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Forschung: Eine Maschine soll Angst und Stress weg streicheln

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Von: Ulrike Hagen

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Streichelmaschine: Das vom People-Aware Computing Lab entwickelte Gerät ist auf einem Unterarm befestigt.
Streichelmaschine: Das vom People-Aware Computing Lab entwickelte Gerät soll Stress reduzieren. © Yiran Zhao, Yujie Tao / People-Aware Computing Lab

Forscher haben eine Maschine entwickelt, die auf Knopfdruck streichelt. Sie hilft, Stress und Angstgefühle deutlich zu reduzieren, belegen neue Studien.

New York – Ein Stück Kunstfell, an ein lineallanges, schwarzes Stück Kunststoff geklebt. Verbunden mit einer Feder und einem elektrischen Antrieb, der das flauschige Gewebe auf der Haut hin und herbewegt. Diese seltsame, aber simple Apparatur hat in Studien seine Wirksamkeit als Anti-Stress-Maschine bewiesen. Ein Forscherteam aus den USA konnte belegen, dass das Gerät in anstrengenden Situationen ganz nebenbei Stress und Angst im wahrsten Sinne des Wortes weg streicheln kann.

Forscherteam entwickelt Maschine, die Angst und Stress weg streichelt

Wer unter Stress steht, spürt am eigenen Körper, dass dies dem Menschen nicht guttut: Der Körper setzt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin frei. Die lassen den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel steigen sowie das Herz schneller und stärker schlagen. Allerdings wird oft unterschätzt, dass chronischer Stress sogar das Risiko für Herzinfarkte und psychische Erkrankungen erhöhen kann.

Es gibt zwar wirkungsvolle Maßnahmen, Stress zu reduzieren. Doch die meisten erfordern eine vorübergehende Unterbrechung der Tätigkeit. Was vor allem bei Stress bei der Arbeit, den über die Hälfte der Deutschen empfinden, nicht immer möglich ist. Neuartige „Wearables“ könnten diese Lücke schließen, legt nun eine Studie nahe. Sie wurde im Fachmagazin Proceedings of the ACM on Interactive, Mobile, Wearable and Ubiquitous Technologies veröffentlicht.

Kleines Stück Kunstfell mit Wunderwirkung

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass bewährte Entspannungstechniken wie Meditation und Atemübungen, aber auch körperliche Berührungen das Ausmaß an empfundenem Stress und Angst verringern können. Das Team unter der Leitung von Prof. Tanzeem Choudhury der Cornell University in New York untersuchte nun, ob derselbe Effekt auch durch ein mechanisches, tragbares Gerät, ein sogenanntes „Wearable“ erzielt werden kann.

Gegen Angst und Stress: Forscherteam testet Streichelmaschine

Insgesamt 24 Probandinnen und Probanden nahmen an der Studie teil: Alle trugen das Gerät, während sie verschiedene stressige Herausforderungen bewältigten – wie zum Beispiel Matheaufgaben oder die Vorbereitung einer Rede. Dabei wurde das Gerät in der Hälfte der Gruppe aktiviert, während es bei der anderen Hälfte nicht verwendet wurde. Im Anschluss wurden Interviews durchgeführt, um das Stressniveau zu bewerten. Gleichzeitig wurde das Stressniveau auch mit einem Herzfrequenzgerät gemessen, das die Herzfrequenzvariabilität erfasste.

Streichelmaschine reduziert Stress und Angst um bis zu 50 Prozent

Das erstaunliche Ergebnis: Die physiologischen Reaktionen, wie beispielsweise die Herzfrequenz, waren bei beiden Gruppen während des Experiments zwar gleich. Die Streichel-Gruppe hatte jedoch ein um beeindruckende 50 Prozent geringeres Stress- und Angstempfinden, während sie die Aufgaben durchführte. 

Der Ausgang der Untersuchung deutet darauf hin, dass die Integration von Berührungsmechanismen in tragbare Geräte wie Smartwatches das psychische Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer erheblich verbessern könnte: „Das Ziel ist dabei nicht, dass die Leute dieses Gerät manuell aktivieren müssen. Mein Ziel ist es, Einsatzmöglichkeiten zu entwickeln, die Menschen helfen können, während sie etwas anderes tun“, erklärte Yiran Zhao von der Forschungsgruppe vom Institut für Informationswissenschaften dem New Scientist.

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