Gerichtsurteil

Nordkorea: 15 Jahre Zwangsarbeit für US-Bürger

Pjöngjang - Neuer Zündstoff: Erneut wird ein US-Bürger in Nordkorea zu Zwangsarbeit verurteilt. Er soll das Regime zu stürzen versucht haben. Sorgen bereitet auch ein neuer Atomreaktor in Nordkorea.

Inmitten der schweren Spannungen um Nordkoreas Atomprogramm hat das oberste Gericht des Landes einen US-Bürger wegen angeblicher Umsturzversuche zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der vor sechs Monaten in Nordkorea festgenommene Amerikaner Pae Jun Ho wurde „feindseliger Handlungen gegen die Volksrepublik“ schuldig gesprochen, wie die Staatsmedien am Donnerstag berichteten. Unterdessen schilderten Experten, dass Nordkorea schon bald einen neuen Reaktor in seiner umstrittenen Atomanlage in Yongbyon in Betrieb nehmen könnte.

Der Fall Pae, der in den USA Kenneth Bae genannt wird, belastet zusätzlich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern. Beobachter schlossen nicht aus, dass Pjöngjang den Amerikaner eventuell als Verhandlungskarte nutzen und den Besuch eines US-Gesandten erzwingen könnte.

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Festnahmen von US-Bürgern in dem weithin abgeschotteten Land gegeben. Sie wurden nach Vermittlungen durch hochrangige amerikanische Gesandte wieder freigelassen.

Jimmy Carter will vermitteln

Was dem Amerikaner koreanischer Herkunft im Detail zur Last gelegt wird, blieb unklar. Südkoreanische Medien hatten berichtet, Pae arbeite als Reiseleiter. Bei seiner Einreise mit einer Gruppe europäischer Touristen im vergangenen November in Rason im nördlichen Teil Nordkoreas sei er festgenommen worden. Bei der Gruppe sei eine Computer-Festplatte gefunden worden.

Auch wurde berichtet, Pae habe bettelnde Kinder im verarmten Nordkorea gefilmt. Laut US-Medienberichten hatte er Verbindungen zu einer Bewegung protestantischer Christen.

Ex-Präsident Jimmy Carter stehe bereit, um erneut als Vermittler nach Pjöngjang zu reisen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Diplomaten in Washington. Dabei wolle Carter sich nicht nur für die Freilassung von Bae einsetzen, sondern auch auf eine Wiederaufnahme des Dialogs beider Länder hinarbeiten.

Im August 2010 hatte Carter bei einem Besuch in Nordkorea die Freilassung eines inhaftierten Landsmannes erreicht, der wegen unerlaubter Einreise zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Im Juni 1994 hatte Carter mit Billigung der US-Regierung Nordkorea besucht, um im Atomkonflikt zu vermitteln.

So inszeniert sich Bubi-Diktator Kim Jong Un

Kim Jong Un besucht ein Munitionsdepot im Süd-Westen Nordkoreas. Alle Bilder wurden von der offiziellen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA herausgegeben und können als Propagandamaterial verstanden werden, das den jungen Diktator im besten Licht zeigen soll © dpa/AP
Bevor er das Depot besichtigt, hält er vor den Soldaten eine Ansprache und ermahnt sie zu "höchster Wachsamkeit" angesichts des potenziellen Krieges © dpa/AP
Anschließend lässt er sich von den anwesenden Militärs als Herrscher des Landes feiern © dpa/AP
Kim Jong Un wird bei einem Besuch des Militärstützpunktes auf der Insel Mu von Offizieren umringt © dpa/AP
Zusammen mit ranghohen Militärs inspiziert er in Pjöngjang die Langstrecken-Artillerie © dpa/AP
Es ist beinahe immer das selbe Bild: Egal wo Kim Jong Un auftaucht, jubeln ihm die Soldaten zu - hier bei einem Besuch des Stützpunktes auf der Insel Jangjae © dpa/AP
Es ist beinahe immer das selbe Bild: Egal wo Kim Jong Un auftaucht, jubeln ihm die Soldaten zu - hier bei einem Besuch des Stützpunktes auf der Insel Jangjae © dpa/AP
Kim Jong Un bei einer Besprechung mit Offizieren. Scheinbar fachmännisch erteilt er Anweisungen © dpa/AP
Auch auf der Insel Wolnae schaut der junge Diktator bei seinen Truppen vorbei © dpa/AP
Kim Jong Un nimmt eine Waffe genauer unter die Lupe © dpa/AP
Ein Lächeln für die Kamera: Kim Jong Un zeigt sich gerne mit Militärs und insziniert sich dabei als gelassener Machthaber, der der Lage Herr ist © dpa/AP
Kim Jong Un hat alles genau im Blick. Das zumindest scheint dieses Foto ausdrücken zu wollen. © dpa/AP
Überhaupt lässt sich Kim Jong Un gerne mit einem Fernglas vor dem Gesicht ablichten © dpa/AP
Hier beobachtet er eine Truppenübung, bei der auch geschossen wird © dpa/AP
Kim Jong Un beobachtet Störe in einem Becken auf einer Fisch-Farm im Süd-Westen des Landes © dpa/AP
Während Kim Jong Un seinen Soldaten auf der Insel Wolnae zuwinkt, müssen sich mehrere Männer die Füße naßmachen, damit der Diktator trockenen Fußes über das Meer schippern kann © dpa/AP
Kim Jong Un mit ernster Miene auf einem Boot © dpa/AP
Kim Jong Un im Gespräch mit Offizieren, die ihn auf der Bootsfahrt begleiten © dpa/AP
Und tatsächlich: Dann finden die Männer doch noch etwas, worüber es sich zu lachen lohnt. © dpa/AP
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un grüßt im April 2012 bei einer Parade in Pjöngjang sein Volk © dpa/AP

Der Streit um Nordkoreas Atomprogramm hatte sich zuletzt zugespitzt. Angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen wegen seines dritten Atomtests im Februar hatte Pjöngjang den USA mit einem Atomschlag gedroht und den „Kriegszustand“ mit Südkorea ausgerufen.

Das US-Korea-Institut an der Johns-Hopkins-Universität vermutet, dass der nordkoreanische „experimentelle Leichtwasserreaktor“ (ELWR) in Yongbyon kurz vor der Fertigstellung steht. Satellitenbilder hätten gezeigt, dass die letzten Außenarbeiten an dem Reaktor ausführt werden, hieß es auf der Website „38 North“ des Instituts.

Zwar scheine es, dass der Reaktor in erster Linie der Stromerzeugung dienen solle. Doch sei auch die Produktion von Plutonium zum Bau von Atomwaffen möglich. Falls Nordkorea über den nötigen Kernbrennstoff verfüge, könnte die Startphase bereits in den nächsten Wochen beginnen. In der Anlage zur Urananreicherung in Yongbyon könnte Nordkorea bereits ausreichend niedrig angereichertes Material produziert haben, um den Reaktor damit mehrere Jahre zu betreiben. Das sei jedoch unklar.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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