Wetterlage wechselt häufig, Regenmenge hat zugenommen

Fragen und Antworten rund ums Wetter in unseren Breiten

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Wechselhaftes Wetter: In diesem Sommer gibt es keine lang anhaltende Wärme, heiße Tage werden von Gewittern und Starkregen abgelöst. Nach Einschätzung von Meteorologen ist das für unsere Region nicht außergewöhnlich. Unser Foto zeigt einen Regenbogen über der Insel Usedom.

Drei bis vier brütend heiße Tage, dann wieder Gewitter mit Hagel und Starkregen – das Wetter schwankt in diesem Sommer oft. Lange Wärmeperioden bleiben aus. Doch diese sind auch nicht typisch für unsere Breiten, sagen Meteorologen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Wetter wechselt in diesem Jahr nahezu im Drei-Tages-Rhythmus. Gab es früher mehr lange, milde Sommer als heute?

Nein. Wochenlange Wärmeperioden mit Dauerhitze sind nach Angaben von Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wiesbadener Wetterdienst Wetter.net nicht typisch für unsere Region. Ausnahme war der Sommer 2003. Er war der wärmste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und ist deshalb vielen in Erinnerung geblieben. Ansonsten gab es selten monatelange Hitze. Heiß war es häufig lediglich für den Zeitraum von einer Woche, dann kamen Regen und Gewitter.

Hat es in der letzten Zeit im Sommer mehr geregnet als früher? 

In den vergangenen Jahren waren sechs Sommer nasser als im langjährigen Mittel. Der Sommer 2013 war dann etwas zu trocken. Auch die Vermutung, dass die Winter wärmer werden, lässt sich statistisch nicht belegen. In den vergangenen sieben Jahren waren viele Winter sehr kalt mit langen Perioden, in denen es Schnee und Eis gegeben hat.

Gibt es mehr Stürme und Gewitter? 

Nein. Eine Zunahme ist nach Aussagen Jungs nicht nachweisbar. Ähnlich sieht es auch der Report des Klimarates der Vereinten Nationen. Zwar zogen mit Lothar, Xynthia und Kyrill schwere Stürme über das Land, doch statistisch gab es nicht mehr solcher Unwetter als vor 100 Jahren.

Warum werden dann die gemeldeten Schäden immer höher? 

Das sind, so Jung, Erhebungen der Versicherungen. Heute versicherten sich viele Menschen gegen mehr mögliche Schäden als noch vor 30 Jahren. Dadurch seien die gemeldeten Schadenssummen höher, etwa wenn ein schwerer Sturm über das Land ziehe.

Können wir uns künftig früher über blühende Blumen im Frühling freuen?

Nach Aufzeichnungen von Botanikern hat sich der Beginn der Blütephasen seit den Achtziger-Jahren verschoben. Der Frühling kommt mittlerweile ein bis zwei Wochen eher als noch vor 30 Jahren. Wenn die Wärme wie in diesem Jahr früh kommt, blühen auch die Blumen rascher, bestätigt Jung. Er verweist aber auch auf den langen, strengen Winter zu Beginn des Jahres 2013, als es noch Ostern Frost gegeben hat.

Sind Schwankungen des Wetters Vorboten eines weltweiten Klimawandels? 

Dominik Jung

Für Diplom-Meteorologe Jung gibt es zurzeit keine akuten Auswirkungen eines Klimawandels. Das Klima verändere sich, seit die Erde bestehe, und das werde in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten auch weitergehen. Das habe dann auch Einfluss auf Großwetterlagen.

Wird sich also beim Wetter künftig nichts ändern?

Doch. Der UN-Klimarat warnt vor langfristigen Wetteränderungen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch eingeschränkt wird.

Was wären die Folgen für uns? 

Extreme Hitzewellen werden nach Einschätzung des Klimarats häufiger, Frostperioden dafür seltener. Die Erwärmung wird den Meeresspiegel stärker steigen lassen, weil Gletscher schmelzen, dadurch gibt es gefährlichere Sturmfluten. Uneinig sind sich Klimaforscher bei Stürmen. Wenn sich die Polarregionen erwärmen, könnten sich Luftdruck-Gegensätze abmildern, die Stürme würden schwächer. Möglich ist aber auch, dass die zunehmende Wärmeenergie Winde anfacht. Seriöse Prognosen sind nicht möglich.

Und wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? 

In den Großräumen Kassel und Göttingen wird es teils bewölkt, teils heiter, mit Höchsttemperaturen zwischen 25 und 29 Grad. Regenschauer und einzelne Gewitter sind möglich. Zum Wochenende hin steigt die Regenwahrscheinlichkeit.

Von Peter Klebe

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