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Warum so viele junge Menschen bei der Führerschein-Prüfung durchfallen

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Von: Stella Henrich

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Immer häufiger scheitern Fahrschüler an der Führerschein-Prüfung. Sie verlieren zunehmend das Gefühl für den Straßenverkehr, bemängeln Fahrlehrer. Woran liegt das?

München ‒ Auf den ersten Blick will man einen solchen Satz kaum glauben. Die „natürliche Affinität zum Verkehrsgeschehen“ sinke bei Jugendlichen. Zu diesem Ergebnis kommt der Fahrlehrerverband in NRW. Die jungen Menschen hätten heutzutage eine ganz andere Wahrnehmung als noch vor 20 Jahren, sagt Kurt Bartels, Chef des Verbands, in der Welt.

Die Jugend gucke eben inzwischen mehr auf das Handy als auf den Straßenverkehr zu achten. Das führe in Großstädten mit viel Verkehr zu einer gestiegenen Durchfallerquote bei der Führerscheinprüfung. Soweit Verbandschef und der Fahrlehrer Kurt Bartels, wie merkur.de berichtet.

Es stimmt zwar, dass die Quote weiter steigt. Seit Jahren bereits fallen immer mehr Fahrschüler bei der Prüfung durch. Der Anteil nicht bestandener Theorieprüfungen ist nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) von 29 Prozent im Jahr 2013 auf 37 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Bei den praktischen Prüfungen für die Pkw-Klasse B ist die Durchfallerquote von 37 Prozent 2013 auf 43 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Allerdings seien die Gründe dafür vielschichtig, so die Meinung des TÜV-Verbands. Zum einen kämen die Fahrschüler schlecht vorbereitet zur Prüfung, zum anderen werde der Straßenverkehr immer komplexer, erläutert Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV, die Gründe gegenüber dem Verkehrsclub ADAC. Dazu komme noch, dass die Verkehrserziehung in Schulen nach der vierten Klasse ende, was der Verbandschef für einen Fehler hält.

Amtliche Prüfungsfragen für die Fahrschule Amtliche Prüfungsfragen für die Fahrschule, 27.09.2022, Borkwalde, Brandenbu
Hätten Sie es gewusst? Auch Verkehrszeichen gehören zur amtlichen Fahrprüfung. (Symbolbild) © Sascha Steinach/imago

Immer mehr Durchfaller bei der Führerscheinprüfung: Eltern überreden ihre Kinder, sich bei der Fahrschule anzumelden

Auch Fahrlehrer Rolf Wernicke aus Hessen kennt das Problem mit dem Handy. Er sagt seinen Schülern als Erstes, das Handy in der Tasche zu lassen und auf den Straßenverkehr zu achten. Seiner Meinung nach hat Autofahren auch nicht mehr den Stellenwert wie vor 30 Jahren. Eltern überredeten ihre Kinder häufig dazu, sich bei der Fahrschule anzumelden, so Wernicke in der Welt. Beim Lernen seien die Jugendlichen dann entsprechend unmotiviert.

Auch Wernicke stellt bei seinen Fahrschülern einen geringeren Bezug zum Straßenverkehr fest. „Viele kennen die Verkehrsregeln in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld nicht, etwa die Geschwindigkeitsbegrenzung in ihrer Straße“, kritisiert Wernicke.

Wenn du in den Jahren vor der Fahrschule wenig Gefühl für den Straßenverkehr entwickelt hast, dann bist du hinter dem Steuer zunächst natürlich überfordert.

Fahrlehrer Rolf Wernicke in der Welt

Immer mehr Durchfaller bei der Führerscheinprüfung: Verkehrspsychologe erklärt das Problem tiefgehender

Dabei könnte man glauben, wer viel am Handy oder der Spielkonsole sitzt, hat ein ausgereiftes Reaktionsvermögen und fällt erst recht nicht durch mangelndes Gefühl im Straßenverkehr auf. Ob City Car Driving, Euro Truck Simulatior oder Assetto Corsa - die drei Spiele ermöglichen es Schülern und Fahranfängern, Wissen über den Verkehr, wie ein Auto gesteuert wird bis hin zu den Regeln des Straßenverkehrs anhand alltäglicher Verkehrssituationen am Bildschirm zu erlernen.

Fahrschüler müssen heutzutage mit Kosten bis zu 4000 Euro für einen Führerschein rechnen. Jede Menge Geld, das kein junger Mensch einfach so auf der hohen Kante haben dürfte. Um so mehr verwundert wohl, dass sich die jungen Fahrschüler nicht gut genug auf die Prüfung vorbereiten. Für Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier ist das Problem offensichtlich tiefgehender. Seiner Erfahrung nach gibt es bei Jugendlichen eine weniger ausgeprägte „Fähigkeit zur selektiven Verkehrskompetenz“. Das heißt, sie erkennen die richtige und notwendige Information in einer Verkehrssituation verzögert. Außerdem hätten psychomotorische Fähigkeiten bei den Fahrschülern nachgelassen, so Fastenmeier in der Welt. Es brauche aber ein Situationsbewusstsein für sich und andere - so etwas wie einen vorausschauenden Blick.

Immer mehr Durchfaller bei der Führerscheinprüfung:

Trotz dieser Warnsignale und hoher Kosten für den Lappen, die Zahl durchgeführter praktischer Fahrprüfungen ist in Deutschland in den ersten drei Quartalen 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut TÜV um 14 Prozent auf 1,31 Millionen gestiegen. Insgesamt besitzen damit rund 58 Millionen Menschen hierzulande eine Fahrerlaubnis.

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