Ermittlungen gegen Wirt

Frankfurter Flüchtlings-Sexmob war frei erfunden

Frankfurt - 900 alkoholisierte Flüchtlinge sollen in der Silvesternacht in Frankfurt randaliert und Frauen drangsaliert haben, hatte die Bild berichtet. Die Aufregung war groß. Doch es waren Fake News.

In einem Artikel der Bild-Zeitung hatten sich nach Angaben der Polizei in Frankfurt am Main eine angebliche Betroffene und mehrere angebliche Zeugen zu Wort gemeldet und über "sexuelle Übergriffe, Körperverletzungen, Diebstähle sowie äußerst aggressives Verhalten von Massen an Flüchtlingen" berichtet. Daraufhin habe die Polizei "umgehend von Amts wegen intensive und umfangreiche Ermittlungen" eingeleitet.

Das Ergebnis: Den „Sex–Mob in der Freßgass“, so lautete die Schlagzeile damals, hat es nie gegeben, Fake News also. In einer ausführlichen Mitteilung  zerpflückte die Polizei den Pressebericht. Zum Jahreswechsel habe es in der Kalbächer Gasse - der sogenannten Freßgass - in der Frankfurter Innenstadt, "keine massiven mobartigen Übergriffe durch Massen an Flüchtlingen" gegeben, erklärten die Beamten am Dienstag. "Die in den Raum gestellten Vorwürfe" seien haltlos und ohne jede Grundlage.

"Die Überprüfungen sämtlicher Notrufe und Einsatzprotokolle der Nacht ergaben keine Hinweise auf die im Raum stehenden Straftaten und den angeblichen Mob in der Silvesternacht in der Freßgass", erklärte die Polizei nun. Zudem seien bis zuletzt keine weiteren Straftaten angezeigt worden.

"Die Vernehmungen der genannten Zeugen, Gäste und Mitarbeiter ergaben erhebliche Zweifel an den dargestellten Schilderungen", hieß es weiter. "Eine von den Handlungen angeblich betroffene Person" sei "zum Tatzeitpunkt nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gar nicht in der Stadt" gewesen.

Vortäuschen einer Straftat

Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse drehten die Ermittler den Spieß nun um. "Die Vorwürfe sind so haltlos, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt nunmehr wegen der sich ergebenden Verdachtslage ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet hat", erklärte die Polizei.

Die Bild bestätigte den Inhalt des Polizeiberichtes und entschuldigte sich „mit Bedauern“ bei ihren Lesern „ausdrücklich für die nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung und die erhobenen Anschuldigungen gegen die Betroffenen.“ Die Berichterstattung entspräche in keiner Weise den journalistischen Standards, so das Blatt. Man wolle „intern klären, wie es dazu kommen konnte“.

Wie Sie Fake News im Netz erkennen können, lesen Sie hier.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / Susann Prauts

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