Vor genau 100 Jahre sank die Titanic: Wie ein Untergang zum Mythos wurde

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In 3800 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantiks: Das Wrack der Titanic.

Genau 100 Jahre ist der Untergang der Titanic nun her, doch die Katastrophe weckt noch heute das Interesse von Experten und Laien, beflügelt immer noch die Phantasie der Menschen. Die HNA wirft einen Blick zurück und analysiert das Phänomen. 

Das vielleicht bekannteste Drama der Neuzeit beginnt um 23.39 Uhr am 14. April 1912: Frederick Fleet, Ausguck auf der Titanic, sichtet in weniger als 500 Metern Entfernung einen Eisberg und schlägt Alarm. Der Erste Offizier William Murdoch startet ein verzweifeltes Ausweichmanöver, doch nur 37 Sekunden später kollidiert das größte Schiff der Welt mit dem Eiskoloss. Die nun beginnende Tragödie dauerte zwei Stunden und 41 Minuten: Dann versinkt die Titanic im eiskalten Atlantik. Von den 2200 Menschen an Bord überleben nur 700.

Gerade erst ist David Camerons Titanic-Film mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet erneut in die Kinos gekommen, der Ozeanriese versinkt jetzt in 3D. Und im nordirischen Belfast, wo das Schiff der White Star Line einst gebaut wurde, eröffnete vor wenigen Tagen ein spektakuläres Titanic-Museum mit dazugehörigem Geschäftszentrum.

Mehr in der Sonntagszeit:

  • Eine Chronik der Katastrophe
  • Wie Sicherheitsstandards für Schiffe heute und gestern aussehen
  • Die Mythen rund um den Untergang 

Sogar eine Speisekarte mit dem letzten Mittagsmenü auf dem Schiff ist heiß begehrt. Bei einer Versteigerung in England erzielte sie einen Spitzenpreis von umgerechnet 91 000 Euro. Für die Passagiere der Ersten Klasse gab es an jenem schicksalhaften Tag unter anderem Eier auf Spargel, Bauernkraftbrühe und Hühnchen a la Maryland. Ruth Dodge, Passagierin und Überlebende, hatte die Speisekarte mit dem Datum 14. April in ihrem Portemonnaie mitgenommen.

Es sind auch diese Geschichten, die den Mythos vom Untergang der Titanic bis heute wachhalten. Das damals größte Schiff der Welt war auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York eine Art gesellschaftlicher Mikrokosmos: Auf den oberen Decks die Schönen und Reichen, darunter – nach heutiger Rechnung – vier Milliardäre wie der Hotelerbe John Jacob Astor, untergebracht in prunkvoll ausgestatteten Kabinen, tafelnd in luxuriösen Speisesälen. In den unteren Decks dagegen viele Auswanderer, in kargen Viererkabinen untergebracht, die Mahlzeiten sparsam, doch voller Hoffnung auf eine gute Zukunft in der Neuen Welt.

Der Mythos lebt: Kate Winslet und Leonardo di Caprio im Titanic-Film aus dem Jahr 1997.

Damit sind schon die Elemente einer klassischen Tragödie beschrieben, die sich in den dramatischen Stunden nach der Kollision abspielt. Sie handelt – quer durch die gesellschaftlichen Klassen – von Ehrgeiz und Mitgefühl, von Feigheit und Mut, von Versagern und Helden. Wir erleben – vielfach geschildert in Büchern und Zeitschriften, vor allem aber durch den Film mit Kate Winslet und Leonardo di Caprio - Beispiele anrührender Menschlichkeit, wenn etwa Ehepaare nicht getrennt werden wollen und lieber gemeinsam sterben. Oder von brutaler Rücksichtslosigkeit, wenn es um Plätze in den viel zu wenigen Rettungsbooten geht.

In einer vor Optimismus strotzenden Zeit hätte der Untergang der Titanic auch eine Warnung für die Menschheit sein können. Denn das beginnende 20. Jahrhundert hielt noch ganz andere Katastrophen bereit, Weltkriege, Völkermorde, Umweltkatastrophen. Und zumeist waren die Ursachen in menschlicher Verblendung und Überheblichkeit, im naiven Glauben an die Überlegenheit der Technik oder der Unterschätzung menschlicher Fehlhandlungen zu suchen. Wie bei jener Katastrophe, die vor 100 Jahren mit dem Alarmruf begann „Eisberg voraus“. (bli)

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