ZDF-Mann kommentiert WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien

Immer der Buhmann: Fußball-Kommentator Béla Réthy ist viel besser als seine Kritiker

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Seit 1986 bei Fußball-Weltmeisterschaften im Einsatz: Sportjournalist Béla Réthy. 

Kein anderer Fußball-Kommentator wird seit Jahren so heftig kritisiert wie Béla Réthy. Das wird auch beim WM-Finale so sein. Dabei ist der ZDF-Mann einer der Besten. Eine Verteidigung.

Béla Réthy ist wahrscheinlich gerade der meistgehasste Mensch Deutschlands - noch vor Horst Seehofer und allen, die das Böse symbolisieren. Der ZDF-Sportreporter kommentiert an diesem Sonntag das WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien. Schon seit Beginn der Weltmeisterschaft in Russland weisen Fußball-Fans darauf hin, dass es kein schlimmeres Schicksal gibt, als dem 61-Jährigen zuhören zu müssen.

Bei Facebook und Twitter stehen Bekenntnisse wie dieses: "Ich lass immer auf einem zweiten Fernseher eine Dauerwerbesendung laufen, wenn Béla kommentiert. Selbst wenn es um Pfannen und Töpfe geht - es passt fast immer besser zum Spiel." Die Facebook-Seite "Béla Réthy gefällt mir nicht" hat mehr als 12.000 Fans. Und bei Tumblr sammelt ein ZDF-Zuschauer die besten Sprüche des Kommentators, denn: "Ich leide unter Béla Réthy."

Béla Réthy doof zu finden, ist der Lieblingssport der Deutschen - noch vor Fußball. Man schimpft auf den 61-Jährigen, wie man auf die Bahn schimpft (obwohl die pünktlicher ist als alle Autos, die im Stau stehen) oder wie man das Wetter als schlecht abtut (das diesen Sommer so schön ist wie ein Konter der belgischen Nationalmannschaft).

In Wirklichkeit ist Béla Réthy einer der besten Fußball-Kommentatoren Deutschlands. Mit seiner dunklen Raucherstimme nuschelt der Wiesbadener Sätze voller poetischer Schönheit ins Mikro. Der Blogger und ehemalige HNA-Volontär Jörgen Camrath, der mittlerweile die Social-Media-Redaktion von Welt.de leitet, hat Réthys Sätze aus dem Champions-League-Finale 2013 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund einst abgetippt und veröffentlicht. Es war ein kleines Kunstwerk.

Der gebürtige Wiener, der mit seinen ungarischen Eltern elf Jahre seiner Kindheit in Brasilien verbrachte, ist ein Meister der Reduktion. Ein Satz wie "Özil, Müller, Draxler, Özil, Kroos - vorbei!" sagt mehr als das ganze streberhafte Statistik-Einerlei, mit dem sein ZDF-Kollege Oliver Schmitt glänzen will. Und gegenüber der Dauerekstase von Steffen Simon in der ARD ist Réthys Ruhe eine Wohltat.

Als Deutschland im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien 7:1 gewann, sagte er fast nichts. Es war die einzig logische Möglichkeit, dem historischen Spiel gerecht zu werden. Natürlich wurde er auch dafür kritisiert. Réthy macht Fehler, wie alle Fehler machen, die etwas ins Mikro sagen oder überhaupt reden. Noch mehr Fehler machen nur seine Kritiker.

Zuletzt wurde dem Journalisten vorgeworfen, den Namen des französischen Mittelfeldspielers Dimitri Payet falsch auszusprechen. Réthy hatte ihn "Payett" genannt und nicht "Payee", wie viele es für richtig hielten. Doch Payet stammt aus La Réunion im Indischen Ozean, wo man eben "Payett" sagt. Réthy hatte recht, wie der Mann meistens recht hat, der Deutsch, Ungarisch, Portugiesisch, Englisch, Französisch und Spanisch spricht.

Seine erste WM absolvierte er bereits 1986, Live-Reporter ist er seit 1994. Seitdem wird er kritisiert und gehasst. Es muss nicht einfach sein, Béla Réthy zu sein. Doch er selbst gibt sich ganz cool. Er sagt nicht, dass ihm Kritik egal sei, aber von ihm stammen die bemerkenswerten Sätze: "Zu Kritik gehört ein ganzer Satz. Subjekt, Prädikat, Objekt - vielleicht auch eine Begründung. Irgendetwas, worauf man reagieren könnte. Nur Arschloch ist zu wenig."

Béla Réthys Kritiker haben es bald überstanden. 90, im schlimmsten Fall 120 Minuten plus Elfmeterschießen müssen sie ihn bei dieser WM noch ertragen. Allerdings werden sie ihn auch danach nicht los. Noch während des behäbigen Auftritts der deutschen Mannschaft gegen Südkorea, der das frühe WM-Aus bedeutete, sagte Réthy: "Das ist hier alles keine Zeitlupe, das sind reale Bilder." Dieser Satz wird in die deutschen Fußball-Geschichtsbücher eingehen - und damit auch der Name Béla Réthy.

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