juli soll nun Klarheit auf die offenen Fragen bringen und die einsamen Wesselinseln ausführlich erkunden. Mcintosh will nicht nur den mit dem X markierten Strand absuchen, sondern auch nach einer verborgenen Höhle in der Nähe suchen, wo laut überlieferter Geschichten der Ureinwohner alte Dublonen und Waffen versteckt sein sollen. Werden die Schatzsucher fündig, könnte das die australische Geschichte umschreiben. (ce)

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