Fremdschämen deluxe: "Schwiegertochter gesucht“ ist ein Publikums-Renner

Lustiger Leierkastenmann: Christian aus dem Berliner Umland geht in „Schwiegertochter gesucht“ auf Brautschau. Foto: rtl

Berlin. Schlaksige Statur, die wenigen Haare fettig und quer über den Kopf gelegt. Dazu eine Stimme, bei der schon das Sprechen unnatürlich klingt.

Wenn dann auch noch zwei holde Damen im Bett auf ihr Frühstück warten und der Servierer mit Tablett in der Hand „Guten Morgen Sonnenschein“ anstimmt, spätestens dann dreht man sich gequält vom Fernseher weg, hält die Hand vor die Augen und möchte am liebsten umschalten. Dann ist man angekommen bei RTL. Dann ist man mittendrin in der neuen Staffel von „Schwiegertochter gesucht“.

Immer wieder sonntags, um 19.05 Uhr, kommt die Vera. Im Gepäck hat sie den Marco, den Andreas, den Maik, den Markus, den Christian, den Andy, den Michele und den Sven. Alles junge Männer im „heiratsfähigen Alter“. Alle auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens. Und weil es Kuppel-Shows schon zur Genüge gibt und der Titel ja zur Sendung passen muss, helfen die potenziellen Schwiegermütter bei der Suche gleich mit.

Vera Int-Veen lädt die Zuschauer auf eine jeweils 45-minütige Reise zu den Niederungen der menschlichen Psyche ein. Immer wieder bringt sie Menschen ans Limit. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Autoren hinter der Dokusoap. Denn wie bei ähnlichen Formaten wie „Bauer sucht Frau“ und „Deutschland sucht den Superstar“ wird tief in die Trickkiste rhetorischer Stilmittel gegriffen: Alliterationen („der lustige Leierkastenmann“), Personifikationen („Christian hat sein Herz gefragt“), Periphrasen („während die Zweibeiner spazieren gehen“), Allegorien („ein Traum ist geplatzt“) und jede Menge Floskeln ziehen sich durch jede Sendung.

Gainsbourg säuselt im Takt

Dann noch die passende Untermalung mit Musik („tief getroffen packt der Pet-Shop-Boys-Fan seine Sachen“) und hin und wieder „Love and Marriage“ von Frank Sinatra, „Je t’aime“ von Serge Gainsbourg und Jane Birkin oder die Titelmelodie aus „Forrest Gump“ - fertig ist die So-was-wollen-wir-eigentlich-nicht-sehen-aber-am-Ende-gucken-wir-es-doch-Show.

4,98 Millionen Zuschauer verfolgten am vergangenen Sonntag, wie Christian, der Leierkastenmann, seiner Almut den Laufpass gab und anschließend mit der Kenianerin Joan Jagd auf als Tiere verkleidete Menschen vor dem Brandenburger Tor machte. Fast fünf Millionen Zuschauer waren dabei, als „der schüchterne Bäcker Andy“ mit seinen zwei Damen auf Draisinen-Tour ging. Denn wie bei „Bauer sucht Frau“ haben die acht Kandidaten auch bei dieser Sendung zunächst die Qual der Wahl.

Je zwei Frauen durften die Singles einladen, um nach einem ersten Kennenlernen gemeinsam mit den potenziellen Schwiegermüttern ein Urteil zu fällen. Wer bleibt und wer geht? Am Sonntag gibt es die Auflösung.

Von Jörgen Camrath

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