Zeitung titelt: "Ein guter Test"

Nach starkem Beben in San Francisco: Bevölkerung nimmt's gelassen 

Sie machen das Beste daraus: Jugendliche nutzen die Eisse in den Straßen der Hafenstadt Napa als Rampe für ihre Skateboards. Die Region wurde am Wochenende von einem Erdbeben der Stärke 6,0 getroffen. Fotos:  dpa

San Francisco. Ein starkes Erdbeben hat nördlich von San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien mehr als 150 Menschen schwer verletzt und zahlreiche Straßen und Häuser beschädigt oder zerstört. „Ein guter Test", schrieb der San Francisco Chronicle gestern über das Beben der Stärke 6,0 auf der Richterskala.

Und trifft damit den Tenor der Bevölkerung, die gelernt hat, trotz der vielen Schäden und Schicksale mit der bebenden Erde zu leben. Die Menschen erwarten ohnehin den „Big Bang“ - einen viel größeren Knall.

„Es ist ein Desaster, aber wir räumen auf“, zitiert der Chronicle Will Wright, in dessen Restaurant in der Hafenstadt Napa der Boden mit zerbrochenen Weinflaschen übersäht ist. Aufräumen mussten die Bewohner des Landstrichs an der US-Westküste schon oft: Bedingt durch die Nähe zur San-Andreas-Verwerfung, an der sich die Pazifische und die Nordamerikanische Erdplatte reiben, sind Beben hier nicht selten.

Die bislang schlimmsten Auswirkungen hatte ein Erdbeben im Jahr 1906, das mit 7,8 auf der Richterskala drei Viertel der Stadt zerstörte und 3000 Menschen das Leben kostete. 1989 wurden zahlreiche Straßen und Autobahnen bei einem Beben der Stärke 7,1 beschädigt, 62 Menschen starben. Weil die Richter-Skala exponentiell verläuft, ist solch ein Beben zehn Mal stärker als eines mit 6,0.

Die vergleichsweise gelassene Haltung der Anwohner und Medien rund um San Francisco liegt auch in einer Studie begründet, die vor sechs Jahren vom Geologischen Dienst der USA (USGS) veröffentlicht wurde. Laut USGS liegt die Wahrscheinlichkeit, dass bis 2028 ein Beben der Stärke 6,7 die Region trifft, bei 99,7 Prozent, und für die Stärke 7,5 bei 46 Prozent.

Nicht alle können gelassen bleiben: Der Wohnwagen von Nola Rawlins (83) wurde bei dem Beben zerstört.

Den „Test“ am Wochenende hat die Region bestanden, wie der San Francisco Chronicle schreibt. Wenn auch mit Einschränkungen: Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei seien zwar schnell gewesen, viele Privathaushalte hätten aber nicht die nötigen Vorkehrungen getroffen.

Wie abgeklärt manche mit der Katastrophe umgehen, zeigt ein Blick auf die Internetplattform Twitter. Dort schreibt die Journalistin Vivian Ho: „Jetzt weiß ich, was nach dem Beben anders war: Es fehlte der Duft von Essen aus den Restaurants.“ Der Politiker Mike Thompson (Repubilikaner) sagte: „Es hätte viel schlimmer kommen können.“

Wer alles verloren hat, hat wird im widersprechen. Wie die 83-jährige Nola Rawlins, deren Wohnwagen, ihr Lebensmittelpunkt, zerstört wurde. Sie steht in ihrem Bademantel vor dem Nichts. Auch ohne „Big Bang“.

Von Sebastian Lammel

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