Verdacht auf „mutwillige Gewalt“ mit Todesfolge

Französische Polizei erschießt 22-Jährigen in Nantes: Proteste werden weniger 

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Ein Feuerwehrmann löscht einen angezündeten Lastwagen auf einer Straße. Aus Protest gegen tödliche Polizeischüsse auf einen Autofahrer bei einer Verkehrskontrolle ist es in der französischen Stadt Nantes zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.

Nach dem tödlichen Schuss auf einen 22-Jährigen im französischen Nantes hat der verantwortliche Polizist Falschangaben eingeräumt. Bei dem Schuss soll es sich um einen „Unfall“ gehandelt haben. 

Update vom 8. Juli 2018, 10 Uhr:

Nach vier Nächten in Folge mit heftigen Ausschreitungen hat sich die Lage in der westfranzösischen Stadt Nantes weitgehend beruhigt. Nach Polizeiangaben brannten in der Nacht zu Sonntag 18 Autos und ein Gerät auf einer Baustelle, es gab jedoch keine gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und den Sicherheitskräften. Zuvor war es nach dem tödlichen Polizeischuss auf einen 22-Jährigen am Dienstag zu heftigen Krawallen in mehreren Stadtteilen von Nantes gekommen.

In der Nacht zu Samstag hatten sich mit Brandsätzen bewaffnete Jugendliche Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. 35 Autos und mehrere Mülleimer brannten. Auch an einem Haus mit Sozialwohnungen wurde Feuer gelegt. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor.

Auslöser für die Krawalle war der tödliche Polizeischuss auf einen 22-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle am Dienstagabend.

Lesen Sie hier die Meldung vom 6. Juli

Nantes - Nach dem tödlichen Schuss auf einen 22-Jährigen im französischen Nantes hat der verantwortliche Polizist Falschangaben eingeräumt. Sein Anwalt sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, der Beamte habe anders als bisher dargestellt nicht in Notwehr gehandelt. Bei dem Schuss habe es sich um einen "Unfall" gehandelt. Nach dem Tod des jungen Mannes kam es in der Stadt die dritte Nacht in Folge zu Krawallen.

Der Verdacht lautet „mutwillige Gewalt“ mit Todesfolge

Ein Untersuchungsrichter ordnete am Freitagabend die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Polizisten an. Der Verdacht laute auf "mutwillige Gewalt" mit Todesfolge. Der Polizist wurde zudem unter gerichtliche Aufsicht gestellt.

Zuvor hatte der Verteidiger des Beamten Falschangaben seines Mandanten eingeräumt: "Er hat zugegeben, Angaben gemacht zu haben, die nicht der Wahrheit entsprechen." Gegenüber Generalinspekteuren der nationalen Polizei habe er nun angeführt, bei dem Schuss habe es sich um einen "Unfall" gehandelt.

Bisher hieß es, er habe in Notwehr auf den jungen Mann geschossen, nachdem dieser mit seinem Auto einen Kollegen bei einer Verkehrskontrolle angefahren habe. Wegen Zweifeln an der Darstellung des Schützen ist dieser bereits seit Donnerstag in Polizeigewahrsam.

Wegen des Vorfalls kam es erneut zu Ausschreitungen. Mehr als 50 Autos brannten nieder, darunter auch das von Bürgermeisterin Johanna Rolland. Zudem zündeten die Unruhestifter Schulen und andere öffentliche Gebäude an. In dem Ort Garges-lès-Gonesse nördlich von Paris, woher der Tote stammt, wurden Mülleimer angezündet und ein Polizeiauto angegriffen.

Demonstranten fordern Gerechtigkeit

Rund tausend Demonstranten forderten in Nantes "Gerechtigkeit" für den 22-Jährigen und die "Wahrheit" über die Umstände seines Todes. Die Regierung hatte zuvor eine lückenlose Aufklärung zugesagt. Der junge Mann, der von örtlichen Medien als Aboubakar F. identifiziert wurde, war der Polizei wegen "bandenmäßigen Diebstahls" bekannt.

Frankreichs Polizei gilt wegen der Anschlagsserie mit mehr als 240 Toten seit Januar 2015 als notorisch überlastet. Zudem sehen sich viele Polizisten zunehmenden Attacken in Vorstädten ausgesetzt. Bewohner der Banlieues werfen den Beamten ihrerseits brutale Methoden und einen übertriebenen Schusswaffengebrauch vor.

afp

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