So viele Babys wie zuletzt 1997

Geburten-Boom in Hessen: Spitzenreiter und Schlusslicht kommen aus der Region

So viele Neugeborene gab es in Hessen zuletzt vor fast 20 Jahren: Alle Kreise und kreisfreien Städte melden ein Plus bei den Geburten. Einzige Ausnahme ist der Schwalm-Eder-Kreis.

Mehr Geburten und weniger Tote: Dieser hessenweite Trend gilt für die allermeisten der 21 Kreise und 5 kreisfreien Städte. Über das höchste Baby-Plus kann sich der Landkreis Hersfeld-Rotenburg freuen. Altert die Bevölkerung jetzt langsamer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie stark ist der Baby-Boom?

Rund 60.700 Säuglinge kamen nach einer vorläufigen Erhebung 2016 in Hessen zur Welt. Das war im fünften Jahr in Folge ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2015 wurden rund 3800 Kinder oder 6,7 Prozent mehr geboren. Höher war die Zahl der Geburten zuletzt nur 1997 (mit 63.124 Babys). Einzige regionale Ausnahme: Im Schwalm-Eder-Kreis gab es einige wenige Geburten weniger als im Vorjahr.

Wo gibt es vor allem mehr Babys?

Die meisten Babys (8940) kamen in Frankfurt zur Welt, gefolgt von den Kreisen Main-Kinzig-Kreis (3910) und Offenbach (3550). Schlusslicht ist der Landkreis Werra-Meißner mit nur 750 Geburten.

Prozentual gesehen ist aber der Kreis Hersfeld-Rotenburg Spitzenreiter: Die Zahl der Geburten stieg um 14,3 Prozent auf 1130. Auf Platz zwei folgt der Rheingau-Taunus-Kreis mit 12,3 Prozent (auf 1560 Babys). Die Stadt Darmstadt liegt mit einem Plus von 10,5 (auf 1720 Geburten) auf Platz drei. In Kassel ist der Geburtenzuwachs fast ebenso hoch wie in Darmstadt (10,3 Prozent), die Zahl aller Neugeborenen mit 2120 aber höher.

Was sind die Gründe in Hersfeld-Rotenburg?

Ein Krankenhaus in Alsfeld im benachbarten Vogelsbergkreis sei geschlossen worden und dies möglicherweise ein Grund für das starke Geburten-Plus, heißt es im Landratsamt. Der Zuzug von Flüchtlingen könne ein anderer sein, vermutet der Sprecher.

Was tut Schlusslicht Werra-Meißner?

Mit rund 750 Geburten ist der nordhessische Kreis zwar Schlusslicht, der prozentuale Anstieg gegenüber dem Vorjahr kann sich mit 9,9 Prozent aber sehen lassen. "Wir haben seit ungefähr drei Jahren wieder mehr Zuzüge als Wegzüge", sagt der Sprecher des Kreises, Jörg Klinge. Dafür tue der Kreis schon seit zehn Jahren viel. So wurden etwa Dorfläden wieder aufgebaut und ehrenamtliche Bürgerbusse eingesetzt. Der Kreis im Dreieck von Göttingen, Kassel und Eisenach sei zudem als preiswerter Wohnstandort für junge Familien attraktiv. Es gebe besonders viele Plätze für die Kinderbetreuung - auch schon für Kleinkinder -, und die Schulen gehörten zu den modernsten im Bundesland.

Gibt es überall weniger Tote als im Vorjahr?

Rund 64.100 Hessen sind 2016 landesweit gestorben, das waren 2500 oder 3,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der demografisch bedingte Bevölkerungsrückgang sank somit binnen Jahresfrist um 6345 auf gerundet 3300. Die Bandbreite des Rückgangs schwankt zwischen minus 0,6 Prozent im Kreis Kassel und minus 10,5 Prozent in Darmstadt. In der Stadt Offenbach, im Wetteraukreis und im Kreis Marburg-Biedenkopf stieg die Zahl der Todesfälle gegen den Trend ganz leicht.

Ist die Alterung der Gesellschaft gestoppt?

Nein, sagen Fachleute. "Die geburtenstarken Jahrgänge, also die Jahrgänge 1955 bis 1964, treten erst in den nächsten Jahren in das höhere Alter ein und tragen wesentlich zur Alterung der Bevölkerung bei", sagt Demografieforscher Prof. Andreas Klocke vom Frankfurter Forschungszentrum Demografischer Wandel.

Die Geburtenrate pro Frau liegt zudem in Deutschland bei 1,5. Sie müsse aber mindestens 2,1 betragen, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Klockes Kollege Sven Stadtmüller sagt, dennoch könnten die steigenden Geburtenzahlen und die Zuwanderung die Alterung und die Schrumpfung der Bevölkerung abschwächen.

Von Ira Schaible, dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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