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Germanwings-Absturz: Frau gibt sich als Angehörige aus

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Der Gedenkstein in Le Vernet: In den im Hintergrund zu sehenden Alpen zerschellte der Germanwings-Airbus.

Marseille - Geschmackloser geht es kaum: Eine Frau hat sich als Angehörige eines Absturz-Opfers des Germanwings-Flugs 4U9525 ausgegeben und sich unter Betroffene an der Unglücksstelle geschmuggelt.

Der Absturz der Germanwings-Maschine Flug 4U9525 in den französischen Alpen schockierte die ganze Welt. Alle 150 Menschen an Bord kamen bei dem Unglück ums Leben, das offenbar von Co-Pilot Andreas L. absichtlich verursacht wurde. Kaum vorstellbar, was die Angehörigen der Opfer durchmachen. Ihnen wurde nach der Katastrophe eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegengebracht, sei es von Betroffenen anderer Flugzeugunglücke, den Rettungskräften und Einheimischen vor Ort oder vom Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa. Die Fluggesellschaft stand den Angehörigen mit unbürokratischer Unterstützung zur Seite; brachte sie unter anderem in Sonderflügen mehrmals an die Absturzstelle.

Betrügerin gibt sich als Cousine eines Absturz-Opfers aus

Genau diese Hilfe wurde von einer Frau in dreistester Art und Weise ausgenutzt. Sie gab sich als Cousine einer bei dem Unglück ums Leben gekommenen Lehrerin des Halterner Joseph-König-Gymnasiums aus und ließ sich an die Unglücksstelle in Frankreich fliegen. Das berichtet die Halterner Zeitung unter Berufung auf den Vater des Opfers. Die Lehrerin war am 24. März zusammen mit einer Kollegin und 16 Austauschschülern auf dem Heimweg einer Klassenfahrt an Bord der Maschine gewesen. 

Zweimal auf Lufthansa-Kosten geflogen

In Wirklichkeit war die Betrügerin aus Beverungen in Ost-Westfalen mit der Lehrerin weder verwandt noch befreundet. Dem Bericht zufolge sei sie zweimal auf Kosten der Lufthansa nach Südfrankreich gereist. Dort habe sie den Ort Seyne-les-Alpes nahe der Unglücksstelle und die Gedenkstätte in Le Vernet besucht. Und damit nicht genug: Sogar psychologische Betreuung habe die taktlose Frau in Anspruch genommen.

Sprecher erklärt: "Unbürokratische Hilfe ausgenutzt"

Doch wie konnte es zu dem Vorfall kommen? Wie konnte sich die Betrügerin unbemerkt unter die Betroffenen mischen? Da man die Angehörigen in den Tagen nach dem Unglück nicht mit Formalitäten belasten wollte, seien nur "gewisse Plausibilitäten" geprüft worden, erklärte ein Sprecher der Lufthansa gegenüber der Haltener Zeitung und bestätigt das Geschehen. Diese unbürokratische Hilfe hat die Frau offenbar schamlos ausgenutzt.

Während der vergangenen Reise über die Osterfeiertage hätte die Fluggesellschaft Verdacht geschöpft und den Fall aufgedeckt, heißt es in dem Bericht. Da man noch nicht alle Hintergründe geklärt habe, sei bisher aber noch kein Strafantrag gestellt worden.

Die Lufthansa prüfe derzeit rechtliche Schritte gegen die vermeintliche Angehörige, wie ein Sprecher auf Nachfrage der dpa am Donnerstag sagte.

Germanwings-Absturz: Chronologie der Ereignisse

Dienstag, 24. März: Die in Barcelona gestartete Maschine mit Ziel Düsseldorf stürzt in den französischen Alpen ab. © dpa
144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder sterben, darunter 75 Deutsche. © dpa
An Bord sind auch 16 Schüler und 2 Lehrerinnen aus Haltern (NRW). Nach dem Absturz treten etliche Germanwings-Besatzungen ihren Dienst nicht an. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Mittwoch, 25. März: Frankreichs Präsident François Hollande fliegt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über den Unglücksort. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Helfer bergen im abgelegenen Tal bei Seyne-les-Alpes erste Opfer. Die Staatsanwaltschaft Marseille ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Donnerstag, 26. März: Die Auswertung des Stimmenrekorders nährt einen ungeheuren Verdacht: © dpa
Laut Staatsanwalt Brice Robin hat Copilot Andreas L. (27) den Airbus wohl mit Absicht in die Katastrophe gesteuert. Der Pilot sei aus dem Cockpit ausgesperrt gewesen. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Angehörige gedenken erstmals nahe der Absturzstelle der Opfer. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Freitag, 27. März: Die Ermittler geben bekannt, dass bei dem Copiloten zu Hause zerrissene Krankschreibungen gefunden wurden, auch für den Absturztag. © 
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Bundespräsident Joachim Gauck kommt zu einem Gedenkgottesdienst in Haltern. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Lufthansa (hier CEO Carsten Spohr) sagt den Hinterbliebenen eine finanzielle Soforthilfe von jeweils bis zu 50 000 Euro zu. © AFP
Viele Airlines führen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. © dpa
Samstag, 28. März: Germanwings eröffnet in der Nähe der Absturzstelle ein Betreuungszentrum für Angehörige. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Sonntag, 29. März: Berichte, der Copilot habe an starken psychischen Problemen gelitten, lösen eine Debatte über die ärztliche Schweigepflicht aus. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Montag, 30. März: Es wird offiziell bekannt, dass Lubitz Jahre vor dem Absturz als suizidgefährdet eingestuft und in Psychotherapie war.  © Staatsanwaltschaft Düsseldorf
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
In der Düsseldorfer Soko „Alpen“ beschäftigen sich etwa 100 Ermittler mit dem Absturz. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Experten der französischen Gendarmerie stellen sich darauf ein, dass die Identifizierung der Opfer mehrere Monate dauern kann. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Dienstag, 31. März: Ein Versicherungskonsortium hat laut Lufthansa für die Kosten der Katastrophe 278 Millionen Euro zurückgestellt. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Ein Video aus dem Airbus, das Mitarbeitern der Bild“ und der „Paris Match“ eigenen Angaben zufolge vorgelegen habe, soll Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs zeigen. Die Staatsanwaltschaft fordert die Herausgabe des Videos. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Die Lufthansa gibt bekannt, dass ihre Verkehrsfliegerschule während der Ausbildung des Copiloten von einer früheren Depression wusste. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
1. April: Nachdem die Gendarmerie die Bergung von Opfern an der Absturzzone abgeschlossen hat, konzentrieren sich die Experten auf die Suche nach dem zweiten Flugschreiber. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
In Haltern kommen erneut viele Menschen zu einem öffentlichen Gedenkgottesdienst zusammen. © AFP
Germanwings, Absturz
2. April: Einsatzkräfte finden den zweiten Flugschreiber der in den Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine. © dpa
Germanwings, Absturz
3. April: Die Auswertung der zweiten Blackbox bestätigt den Verdacht: Der Copilot der Germanwings-Maschine hat den Airbus bewusst in den Sinkflug gebracht und dabei beschleunigt, wie die Analyse des Flugdatenscheibers ergab. Dies teilte die französische Untersuchungsbehörde Bea mit. © AFP
Germanwings, Absturz
5. April: Vor dem Absturz wusste das Luftfahrtbundesamt nach eigener Darstellung nichts über Lubitz' medizinische Vorgeschichte. Die Lufthansa weist den Verdacht zurück, Informationen zurückgehalten zu haben. © dpa
Germanwings, Absturz
7. April: Der Deutsche Fliegerarztverband fordert strengere Untersuchungen von Passagierflugzeug-Piloten. © dpa
Germanwings, Absturz
9. April: Eine Frau soll sich als Angehörige eines Absturzopfers ausgegeben haben, um auf Kosten der Fluggesellschaft nach Südfrankreich zu fliegen. Es wird wegen Betrugsverdachts ermittelt. © dpa
Germanwings, Absturz
13. April: Der Weltpilotenverband Ifalpa kritisiert vorschnelle Schlüsse aus den bisherigen Unfall-Untersuchungen. © dpa

vh

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