Frau von Ferieninsel in Kenia entführt

Nairobi - Zehn schwer bewaffnete somalische Kämpfer haben im Schutz der Nacht eine ältere Frau von einer nordkenianischen Ferieninsel entführt.

Nach Angaben von Einwohnern der Ortschaft Lamu wurde die ältere Frau in der Nacht zum Samstag von der nahe gelegenen Insel Manda verschleppt. Gegen 03.00 Uhr waren demnach Schüsse zu hören.

Die Französin besitze ein Haus auf der Insel und verbringe dort etwa sechs Monate pro Jahr, sagte der Anwohner Muhidin Athman. Sie sei sehr alt und nutze in der Regel einen Rollstuhl. Erst Anfang September war in der Nähe von Lamu ein Brite von Piraten erschossen worden. Dessen Frau wurde aus einer Touristenanlage entführt.

Die kenianische Regierung machte allerdings Extremisten der somalischen Al-Shabab-Miliz für den Überfall verantwortlich. “Die Sicherheitskräfte sind sofort in Aktion getreten und verfolgten die Entführer während sie in ihrem Schnellboot nach Norden flüchteten“, in Richtung der somalischen Stadt Ras Komboni, dem Heimathafen der Entführer, teilte die kenianische Regierung mit. “Bei der folgenden Schießerei zwischen den Entführern und der kenianischen Marine wurden mehrere der Entführer verletzt“, hieß es weiter. Trotzdem hätten sie Ras Komboni erreicht.

“Unsere ganze Sorge gilt der Sicherheit der Dame“

Einmal sei zwei kenianischen Booten während der Verfolgungsjagd gelungen, das Fahrzeug mit den Entführern und der Frau an Bord einzukreisen, sagte Kenias Tourismusminister Najib Balala. Ein Flugzeug habe die Situation aus der Luft überwacht. “Unsere ganze Sorge gilt der Sicherheit der Dame“, sagte er. Seinen Angaben zufolge ist die Entführte über 70 Jahre alt, französischen Angaben zufolge unter 70. Der Polizeichef der Region sagte, er habe Informationen, dass sich die Franzosen an der Jagd beteiligen würden. Er sei zuversichtlich, dass die Frau bald befreit werden könne.

Das französische Außenministerium teilte mit, man arbeite mit den kenianischen Behörden zusammen, “die bedeutende Kräfte zur See und in der Luft mobilisiert haben, um unsere Landsfrau zu befreien.“ Darüber hinaus riet das Außenministerium allen französischen Reisenden von Besuchen der Gegend um Lamu dringend ab.

Erster Verdacht fiel auf Piraten

Bevor die Regierung Al-Shabab für die Entführung verantwortlich machte, verdächtigten die Behörden vor Ort Piraten. Sollten es tatsächlich Piraten gewesen sein, wäre dies bereits ihr zweiter Überfall auf Touristen. Das könnte der Tourismusbranche in der Region schweren Schaden zufügen.

Bis vor einigen Jahren hatten sich die Piraten auf die Entführung größerer Schiffe beschränkt. Zuletzt griffen sie jedoch immer wieder auch private Segler an und erpressten hohe Lösegelder. Angesichts der deutlich ausgebauten militärischen Sicherung der internationalen Handelsschifffahrt suchen die Piraten nun möglicherweise nach alternativen Zielen.

Unter anderem wurde ein britisches Paar von Piraten entführt und über ein Jahr gefangen gehalten. “Es geht um den Profit. So weit wir wissen bezahlte das britische Paar ein riesiges Lösegeld. Deshalb sind diese Ziele manchmal ein großer Gewinn, der mehr abwirft als Schiffe“, sagte ein Mann, der sich als Piratenkapitän Bile Hussein ausgab der Nachrichtenagentur AP in der vergangenen Woche.

dapd

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.