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Frauen schreiben ihre E-Mails jetzt nicht mehr höflich, sondern „wie Männer“

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Von: Luis Teschner

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Frauen auf TikTok wollen nicht mehr unnötig lange und höfliche E-Mails formulieren. Stattdessen schreiben sie jetzt so, wie sie es von Männern gewohnt sind.

Kassel - Wer kennt es nicht? E-Mails, die eigentlich nur eine einzige relevante Information beinhalten, ziehen sich über Zeilen und man findet vor lauter Floskeln den eigentlichen Inhalt nicht. Oder die Kehrseite: Man versucht, einen höflichen Umgang miteinander zu pflegen und erhält dann als Antwort ein liebloses „Okay. -von meinem iPhone gesendet“.

Zwischen diesen beiden Extremen findet sich ein aktueller Trend auf TikTok, bei dem Frauen ihre E-Mails so kürzen und umformulieren, dass sie so klingen, als wären sie von einem Mann geschrieben worden.

Links schreibt eine Frau eine Mail, rechts ist diese Mail zu sehen.
TikTok-Trend: Frauen schreiben ihre E-Mails jetzt nicht mehr nett, sondern wie Männer © Screenshot: TikTok/kristel99999/meggy.sfr

TikTok-Trend: Frauen schreiben E-Mails jetzt so kurz wie Männer

Für alle, die sich nicht vorstellen können, was in einer E-Mail wegfallen muss, damit sie „männlich“ klingt, hier ein Beispiel, gepostet von @meggy.sfr.

Die ursprüngliche E-Mail: „Hallo Frank, kannst du mir bei Gelegenheit die Rechnungsnummer für den April schicken. Vielen Dank! Liebe Grüße und guten Start in die Woche. Meggy“

Die E-Mail nach der Vermännlichung: „Hallo Frank, sende mir Rechnungsnummer für den April. Jetzt! Meggy“

Andere Nutzerinnen gehen sogar noch einen Schritt weiter und löschen weitere Höflichkeitsfloskeln wie „Hallo“ oder verwandeln „Melden Sie sich bei Rückfragen gerne“ in „Melden Sie sich bei Rückfragen nicht“. Nicht nur männliches Verhalten, sondern gar einen traditionellen Männerberuf hat diese 21-Jährige ergriffen.

TikTok-Trend: Nutzerinnen tauschen sich in den Kommentaren aus

Wie für TikTok-Trends üblich, laufen alle Videos zum gleichen Song ab – in diesem Fall ein Ausschnitt aus „All Things Go“ von Girlboss-Ikone Nicki Minaj. So finden sich schnell Nutzer und Nutzerinnen zusammen, die das Thema verfolgen und sich in den Kommentaren austauschen. Eine schreibt: „Letztens hat mein Chef mir auf meine Mail mit ‚Ja.‘ geantwortet“. Eine andere fügt hinzu: „Also ich habe das Gefühl, nicht gut genug in meinem Beruf zu sein, um unfreundlich sein zu dürfen.“ Zahlreiche Kommentare gibt es auf TikTok auch zu diesen Karikaturen aus Hawaii.

Der feminine Drang, Ausrufezeichen in E-Mails zu benutzen, damit man freundlich klingt.

@notnotkimkardashian

Trend zu „Männer-E-Mails“ zeigt Frustration von Frauen in Berufsleben auf

Allen Beteiligten ist klar, dass „Männer-E-Mails“ vor allem ein sarkastischer Kommentar auf die Berufswelt sind, in der Frauen sich oft dazu gedrängt fühlen, freundlich zu sein, weil sie sonst als zickig oder hormongesteuert abgestempelt werden. Oder, wie es @notnotkimkardashian kommentiert: „Der feminine Drang, Ausrufezeichen in E-Mails zu benutzen, damit man freundlich klingt.“ Gegenüber stehen ihnen aber oft Männer, die keine Zeit und keine Lust zu Höflichkeit haben und direkt und kurz angebunden mit ihren Kolleginnen umgehen. Dieses Ungleichgewicht fühlt sich für viele Frauen unfair an.

An der Anzahl an Videos und Kommentaren zu dem Trend zeigt sich, wie viele bereits Ähnliches erlebt und dazu etwas zu sagen haben. Bleibt nur die Frage, welche der Nutzerinnen ihre E-Mails danach tatsächlich so abgeschickt haben. (lute)

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