Man darf telefonieren, aber nicht schwimmen

Ungewöhnlich viele Gewitter: So verhält man sich, wenn es blitzt und donnert

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Naturschauspiel: Ein mächtiger Blitz über einem Getreidefeld nahe der brandenburgischen Ortschaft Petersdorf.

Als beispiellos bezeichnet der Deutsche Wetterdienst die Gewitter, die seit Wochen über Deutschland niedergehen. Wir klären, wie man sich bei einem Gewitter verhalten sollte.

Welche Folgen kann ein Blitzschlag haben?

Wird ein Mensch direkt von einem Blitz getroffen, steigt die Spannung am Körper laut Verband der Elektrotechnik (VDE) auf einige 100.000 Volt. Der größte Teil des Blitzstroms fließt auf der Körperoberfläche ab. Art und Schwere der Verletzungen hängen davon ab, welche Körperstelle der Blitz trifft. Die Folgen können von Verbrennungen, Lähmungen über Sehstörungen bis hin zu Gehirnschädigungen und Herzstillstand reichen.

Wie entsteht eigentlich ein Gewitter?

Ein Gewitter entsteht bei großen Temperaturunterschieden in der Atmosphäre oder wenn Luftmassen mit sehr unterschiedlichen Temperaturen aufeinandertreffen. Das heftige Auf und Ab von Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke führt zu einer Polarisierung der Luftelektrizität. Während im oberen Teil der Wolke die positive elektrische Ladung zunimmt, reichert sich die negative Ladung an der Wolkenunterseite an. Das immer stärker werdende elektrische Spannungsfeld entlädt sich schließlich in einem Blitz.

Wie kann man sich vor Blitzen schützen?

Gewitter übersteht man nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am besten im Auto oder in Gebäuden. Wer im Freien überrascht wird, sollte Bäume, Masten und Gewässer meiden und sich möglichst klein machen - am besten hockend in einer Bodenmulde. Bei längerer Dauer kann man sich auch setzen. Wichtig ist es, den Körper möglichst klein und rund zu machen. Ein Blitz schlägt immer in den höchsten Punkt ein. Schwimmer sollten sofort das Wasser verlassen. Auf einen größeren Wasseroberfläche ist ihr Kopf der höchste Punkt. Ebenso sollte man einen Regenschirm schließen.

Darf man bei Gewitter mit dem Handy telefonieren?

Die Benutzung des Handys im Freien während eines Gewitters erhöht nicht das Risiko, dass in diese Person der Blitz einschlägt, erklärt der VDE. Für die Blitzentladung, die in der Luft mehrere hundert Meter zurückgelegt hat, sei es unrelevant, ob sie am Einschlagspunkt Metall, Holz oder einen anderen Stoff vorfindet. Daher kann man nicht sagen, dass ein Handy oder ein anderes metallenes Objekt in der Hand die Blitzeinschlagsgefahr erhöht.

Zieht die Strahlung eines Handys den Blitz an?

Nein, sagt der VDE. Fakt sei, dass die abgestrahlte elektromagnetische Leistung eines Mobiltelefons viel zu gering ist, um die Leitfähigkeit der Luft zu erhöhen.

Wie bekomme ich heraus, wie weit ein Gewitter entfernt ist?

Ist Donner zu hören, ist ein Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt. Der Abstand lässt sich so abschätzen: Die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen und durch drei teilen. Das Ergebnis ergibt die Distanz in Kilometern. Die Experten raten, schon beim Wahrnehmen des Donners Schutz zu suchen. Ein Gewitter ist vorbei, wenn man 30 Minuten lang keinen Donner hört. 

Fakten zum Gewitter:

• Weltweit gibt es rund um die Uhr gleichzeitig mehr als 1600 Gewitter.

• An starken Gewittertagen zucken über Deutschland mehr als 200.000 Blitze durch den Himmel. Nur wenige davon schlagen auf der Erde ein.

• In Deutschland sind im Jahr 2014 insgesamt 622 636 Blitze eingeschlagen. Das besagt die Statistik des Blitz-Informationsdienstes von Siemens. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

• In den vergangenen zehn Jahren schlugen hierzulande 2007 die mit Abstand meisten Blitze ein: rund 1,14 Millionen.

• Der Furcht vor einem Gewitter hat Europa die Reformation zu verdanken: Der Legende nach wurde Martin Luther (1483-1546) auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt 1505 von einem Unwetter überrascht und geriet in Todesangst. Er schwor zur Heiligen Anna, Mönch zu werden, wenn er das Gewitter überlebe. Der Rest ist Geschichte.

• Die deutsche Hauptstadt der Blitzeinschläge im Jahr 2014 war Cottbus (Brandenburg) mit 8,42 Einschlägen pro Quadratkilometer.

• Mit 0,23 Einschlägen gingen die wenigsten Blitze im Landkreis Aurich (Niedersachsen) und in der Stadt Passau (Bayern) nieder.

• In der Rangliste der blitzreichsten Regionen Deutschlands tauchen auch der Landkreis Hersfeld-Rotenburg auf Platz 30 und die Stadt Kassel auf Rang 65 auf.

• Ohnehin kracht es in Hessen vergleichsweise oft bei Unwettern. Der Siemens-Blitzatlas weist für Hessen fast 50 000 Einschläge pro Jahr aus, für das mehr als doppelt so große Niedersachsen 55 000 Einschläge.

• Als Erfinder des Blitzableiters gilt Benjamin Franklin (1706-1790/Bild), ein US-amerikanischer Schriftsteller, Naturwissenschaftler und einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten. Er entdeckte den Blitzableiter während eines Gewitters im Jahr 1752.

• Nach Angaben des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) führen direkte Blitzeinschläge hierzulande zu 130 Verletzten und drei bis sieben Todesfälle pro Jahr.

• Schlägt ein Blitz von einer Wolke auf die Erde ein, misst er normalerweise eine Länge von einem bis zwei Kilometer.

• Ein Blitz dauert etwa 0,02 Sekunden ist 30.000 Grad heiß.

• Gegen Schäden durch direkten Blitzeinschlag schützt laut VDE in der Regel die Hausratversicherung. Überspannungsschäden an Elektro-Geräten sind hingegen in Standardverträgen meist nicht mit versichert.

Folgenreiche Blitzeinschläge

7. Juni 2016: Wie gefährlich Gewitter sein können, bekommt ein Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens zu spüren. Der 44-Jährige steht auf dem Trittbrett eines Schleppfahrzeugs auf dem Rollfeld und will eine Boeing 777 in Position bringen, als in sein Headset ein Blitz einschlägt. Der Mann wird schwer verletzt. Weitere folgenreiche Blitzeinschläge aus den vergangenen Jahren:

3./4. Juni 2016: Auf dem Festivalgelände von Rock am Ring im Eifel-Städtchen Meding (Rheinland-Pfalz) werden 71 Menschen durch Blitzeinschläge verletzt, zumeist mit Verbrennungen und Herz-Rhythmus-Störungen.

Mai 2016: Auf einem Fußballplatz im pfälzischen Hoppstädten verletzt ein Blitz 33 Menschen, darunter 29 Kinder. Ein Betreuer erleidet einen Herzkreislauf-Stillstand und muss reanimiert werden.

Juni 2015: Bei Rock am Ring schlagen drei Blitze ein, 33 Menschen werden verletzt.

Mai 2013: Ein Blitz auf einer Vatertagsfeier in Mecklenburg verletzt 39 Menschen. Sie tragen Brandverletzungen und Schocks davon. Der Blitz war in eine Birke eingeschlagen.

Juni 2012: Während einer Golfpartie im nordhessischen Waldeck suchen vier Frauen Schutz in einer Holzhütte. Der Blitz schlägt in die Hütte ein, drei Frauen sind sofort tot, die vierte stirbt später im Krankenhaus.

Juni 2009: 13 Besucher eines Römer-Historienfestes in Xanten (NRW) werden bei einem Blitzeinschlag verletzt, einige schwer. Sie hatten unter Bäumen Schutz gesucht.

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Warnung vor "extremen Unwettern" - Neue Überschwemmungen in Bayern

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