Interview mit ESA-Experte Rainer Kresken

Interview mit ESA-Experte: „Gefahr am Ural war unvorhersehbar“

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Rettungskräfte bei der Arbeit: Wand und Dach einer Lagerhalle in der russischen Region Tscheljabinsk waren eingestürzt.

Kassel. Ein Meteorit am Morgen, ein Asteroid am Abend – über die Bedrohung aus dem Weltall sprachen wir mit dem Darmstädter ESA-Raumfahrtingenieur Rainer Kresken.

Herr Kresken, werden wir aus dem Weltall bedroht?

Rainer Kresken: Zwischen diesen beiden Ereignissen gibt es keinen Zusammenhang, das ist reiner Zufall.

Was ist der Unterschied zwischen einem Asteroid und einem Meteorit?

Kresken: Ein Asteroid ist ein Felsbrocken oder Metallklumpen, der die Sonne umkreist. Wenn er mit der Erde zusammenstößt oder herunterfällt, spricht man von Meteorit.

Was passierte am Ural?

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Kresken: So wie es aussieht, hat eine Druckwelle die meisten Verletzungen verursacht. Sie müssen sich vorstellen, dass das Objekt mit einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Sekunde unterwegs ist. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Menschen direkt von dem Objekt oder Trümmerteilen getroffen wurden.

Hat es das schon gegeben?

Kresken: Im Mittelalter soll ein italienischer Mönch von einem Meteoriten getötet worden sein, belegt ist das nicht.

Wie groß war der Meteorit in Russland und warum hat man die Gefahr nicht erkannt?

Kresken: Über die Größe wissen wir nichts Genaues, vielleicht ein oder zwei Meter Durchmesser. Die Gefahr so kleiner Objekte ist praktisch unvorhersehbar. Es wäre ein unglaubliches Glück gewesen, wenn man es vorher erkannt hätte.

Was hätte man dann tun können?

Rainer Kresken (50) ist Raumfahrtingenieur bei der Europäischen Raumfahrt-Agentur (ESA) in Darmstadt. Er studierte in Aachen Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete an der Sternwarte Aachen. Kresken ist Mitglied der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim.

Kresken: Das hängt von der Vorlaufzeit ab. Für ein Objekt dieser Größenordnung hätte man sicher keine Raumfahrtmission gestartet, sondern die Gegend evakuiert. Bei einem Asteroiden wie dem „2012DA14“ hätte man sich schon Gedanken gemacht über eine Mission. In der Wüste von Arizona gibt es einen ein- bis zwei Kilometer großen Krater, der durch den Einschlag eines so großen Meteoriten entstanden ist vor zigtausend Jahren.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns in Kassel oder Darmstadt ein Meteorit trifft?

Kresken: Das kann passieren, so ein Objekt schlägt etwa einmal im Jahr auf, meist über dem Meer, das ja gut drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt.

Den Asteroiden hat man im Februar 2012 entdeckt, hätte die Zeit gereicht?

Kresken: Es wäre knapp geworden, so eine Mission braucht schon Jahre Vorlauf.

Bilder: Meteorit schlägt in Russland ein

Meteorit schlägt in Russland ein

Das klingt nicht beruhigend.

Kresken: Solche Einschläge können katastrophal sein, sie haben das Potenzial, die Menschheit auszulöschen, deshalb kümmert sich die ESA darum. Je früher ein Objekt bekannt ist, desto größer ist die Chance, es von der Erde abzulenken, die technischen Möglichkeiten haben wir.

Dafür, dass wir über die mögliche Auslöschung der Menschheit reden, klingen Sie ziemlich unaufgeregt.

Kresken: Wenn es passiert, kann man nichts machen.

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