Fristlose Kündigung: Vier Kassiererinnen verlieren Job wegen Kaffeekasse

Worms - Ein Freizeitbad in Worms kündigte vier Kassiererinnen wegen 34 Euro und zwei Cent Trinkgeld in einer Kaffeekasse. Der Grund: Es würde sich dabei um eine illegale Schwarzgeldkasse handeln.

Das Freizeitbad der Stadt Worms hat laut einem Bericht von “Spiegel Online“ vier Kassiererinnen wegen einer Trinkgeldkasse entlassen.

Wie das Magazin am Mittwoch berichtete, hatten die vier Frauen für eine Kaffeekasse insgesamt 34 Euro und zwei Cent gesammelt. Die städtischen Wormser Freizeitbetriebe sahen darin eine illegale Schwarzgeldkasse und kündigten den Kassiererinnen fristlos, wie es hieß.

Während die Staatsanwaltschaft gegen die Frauen ermittelt, ist die Gewerkschaft von deren Unschuld überzeugt. Laut dem Bericht sind die Frauen zwischen 49 und 55 Jahre alt.

Sie seien teils schon seit 25 Jahren im Wormser Schwimmbad beschäftigt und unter normalen Umständen unkündbar, hieß es. Nach Ansicht der Frauen hätten die Freizeitbetriebe nach einem Vorwand gesucht, um sie loszuwerden.

Die verrücktesten Fälle vor dem Arbeitsgericht

Die verrücktesten Ausreden vor dem Arbeitsgericht
Das Gericht fand auch, dass man über Geschmack nicht streiten kann. Jedenfalls kam der Arbeitgeber des Kochs mit seiner Kündigung nicht durch. Für eine Entlassung seien die Gründe zu gering gewesen. © dpa
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Dieses Argument ließ das Gericht nicht gelten. Wer einen Vertrag unterschreibt, muss dafür sorgen, dass er ihn lesen kann, meinten die Richter. © dpa
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Das Gericht erklärte die Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs für ungültig. Allerdings nur aus formalen Gründen. Die Klägerin hätte vorher abgemahnt werden müssen. © dpa
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Dem stimmte das Gericht zu und kassierte die Kündigung ein. Begründung: Laut ärztlichem Gutachten trug der Sport nicht zur Verschlechterung der Beschwerden bei. © dpa
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Der Mann bekam recht! Begründung: Wer nach jahrelanger einwandfreier Arbeit mal auf der Arbeit einschläft, darf nicht gleich entlassen werden. © dpa
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Diese Argumentation akzeptierte das Gericht nicht. Nach Ansicht der Richter reicht eine Kopie der Kündigung, wenn der Arbeitnehmer diese gesehen und unterschrieben hat. © dpa
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Das Gericht gab dem Mann recht und hob die Kündigung wegen Arbeitsverweigerung auf. Begründung: Er darf tätigkeitsfremde Arbeiten, wie den Kollegen Essen zu holen, ablehnen. © dpa
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Tricksen bringt nichts, fand das Gericht. Wer dem Chef absichtlich eine falsche Adresse nennt, schießt ein Eigentor. Die Kündigung gilt trotzdem als fristgerecht zugestellt. © dpa
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Schmerzensgeld gibt es nur, wenn man dem Arbeitgeber vorsätzliches Handeln nachweisen kann, befand das Gericht. Das gelang in diesem Fall nicht. © dpa
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Mehr kuriose und verrückte Ausreden - nicht nur vor dem Arbeitsgericht - finden Sie im Buch "Als ich auf die Bremse treten wollte, war sie nicht da." von Autor Matthias Müller-Michaelis, erschienen im Ullstein Verlag, ISBN 3548369146. © Verlag

Die Stadt Worms war am Mittwochnachmittag zu einer Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Wie die Staatsanwaltschaft Mainz bestätigte, wird gegen die vier Kassiererinnen inzwischen wegen Betrug und Untreue ermittelt.

Eine entsprechende Anzeige sei am 5. Oktober des vergangenen Jahres eingegangen. Die Gewerkschaft ver.di stellte sich hinter die Beschuldigten. “Wir sind überzeugt, dass sie zu Unrecht beschuldigt werden“, sagte Gewerkschaftssprecher Jürgen Dehnert der Nachrichtenagentur AP.

Nach Dehnerts Worten wird am 2. Februar über den Fall der vier Kassiererinnen vor dem Mainzer Arbeitsgericht verhandelt. Sollte sich dabei erweisen, dass die Frauen sich nichts zu schulden kommen ließen, müssten sie wieder eingestellt werden.

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Brot
Der erste Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht über eine Kündigung wegen eines Bagatelldiebstahl entschieden hat, führte zum „Bienenstich-Urteil“ von 1984. Eine Verkäuferin hatte einen Bienenstich verzehrt aber nicht bezahlt. Sie erhielt eine fristlose Kündigung. Das „Bienenstich-Urteil" gehört heute zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers. © dpa
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Oktober 2009: Weil sie für Gäste und den Chef bestimmte Brötchen selbst gegessen haben, müssen zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen um ihren Job kämpfen. Ein erster Gütetermin der einen Frau vor dem Arbeitsgericht Dortmund bleibt ohne Ergebnis. © Fotos und Texte: dpa
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Zudem fordere ver.di für diesen Fall personelle Konsequenzen bei den Verantwortlichen der Stadt Worms. Der Wormser Bürgermeister Georg Büttler hatte sich am 19. Januar per Presseerklärung an die Öffentlichkeit gewandt.

Darin warf er den Kassiererinnen vor, neben der Unterhaltung einer schwarzen Kasse auch Fundsachen von Schwimmbadgästen unterschlagen zu haben. So seien aus dem Tresor des Freizeitbades Geldbörsen, Schmuck, Uhren und Handys verschwunden.

Die vier Kassiererinnen hätten den Schlüssel zu dem Tresor in Verwahrung gehabt. Der Diebstahl von Wertgegenständen könne nicht als Bagatelle abgetan werden, erklärte Büttler. Daher sei es nicht vertretbar, die Angelegenheit lediglich mit einer Abmahnung der vier Frauen abzuschließen.

ap

Rubriklistenbild: © dpa

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