Entführung: Mann befreit sich selbst

Potsdam - Entführt, bedroht und gefesselt. Einem Geschäftsmann aus Brandenburg gelingt nach einem Martyrium die Flucht. Die Polizei sucht nun den Entführer.

Nach qualvollen Stunden in der Hand seines Entführers ist einem Berliner Geschäftsmann die Flucht gelungen. Die Polizei sucht nun nach einem äußerst brutalen Täter und sieht Zusammenhänge zu Angriffen auf die Berliner Unternehmerfamilie Pepper. Um ein Lösegeld in Millionenhöhe zu erpressen, hatte der Kidnapper den 51-Jährigen Familienvater am vergangenen Freitag in dessen Haus in Storkow (Brandenburg) gefangen genommen und verschleppt. Dem Investment-Manager gelang am Sonntag die Flucht.

Im Fall Pepper hatte ein maskierter Mann im Oktober 2011 auf die Tochter des Unternehmers Pepper geschossen. Dabei blieb die junge Frau unversehrt. Ein Wachmann, der sie schützte, wurde von den Schüssen schwer verletzt. Zuvor war die Ehefrau des Unternehmers vor der Villa niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich bei dem Kidnapper um den gleichen Täter, der die Anschläge auf die Unternehmerfamilie verübte.

„Parallelen zum Fall Pepper liegen sehr nahe“, sagte der Leitende Frankfurter Oberstaatsanwalt Carlo Weber. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass derselbe Täter erneut zugeschlagen hat.“ Das brutale Vorgehen und Spuren am Projektil wiesen daraufhin. Es sei dieselbe tschechische Waffe genutzt worden.

Es sind Szenen wie aus einem Krimi, die der Direktor des Brandenburger Polizeipräsidium, Hans-Jürgen Mörke, am Montag in Frankfurt (Oder) beschreibt: Der Kidnapper stürmt in ein Haus, schießt sofort in die Decke. Vor den Augen des zehnjährigen Sohnes muss die Ehefrau ihren Mann fesseln sowie Augen und Mund verkleben. Der kräftig gebaute Entführer fordert Lösegeld in Millionenhöhe und droht der Frau, Mann und Sohn etwas anzutun, falls sie die Polizei ruft. Dann zerrt der Täter sein Opfer aus dem Haus und wirft es in einen angrenzenden See.

Der Manager muss sich an ein Kanu klammern. Etwa eine Stunde - so wird er es später der Polizei berichten - geht es durch das kalte Wasser. Später wechselt der Täter das Boot und rudert sein Opfer zu einer Schilfinsel. Im Schutz der Dunkelheit gelingt dem Mann die Flucht durchs Wasser. Am Ufer angekommen, bittet er einen Hausbesitzer um Hilfe. Dieser alarmiert die Polizei. Dem Opfer gehe es „den Umständen entsprechend“ gut, hieß es.

Die Ehefrau hatte die Polizei unmittelbar nach der Entführung informiert. Laut Polizeipräsident Arne Feuring hat der Täter die Geiselnahme lange vorbereitet. „Von ihm geht eine enorme Gefährlichkeit aus.“ 

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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