Frei nach 39 Jahren: Amerikaner saß unschuldig in Haft

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Ricky Jackson war 18, als er zu Unrecht wegen Mordes ins Gefängnis geschickt wurde. Fast 40 Jahre später ist er endlich frei - und vergibt dem falschen Anschuldiger von damals. Foto: Aaron Lambert/Symbol

Cleveland (dpa) - Fast 40 Jahre saßen zwei Amerikaner unschuldig im Gefängnis, weil ein Kind damals bei seiner Aussage gelogen hatte. Nun hat der damalige Belastungszeuge - heute ein 52-jähriger Mann - seine Angaben widerrufen, und die beiden Männer sind frei.

Sie wurden am Freitag in Cleveland (Ohio) aus dem Gefängnis entlassen. "Endlich, endlich", sagte Ricky Jackson (57) nach Angaben der Zeitung "The Plain Dealer", als er das Justizzentrum in Cleveland verließ und in die Arme seines Anwalts sank. Der Wortschatz der englischen Sprache reiche nicht aus um auszudrücken, wie er sich fühle. Jackson hatte sogar auch freundliche Worte für seinen einstigen Anschuldiger parat. Er wünsche ihm das Beste, sagte er. "Ich hasse ihn nicht... Er ist heute ein erwachsener Mann, damals war er nur ein Junge... Es hat eine Menge Mut erfordert, das zu tun, was er (jetzt) getan hat."

Jackson und der inzwischen 60 Jahre alte Wiley Bridgeman waren zusammen mit einem angeblichen dritten Komplizen 1975 wegen Mordes an einem Geschäftsmann zum Tode verurteilt worden. Die Strafe wurde dann aus verfassungsrechtlichen Gründen in lebenslange Haft umgewandelt. Der dritte Verurteilte kam 2003 wegen eines Verfahrensfehlers frei.

Jackson saß im Gefängnis, seit er 18 Jahre alt war. Dem "Plain Dealer" zufolge ist er mit seiner langen Haftzeit Rekordhalter unter allen US-Gefangenen, die bisher zu Unrecht hinter Gitter geschickt und freigelassen wurden, nachdem sich ihre Unschuld herausgestellt hatte.

Der damals 12-jährige Belastungszeuge hatte seinerzeit angegeben, die drei Täter gesehen zu haben. Dass dies eine Lüge war, gestand er der Zeitung zufolge erstmals 2013 einem Geistlichen, der ihn im Krankenhaus besuchte. Danach entschloss er sich, die Behörden zu informieren.

Bei einer gerichtlichen Anhörung am vergangenen Dienstag habe er dann öffentlich unter Tränen beschrieben, dass er damals gar nicht in der Nähe des Tatorts gewesen sei. Er habe der Polizei helfen wollen und deshalb seine Angaben erfunden. Später hätten ihn Ermittlungsbeamte mit belastenden Informationen gefüttert und ihm damit gedroht, dass sie seine Eltern ins Gefängnis stecken würden.

Mit einer Anklage wegen der so lange aufrecht erhaltenen Falschaussage muss der Mann laut Medienberichten nicht rechnen - wegen des enormen Drucks, unter dem er anscheinend stand.

The Plain Dealer

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